01:00 23 April 2019
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    „Holocaust-Streit“: Kaczynski fordert von Israel klare Entschuldigung

    © AFP 2019 / JANEK SKARZYNSKI
    Politik
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    Der Chef der polnischen Regierungspartei PiS, Jaroslaw Kaczynski, erwartet eine klare Entschuldigung Israels bezüglich des Antisemitismus-Vorwurfs von Außenminister Israel Katz und wegen seiner Äußerungen zur Rolle der Polen während der NS-Besatzung, meldet die Frankfurter Runschau.

    Im polnischen Radio hat Kaczynski am Samstag mitgeteilt, dass die Aussage (von Außenminister Katz – Anm. d. Red.) „äußerst skandalös“ gewesen sei, und forderte dazu eine „klare Entschuldigung“, so die Meldung.

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    Vor etwa zwei Wochen hatte Katz im israelischen Fernsehen auf eine Äußerung von Ex-Ministerpräsident Izchak Schamir verwiesen und gesagt, dass die Polen den „Antisemitismus mit der Muttermilch aufgesogen“ hätten. Davor hatte Katz die Position bezogen, dass die Polen während der NS-Besatzung mit den Deutschen kollaboriert haben sollen, weswegen ein Streit zwischen den beiden Ländern entbrannt sei. 

    Warschau zeigte sich aufgrund der Äußerungen aus Israel empört und hat seine Teilnahme an einem Visegrad-Gipfel in Jerusalem abgesagt. Der polnische Premierminister Mateusz Morawiecki begründete die Absage unter anderem mit den Äußerungen des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, der den „Holocaust-Streit“ nur noch mehr angeheizt habe. 

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    Netanjahu hatte von einer Mitschuld der Polen an den Verbrechen der Nazis gesprochen und das polnische „Holocaust-Gesetz“ kritisiert. „Die Polen haben mit den Nazis kollaboriert, und ich kenne niemanden, der für eine solche Feststellung jemals verklagt worden wäre“, teilte er gegenüber einer israelischen Zeitung mit. Im Nachhinein hat Netanjahu allerdings klargestellt, dass er lediglich von einzelnen Kollaborateuren und nicht von „den Polen“ als Nation gesprochen habe.

    Außenminister Katz hingegen hatte vergangene Woche deutlich gemacht, dass er sich für seine Antisemitismus-Vorwürfe gegen Polen nicht entschuldigen werde. „Ich bedauere nichts von meinen Aussagen. Meine Eltern erlebten den Holocaust, als Sohn von Holocaust-Überlebenden muss ich die Wahrheit sagen“, so Katz.

    Diverse vorhergehende Vorwürfe gegen Warschau bezüglich einer mutmaßlichen Kollaboration der Polen mit Hitler-Deutschland während des Zweiten Weltkrieges hat die polnische Regierung zu einer entsprechenden Gesetzesinitiative veranlasst. So gilt in Polen seit etwa einem Jahr ein neues Gesetz, das es unter Geldstrafe stellt, der polnischen Nation eine Verantwortung für die von den Nazis begangenen Verbrechen zuzuschreiben.

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    Nazi-Kollaborateur, Kollaborateure, Streit, Kollaboration, Nazis, Hitler, Gesetz, Holocaust, Visegrad-Gruppe, PiS-Partei, Izchak Schamir, Mateusz Morawiecki, Israel Katz, Jaroslaw Kaczynski, Benjamin Netanjahu, Drittes Reich, Israel, Polen, Deutschland