SNA Radio
    Außenminister Russlands, Chinas uind Indiens - Sergej Lawrow, Wang Yi und Sushma Swaraj - beim Treffen in Wuzhen

    China, Russland und Indien: Eurasische Dreier-Achse gegen USA?

    © AP Photo / Weng Xinyang/Xinhua
    Politik
    Zum Kurzlink
    443035

    Der neue Mechanismus der Beratungen der Verteidigungsminister Chinas, Russlands und Indiens könnte die Rolle dieses Dreierblocks bei der Lösung von regionalen und internationalen Krisen stärken. Zu den Ergebnissen des RIC-Ministertreffens im chinesischen Wuzhen am 27. Februar nehmen Experten gegenüber Sputnik Stellung.

    Im Allgemeinen handele es sich um eine Art Reaktion auf das aggressive Verhalten der USA und ihrer Verbündeten sowie den Ausstieg der Vereinigten Staaten aus dem INF-Vertrag, so die Experten.

    Die Initiative wurde vom Außenminister Chinas Wang Yi auf der abschließenden Pressekonferenz erläutert. Der russische Außenamtschef Sergej Lawrow bestätigte die Worte seines chinesischen Amtskollegen. Im RIC-Format soll die Möglichkeit der Schaffung eines Beratungsmechanismus der Verteidigungsminister erörtert werden. Beobachter schließen nicht aus, dass der Vorschlag über die Erweiterung des Gesprächsformats bei der Zusammenkunft zwischen Wang Yi und Sergej Lawrow vor dem trilateralen Treffen vorgebracht wurde. Diese Initiative soll die Rolle des RIC-Formats bei der Suche nach Lösungen von Krisensituationen stärken, sagte der Generaldirektor des Zentrums für politische Informationen, Alexej Muchin.

    „Das Format auf der Ebene der Verteidigungsminister sieht die Koordinierung von Handlungen zur Nichtzulassung der Eskalation eines bewaffneten Konfliktes am jeweils betroffenen Ort vor, darunter zwischen Indien und Pakistan. Die Schaffung dieses Gremiums könnte eine direkte Antwort der drei Länder auf die aggressive Politik der USA und ihrer Verbündeten sein“, so Muchin. „In der letzten Zeit bauen die USA ihre Militärstärke in Europa aus, kündigen rücksichtslos den INF-Vertrag. Gegenüber Russland, Indien und China entsteht eine direkte Sicherheitsbedrohung. Gerade deswegen soll zur Koordinierung der Handlungen und Vorbeugung jeder Aggression ein Arbeitsformat des Zusammenwirkens der Verteidigungsminister geschaffen werden. Darin gibt es nichts, was zu einem Ungleichgewicht in der Politik führen kann“, so der Experte.

    Die Experten zeigen sich jedoch unschlüssig darüber, wie der neue Beratungsmechanismus im Rahmen dieses Dreier-Blocks zum Tragen kommen kann, weil jede Seite ihre eigenen Interessen hat. Doch dieses Format kann angesichts seines geopolitischen Gewichts jedes Landes eines der einflussreichsten in der Welt werden, sagte der Militärexperte Generalmajor a.D. Pawel Solotarjow.

    „Die Militärs lösen im Unterschied zu Politikern auf ihre eigene Weise Aufgaben zur Gewährleistung der Sicherheit, Verhinderung von Vorfällen. Deswegen ist die Initiative zu den Beratungen der Verteidigungsminister nützlich. Auch die Zusammensetzung der Teilnehmer ist logisch – die drei größten Staaten im eurasischen Raum. Dass die Aufgaben und die politischen Interessen manchmal nicht übereinstimmen, ist ein natürlicher Prozess, das muss aber kein Hindernis bei der Durchführung von Konsultationen sein“, so der Experte.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: Pakistan zu Vermittlung Russlands bei Gesprächen mit Indien bereit<<<

