22:20 20 April 2019
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    CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer (Archiv)

    AKK erntet Shitstorm nach Witz über drittes Geschlecht

    © AFP 2019 / Odd ANDERSEN
    Politik
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    CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hat sich bei ihrem satirischen Auftritt bei einer Karnevalssendung im SWR über sogenannte Intersexuelle lustig gemacht – und sich damit scharfe Kritik eingehandelt.

    „Guckt euch doch mal die Männer von heute an“, sagte Kramp-Karrenbauer am Donnerstag im baden-württembergischen Stockach am Bodensee. „Wer war denn von Euch vor kurzem mal in Berlin? Da seht ihr doch die Latte-Macchiato-Fraktion, die die Toiletten für das dritte Geschlecht einführen.“

    „Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder noch sitzen müssen. Dafür, dazwischen, ist diese Toilette“, fügte sie hinzu.

    In der Halle wurden Kramp-Karrenbauers Worte mit einem Tusch und Gelächter und Johlen im Publikum begrüßt.

    Öffentliche Aufmerksamkeit erregte laut der dpa im Nachgang aber ein Artikel des Portals queer.de, auch die Satiresendung Extra3 habe einen Videoausschnitt auf Twitter verbreitet.

    „Wieder so ein Tag zum Fremdschämen… Ist es so schwierig, eine humorvolle Narrenrede zu halten, ohne platt auf Minderheiten einzudreschen?“, twitterte der FDP-Bundestagsabgeordnete Jens Brandenburg, der Fraktionssprecher für die Anliegen von Lesben, Schwulen, Bi-, Trans- und Intersexuellen (LSBTI).

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    Der Grünen-Abgeordnete Sven Lehmann reagierte ähnlich: „Hallo Frau Kramp-Karrenbauer, haben Sie es wirklich nötig, für einen billigen Kalauer sich auf Kosten von inter- und transsexuellen Menschen lustig zu machen?“

    Der Berliner Kultursenator Klaus Lederer (Linke) übte ebenfalls scharfe Kritik an Kramp-Karrenbauer und sprach von einem „Trauerspiel“: Die CDU-Chefin „denunziere auf Stammtischniveau" Menschen, "die nicht der geltenden Machonorm entsprechen“.

    Der Chefredakteur der „Welt-Gruppe“ Ulf Poschardt regierte auf den Vorfall mit einer Forderung nach „politischer Korrektheit“ beim Karneval:

    Doch es gab auch andere Stimmen im Netz, die die CDU-Chefin verteidigten. So wunderten sich manche Twitter-Nutzer über die heftige Reaktion auf den Witz.

    Auch Politiker sprangen Kramp-Karrenbauer zur Seite. CDU-Abgeordneter Kai Whittaker nannte die Empörung über AKKs Witz „völlig gaga“: „Wer das Stockacher Narrengericht gesehen hat, wird feststellen, dass sie sich über Männer lustig gemacht hat. Und ansonsten gilt: Alle mal tief durchatmen und die Kamelle flach halten!“

    Kramp-Karrenbauer ist bekanntlich keine Verfechterin der „Ehe für alle“. Als im Jahr 2017 in Deutschland die gleichgeschlechtliche Ehe eingeführt wurde, erklärte sie, dass sie die Entscheidung des Bundestags natürlich akzeptiere, doch trotzdem bei ihrer persönlichen Überzeugung bleibe, die Ehe als Verbindung von Mann und Frau anzusehen.

    2015 hatte Kramp-Karrenbauer – damals noch als saarländische Ministerpräsidentin – mit einer Aussage über die Homo-Ehe Empörung ausgelöst. „Es stellt sich die Frage, ob wir grundlegende Definitionen unserer Gesellschaft verändern wollen, und zwar mit womöglich weitreichenden Folgen“, hatte sie der Saarbrücker Zeitung gesagt.

    „Wenn wir diese Definition öffnen in eine auf Dauer angelegte Verantwortungspartnerschaft zweier erwachsener Menschen, sind andere Forderungen nicht auszuschließen: etwa eine Heirat unter engen Verwandten oder von mehr als zwei Menschen“, mahnte Kramp-Karrenbauer.

     

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    Annegret Kramp-Karrenbauer, Deutschland