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    CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer (i.d.Mitte) beim Karneval in Stockach

    Spült Empörungswelle AKK für Klo-Witz vom Olymp? „Nicht unterschätzen“ - Kohl-Berater

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    Annegret Kramp-Karrenbauer hat Zeit, sich als Kanzlerkandidatin zu profilieren, sagt Horst Teltschik, Berater des Ex-Bundeskanzlers Helmut Kohl, gegenüber Sputnik. Auch Angela Merkel soll noch nicht ausgedient haben, sondern nach wie vor die stärkste Regierungschefin Europas sein.

    Wann kommt der Humorwächterrat? Lesben und Schwule in der Union fordern Entschuldigung; Die Würde des Menschen gilt auch zur Narrenzeit — der Karnevalsauftritt von AKK hat im politischen Berlin eine große Welle der Empörung ausgelöst, die sich noch nicht legen möchte. Die Frage der Medien, ob eine potentielle Kanzlerkandidatin über Intersexuelle scherzen darf, mag nach bürgerlicher Zensur aussehen.

    „Natürlich gibt es in Deutschland keine Zensur“, kontert darauf Horst Teltschik, der Berater Helmut Kohls und Ex-Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, in einem Sputnik-Gespräch. Der Grund für die Empörung liegt ihm zufolge darin, dass die Berliner nicht gerade als begeisterte Karnevalsanhänger bekannt sind und darum wenig Sinn für das Närrische hätten. Bei dieser Gelegenheit sollte man aber nicht alles auf die Goldwaage legen, so Teltschik. Übrigens: „Die Kritik an AKK sei maßlos übertrieben“. Aber auch für sie als erfahrene Büttenrednerin sei diese ein wichtiges Zeichen: Alles was sie sage, werde jetzt kritisch analysiert.

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    Zuletzt erschienen in den bundesweiten Medien etliche AKK-Portraits, in denen es nicht an Lob mangelte: Strategisch klug soll die CDU-Chefin sein, eine Frau mit Lebenserfahrung und eleganter Art und Weise, Probleme zu lösen. Allenfalls bei der Frage nach dem Charisma kommt Kramp-Karrenbauer laut einer Studie des Allensbach-Instituts nicht so gut weg. „Ich würde sie trotzdem nicht unterschätzen“, kommentiert Teltschik. „Außerdem hat sie noch Zeit, sich zu profilieren. Sie ist intellektuell, zielbewusst und sehr konkret in ihren Wünschen“. Der Experte rät davon ab, ihr schon jetzt eine Kanzlerschaft zu prophezeiten, denn noch könnten sich andere Kandidaten melden, bis 2021 sei noch Zeit.

    Dies belegt Teltschik im Rückblick auf die Geschichte Helmut Kohls. 1971 hatte Kohl für den Posten als CDU-Chef kandidiert und eine schwere Niederlage erlebt. Doch dann trat der amtierende Parteichef, Rainer Barzel, 1973 zurück. „Er wollte immer Bundeskanzler werden. Selbst wenn der bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß (CSU) ihn zwischendurch überholt hatte, schaffte Kohl das etwas später, im Jahre 1982“. Dass Angela Merkel früher geht als 2021, hält Teltschik für pure Spekulation.      

    Angela Merkel nach wie vor die stärkste Regierungschefin Europas

    Dass die Bundeskanzlerin nach ihrem Rücktritt vom CDU-Vorsitz initiativlos wirkt, weist Teltschik auch zurück. Sie sei immer noch die führende Kraft in Europa, führe zahlreiche internationale Gespräche, darunter mit Theresa May, Emmanuel Macron, Wladimir Putin. Vielleicht sei sie zu schweigsam und rede zu wenig darüber, was sie mit wem bespreche, so der Politologe. „Ihre Schwäche ist es, dass sie sie ihre politischen Ziele nicht öfters öffentlich erklärt“.

    Ob es trotzdem nicht am Leadership in Europa fehlt? Die USA, Russland und China scheinen sich als Machtzentren zu etablieren, während Europa eher wortkarg auftritt. Darauf erwidert Teltschik: „Die EU erlebt eine Krise. Solange sie die eigenen Probleme nicht löst, ist sie international nicht besonders stark. Es geht aber nicht darum, das Gegengewicht zu sein, sondern ein starker Partner bei Lösung internationaler Probleme wie Welthandel, Rüstungskontrolle und Klimaschutz“. Angela Merkel und Emmanuel Macron, aber auch Großbritannien und Polen könnten diese Rolle übernehmen. Ob Macron wegen der Gelbwesten-Proteste nicht schon politisch tot ist? „Jemand, der politisch als tot erklärt wurde, lebt in Wirklichkeit länger“, beschließt Teltschik.

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    Tags:
    Gelbwesten, Welthandel, Bundeskanzler, Rüstungskontrolle, Klimaschutz, Karneval, Politik, Münchner Sicherheitskonferenz, Allensbacher Institut für Demoskopie, CDU, CSU, Annegret Kramp-Karrenbauer, Theresa May, Helmut Kohl, Horst Teltschik, Emmanuel Macron, Angela Merkel, Wladimir Putin, Europa, Polen, Großbritannien, Deutschland, USA, Frankreich, Russland, China