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17:49 18 Oktober 2019
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    Auf dem Poster - Präsident der Ukraine Petro Poroschenko (Archiv)

    Exklusiv: Ukrainischer Oligarch im Exil - "Poroschenko geht direkt in den Knast"

    © Sputnik / Stringer
    Politik
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    Einst war er einer der reichsten Männer der Ukraine und die rechte Hand von Präsident Poroschenko. Dann fiel er in Ungnade und flüchtete nach Spanien. Alexander Onischenko rächte sich mit einem Enthüllungsbuch über den Präsidenten. Nach den Wahlen sieht der Oligarch im Exklusiv-Interview mit Sputnik nur einen Weg für Poroschenko - in den Knast.

    Herr Onischenko, meinen Sie, Präsident Poroschenko kann die Wahlen in der Ukraine gewinnen?

    Poroschenko wird nach den Wahlen weg sein. Julia Timoschenko hat ja ein Amtsenthebungsverfahren gegen Präsident Poroschenko im Parlament eingebracht. Journalisten haben herausgefunden, dass Poroschenko von der ukrainischen Armee Geld unterschlagen hat. Er hat alte Ersatzteile aus seinem eigenen Werk überteuert an ukrainische Militärbetriebe verkauft und so Millionen gemacht.

    Meinen Sie, so ein Amtsenthebungsverfahren könnte noch vor den Wahlen Erfolg haben?

    Wenn nicht das, dann etwas anderes. Haben Sie von dem Wahlfälschungsnetzwerk von Poroschenko gehört? Das hat sogar Innenminister Awakow kritisiert. Poroschenko hat eine Datenbank anlegen lassen von armen Leuten, denen er bis zu 5000 Griwna, also etwa 200 Euro bietet, wenn sie für ihn Werbung machen und ihn wählen.

    Außerdem hat Poroschenko ausgerechnet jetzt, für nur einen Monat, die Rente erhöht. Das ist auch nichts anderes als Stimmenkauf, also Wahlfälschung. Fünf Jahre gab es keine Rentenerhöhung, aber ausgerechnet jetzt und nur einmalig für einen Monat.

    Während es vor zwei Monaten noch gar nicht gut aussah für den amtierenden Präsidenten Poroschenko, ist er jetzt in der Top 3. Wie hat er das geschafft?

    Poroschenko bezahlt die Firmen, die die Wahl-Ratings erstellen, damit diese ihn auf Platz zwei führen, damit er in die Stichwahl kommt. Das ist Teil seines Plans.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: Wovon Poroschenko träumt: Die Ukraine wächst und wird mit US-Hilfe Nato-Mitglied<<<

    Hat ihm auch die Verhängung des Kriegsrechts Ende vergangenen Jahres geholfen?

    Wirklich geholfen hat ihm das nicht. Zumindest nicht im Inland. Er hat versucht, Kriegsschiffe nach Kertsch zu bringen, aber von Putin eine klare Antwort gekriegt. Er hat gezeigt, wenn sich ein ukrainisches Schiff der Grenze zu Russland oder zur Krim nähern sollte, dann wird geschossen.

    Was ist denn nun Poroschenkos Wahltaktik?

    Er konzentriert sich jetzt auf die nationalistischen Wähler. Er hat begriffen, dass er mit dem Krieg im Osten allein wohl nicht die Wahl gewinnen kann. So hat er sein Wahlprogramm rein nationalistisch ausgerichtet. So hat er ja auch die eigene ukrainische Kirche durchgesetzt und will überall die russisch-orthodoxe Kirche austauschen.

    Und von außen setzt er auf die Nato. Poroschenko versucht, Nato-Schiffe nach Odessa und ins nördliche Schwarze Meer zu bekommen. Damit will er den Wählern zeigen: Seht ihr, Westeuropa und die USA unterstützen mich. Wir sind bereit für einen Krieg mit Russland. So versucht er, so viele nationalistische Wähler wie möglich, vor allem aus der Westukraine, zu bekommen. Das sind die Einzigen, die ihn noch wählen würden.

    In erster Linie ist Poroschenko ja Geschäftsmann. Wie ist Poroschenkos Macht bei den Oligarchen? Wer unterstützt ihn?

    Das ist in erster Linie Rinat Achmetow, der reichste Mann der Ukraine. Der macht im Moment alles für ihn. Poroschenko kommt diese Woche auch zur Eröffnung des neuen Windkraftwerks von Achmetow.

    Poroschenkos klassische Konkurrentin ist Julia Timoschenko. Sie liegen im Moment bei den Prognosen ungefähr gleichauf. Sie sagten damals, falls Sie selbst nicht kandidieren können, würden Sie Timoschenko unterstützen. Ist das immer noch so?