    „Dazu gibt es auch Konsultationen und Treffen nicht nur für Militärs, sondern auch Politiker klären, wodurch sich die Positionen unterscheiden, was getan werden muss, damit das die Förderung der nationalen Interessen, die Gewährleistung der regionalen und globalen Sicherheit nicht verhindert. Das Vorhandensein von Widersprüchen ist ein natürlicher Prozess, die Aufgabe der Militärs ist, so zu handeln, dass sie nicht zu Konflikten führen. Man kann immer Annäherungspunkte finden, zumal die Positionen Russlands, Chinas und Indiens bei den Hauptfragen der regionalen Sicherheit übereinstimmen“, so der Experte.

    Einige Politologen und Politiker halten ein Militärbündnis mit Indien und China für möglich. Der Militärexperte Michail Chodarjonok betrachtet jedoch ein solches Militärbündnis als ferne Zukunftsmusik.

    „Die Interessen der Seiten unterscheiden sich stark voneinander, weshalb man sich nur schwer vorstellen kann, dass sie weiter als ein Konsultationsmechanismus und Meinungsaustausch gehen können, es geht also nicht um ein Militärbündnis bzw. eine —allianz und gemeinsame Operationen. Eine andere Sache sind Konsultationen. Sie sind immer nützlich und helfen den Seiten, die Positionen voneinander zu klären. Die nächste Etappe — ein Militärbündnis — ist eine sehr weit entfernte Aussicht. Jedes Militärbündnis sieht gemeinsame Leitung, Unterordnung der Truppen, Kräfte und Mittel vor. Allerdings werden regelmäßige Konsultationen der Minister nicht die jeweiligen Interessen bedrohen“, so Chodarjonok.

    Der Politologe Ma Youjun äußerte, dass der neue Mechanismus das Vertrauen zwischen China und Indien fördern könnte.

    „In den vergangenen Jahren haben sich die chinesisch-russischen und russisch-indischen Beziehungen gut entwickelt, doch auf dem Weg zur Entwicklung der chinesisch-indischen Beziehungen sind immer noch Stolpersteine zu finden. Es geht unter anderem um den Vorfall auf dem Plateau Doklam. Jetzt haben China, Russland und Indien einen Mechanismus für Außenministertreffen geschaffen, und wenn die Länder die pragmatische Zusammenarbeit weiter entwickeln wollen, sollten sie mehr Kooperationsmechanismen schaffen, wie die Verteidigungsministertreffen, Kooperation zwischen Unternehmen und Wirtschaft, zwischen den Regierungen und lokalen Machtorganen. Die Schaffung von Kooperationsmechanismen kann den Faktoren der Unbestimmtheit vorbeugen und diese kontrollieren. Das Fehlen eines solchen Mechanismus steigert die Wahrscheinlichkeit von Kontroversen zwischen China und Indien. Deswegen soll der Kooperationsmechanismus der Außenminister Chinas, Russlands und Indiens durch den Kooperationsmechanismus der Verteidigungsminister ergänzt werden“, so der Experte.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: Lawrow: Nach Venezuela sind Kuba und Nicaragua „an der Reihe“<<<

    Chinas Verteidigungsministerium nahm am 28. Februar erstmals Stellung zu dem Vorstoß für den neuen Mechanismus. Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Ren Guojiang, antwortete während eines Pressebriefings auf eine entsprechende Frage der Agentur Sputnik:

    „Die Medien berichteten bereits umfassend über das Treffen der Außenminister Chinas, Russlands und Indiens. Was den Mechanismus der Treffen zwischen den Verteidigungsministern Chinas, Russlands und Indiens betrifft, sind wir zur aktiven Koordinierung und zu Kontakten zwischen allen Seiten bei dieser Frage bereit.“

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Militärmacht, Internationale Beziehungen, Treffen, Krisenlösung, Konflikt, Verteidigung, Kooperation, INF-Vertrag, Sicherheit, Wang Yi, Sergej Lawrow, Doklam, Pakistan, Indien, USA, Russland, China