19:09 18 April 2019
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    Gas-Transitlieferungen

    Die überteuerte Ukraine: Warum man neue Gaspipelines braucht

    © Sputnik / Ilya Pitalev
    Politik
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    Natalia Pawlowa
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    Der Transit russischen Gases durch die Ukraine ist laut dem russischen Energieminister Alexander Nowak zwei bis zweieinhalb Mal teurer als über andere Strecken. Neue Gaspipelines, darunter Nord Stream 2 und Turkish Stream, seien viel vorteilhafter.

    „Wenn wir über die bestehenden Routen sprechen, die jetzt für den Transit von russischem Gas genutzt werden, ist die ukrainische Linie die teuerste, und dort sind die höchsten Tarife festgelegt — sie sind zwei bis zweieinhalb Mal höher als bei anderen Routen", verlautbarte der Energieminister in einem Interview mit der russischen Onlinezeitung gazeta.ru, wobei er betonte, dass Kiew den höchsten Tarif für die Gasdurchleitung festgesetzt habe.

    Zum Vergleich nannte er die Gaspipelines Jamal — Europa und Nord Stream 1, wo der Preis für die Durchleitung von 1000 Kubikmeter Erdgas pro 100 Kilometer niedriger sei als über die ukrainische Pipeline. Das sei in erster Linie auf die Tatsache zurückzuführen, dass das ukrainische Gastransportsystem vor etwa 50 Jahren geschaffen wurde. Die Technologien seien alt gewesen, der Verschleiß der Grundfonds ziemlich hoch und es habe große Verluste beim Gastransport gegeben, präzisierte der Minister.

    Dabei beruhen die neuen Gastransportsysteme wie Nord Stream 1, Turkish Stream und Nord Stream 2 auf modernsten Technologie: Es gebe Rohre mit großem Durchmesser, hohen Druck, eine hohe Geschwindigkeit bei der Gasübertragung und geringe Verluste.

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    Die Selbstkosten des Gastransports über Nord Stream 1 seien für den Verbraucher fast zweimal so niedrig wie der Gastransport über das ukrainische Gastransportsystem, erklärte Nowak und hob hervor, dass es der Ukraine schwer fallen werde, bei der Aushandlung eines neuen Transitabkommens mit Gazprom ab Beginn 2020 die ökonomische Leistung ihres Erdgastransportsystems zu begründen.

    Über ein baldiges Ende der Zeiten der „ukrainischen Monopolstellung" im Bereich des Gastransits nach Europa äußerte sich auch der Vorstandschef des am Projekt beteiligten österreichischen Energiekonzerns OMV, Rainer Seele, gegenüber der Zeitung „Frankfurter Allgemeine". Nach seinen Worten werde die Fertigstellung von Nord Stream 2 den Schlusspunkt in dieser Angelegenheit setzen. Nach der Inbetriebnahme der Gaspipeline würden die Länder Osteuropas die Möglichkeit verlieren, zu hohe Transitpreise festzulegen. Das sei bestimmt ein positives Ereignis für Europa, sagte er.

    Die Aussagen von Energieminister Nowak lösten neue Diskussionen in der EU über die Zweckmäßigkeit des Baus von Nord Stream 2 aus. Warnungen vor der energetischen Abhängigkeit Europas von Russland werden laut. Das deutsche Handelsblatt schreibt über die Versuche Russlands, die Ukraine als Transitland für russisches Erdgas nach Europa „auszuschalten", und über die Verletzung der Vereinbarung zwischen dem russischen Präsidenten, Wladimir Putin, und Bundeskanzlerin Angela Merkel, der zufolge der Transitstatus der Ukraine auch nach dem Bau von Nord Stream 2 fortbestehen soll.

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    Der russische Präsident wie auch Vertreter von Gazprom haben früher erklärt, dass Kiew die Zweckmäßigkeit des weiteren Gastransports über das ukrainische Gastransportsystem begründen solle. Die gleiche Meinung äußerte Alexander Nowak während der letzten dreiseitigen Konsultationen in Brüssel. Die Fortsetzung der Verhandlungen auf Ministerebene ist für Mai geplant.

    Die USA, einige europäische Länder und die EU-Kommission meinen, dass das Pipeline-Projekt die Abhängigkeit vom russischen Gas erhöhen und die Ukraine die Durchleitungseinnahmen verlieren werde, die jährlich zwischen zwei und vier Milliarden US-Dollar ausmachen würden. Deswegen werde Russland auf jede Art und Weise dazu gezwungen, dieses Transitvolumen beizubehalten, bemängelte Nowak.

    Der deutsche Experte für die Energiepolitik Russlands Dr. Christian Wipperfürth bezweifelt nicht, dass man nach der Inbetriebnahme von Nord Stream 2 und Turkish Stream auch die Ukraine als Transitland brauchen werde, weil der Importbedarf in Europa steige. Auf die Transitlieferung durch die Ukraine werde man zumindest für einige Jahre noch nicht verzichten können. So sehe das auch die russische Seite — denn es gebe einige Abnehmer in Südost-Europa, die nur über die Ukraine versorgt werden könnten, sagte Wipperfürth im Gespräch mit Sputnik.

    „Falls die Ukraine auf Dauer Transitland bleiben will, muss man die Leitungen modernisieren", fügte er hinzu. „Es muss Unternehmen geben, die bereit sind, dafür zehn Milliarden zu investieren, und das ist wirklich nicht absehbar. Westliche Unternehmer sind bislang dazu nicht bereit, weil die politischen Rahmenbedingungen unsicher sind, und zwar schon seit vielen Jahren, nicht erst seit 2014", so der Energieexperte.

    Für Deutschland ist das Pipeline-Projekt besonders bedeutend, da die Bundesregierung den Ausstieg aus Atom- und Kohlekraftwerken bis 2038 beschlossen hat. Nord Stream 2 ist das Projekt für eine weitere Gaspipeline zwischen Russland und Deutschland, die auf dem Grund der Ostsee verlegt werden soll. Ihre Gesamtkapazität soll etwa 55 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr erreichen. Der Betriebsstart ist für Ende 2019 geplant.

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    Tags:
    Gaslieferung, Gas, Gastransit, Nord Stream, Turkish Stream, Nord Stream 2, Alexander Nowak, Ukraine