    Ja, das ist so. Ich unterstütze Julia Timoschenko und bin in Kontakt mit ihr. Sie war und ist ja bisher auch führend in den Umfragen, wenn auch knapp. Ich glaube, sie wäre die beste Präsidentin.

    Steht sie nicht zu sehr für die alte Zeit?

    Sie musste natürlich viele schlechte Erfahrungen machen, war im Gefängnis. Aber sie hat die besten Schlüsse daraus gezogen. Sie hat jetzt einen sehr klaren Plan für die Wirtschaft, für die Zukunft der Ukraine. Sie wird nicht die Fehler von Janukowitsch und Poroschenko wiederholen. Sie ist clever genug.

    Alexander Onischenko
    © Foto : Alexander Onischenko
    Alexander Onischenko

    Wie würde Timoschenko sich eigentlich gegenüber Russland positionieren und was sind ihre Pläne für den Donbass?

    Wenn es nach Timoschenko geht, könnte man diesen Krieg im Donbass sofort beenden. Nur Poroschenko profitiert davon. Er macht ja auch Geschäfte über den Donbass mit Russland. Da kommt jetzt gerade eine neue Geschichte heraus, wie er Kohle in Russland kauft, sie in Weißrussland umdeklarieren lässt und in die Ukraine importiert. Ähnlich macht Poroschenko mit Russland auch Ölgeschäfte. Auch Kohle aus dem Donbass führt er umdeklariert als angeblich weißrussische Kohle ein. Dabei gibt es in Weißrussland überhaupt keine Kohle.

    Wenn Timoschenko gewinnt, würden dann auch Sie in die ukrainische Politik zurückkehren?

    Ich bin ja immer noch offiziell Abgeordneter der ukrainischen Rada. Und Parlamentswahlen wird es erst im Herbst geben.

    Timoschenko wird vom Oligarchen Igor Kolomoiski unterstützt?

    Nein, Kolomoiski unterstützt Selenski, soviel ich weiß.

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    Der dritte aussichtsreiche Kandidat. Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Was vor zwei Monaten noch niemand für möglich hielt: Der TV-Komiker Wladimir Selenski hat reale Chancen, Präsident zu werden, oder?

    Ja, ihn unterstützen vor allem die jungen Leute, Studenten. Aber ich weiß nicht, ob die jungen Leute auch zur Wahl gehen werden.

    Könnte er denn ein guter Präsident sein?

    Er hat überhaupt keine Erfahrung als Politiker. Aber sein Film, in dem er den Präsidenten spielt, war schon gut. Da zeigt er, wie ein Präsident des Volkes sein sollte. Und jetzt glauben alle, wenn er das so im Film spielen konnte, dann kann er auch im wirklichen Leben so ein Präsident sein. 

    Wenn Selenski gewinnt, würden Sie dann in die Ukraine zurückkehren?

    Ja. Egal, wer gewinnt, Hauptsache nicht Poroschenko. Mit allen anderen würde ich mich verstehen. Aber das, was Poroschenko macht, ist politische Verfolgung.

    Wenn es nach dem Willen des westlichen Auslands geht, dann soll Poroschenko nochmal gewinnen.

    Klar, sie benutzen ihn gegen Russland. Amerika und Europa wollen kein starkes Russland. Da brauchen sie einen Poroschenko, der immer schreit: Russland ist gefährlich, wir haben Krieg mit Russland.

    Der Ukraine geht es wirtschaftlich schlecht. Was wären die dringendsten Aufgaben eines neuen Präsidenten?

    Die Korruptionsbekämpfung. Was mit Poroschenko natürlich nicht geht. Er ist so korrupt, dass er die ganzen Behörden kontrolliert. So wie er auch alle Geschäfte an sich reißen will.

    Falls Poroschenko nicht gewinnt, geht er dann zurück in die Wirtschaftswelt?

    Er geht direkt in den Knast.

    Buch „Peter, der Fünfte – Die wahre Geschichte des ukrainischen Diktators“ von Alexander Onischenko
    © Foto : Alexander Onischenko
    Buch „Peter, der Fünfte – Die wahre Geschichte des ukrainischen Diktators“ von Alexander Onischenko

    Das Buch „Peter, der Fünfte – Die wahre Geschichte des ukrainischen Diktators“ von Alexander Onischenko ist im Verlag Edition Ost erschienen: https://www.eulenspiegel.com/verlage/edition-ost/titel/peter-der-fuenfte.html

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    Oligarchen, Knast, Impeachment, Wahl, Alexander Onischenko, Julia Timoschenko, Petro Poroschenko, Ukraine