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    Venezuelas Oppositionsführer Juan Guaido während der Demo in Caracas

    Venezuelas Ex-Vizeaußenminister - Exklusiv: Darauf stützt sich der Regimechange-Plan

    © REUTERS / Manaure Quintero
    Politik
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    Der Sicherheitsberater des US-Präsidenten, John Bolton, hat am vergangenen Sonntag erklärt, dass Washington auf jegliche Versuche, die sichere Heimkehr des selbsternannten venezolanischen Interimspräsidenten Juan Guaidó zu behindern, heftig reagieren würde.

    Sputnik hat angesichts dessen mit dem früheren Vizeaußenminister Venezuelas, Temir Porras Ponceleon, gesprochen, der zudem außenpolitischer Berater des Ex-Präsidenten Hugo Chavez und Wahlstabschef des jetzigen Präsidenten Nicolás Maduro war.

    Der Sicherheitsberater des US-Präsidenten, John Bolton, hat mit einer „starken“ und „spürbaren“ Antwort im Falle der Behinderung Guaidós bei dessen Rückkehr nach Venezuela gedroht. Aus welchem Grund trat der Beamte mit solchen Drohungen auf?

    Erstens stützt sich Boltons Plan auf die Vermutung, dass die weitere Anspannung zwischen der durch Juan Guaidó vertretenen Opposition und der Regierung Nicolás Maduros am Ende zum Machtwechsel und zum Scheitern der Regierung des Präsidenten Maduro führen wird – wenn man davon ausgeht, dass es zu einem militärischen Aufstand oder zur Spaltung in den venezolanischen Streitkräften kommt. Also stützt sich diese Strategie der USA zum Generieren des Regimewechsels in Venezuela auf eine Vermutung, die eigentlich äußerst schwach ist.

    Bolton besteht auf der Strategie, die die USA seit dem 23. Januar durchsetzen, obwohl sie sich schon als ineffizient erwiesen hat. Und inzwischen sind wir im Rahmen dieser Strategie, die Venezuela von den USA aufgezwungen wurde, so tief wie nie zuvor in eine Sackgasse geraten. Und es ist völlig klar, dass kein anderer Weg außer politischen Verhandlungen und der Regelungsvereinbarung der Krise ein Ende setzen und dazu führen kann, dass staatliche Institutionen wieder normal funktionieren. Bolton vermutet, dass diese Strategie Erfolg haben wird, obwohl wir gesehen haben, wie sie in den vergangenen Monaten erfolglos blieb.

    Sie sagten, dass die selbsternannte Präsidentschaft Guaidós katastrophale Folgen für Venezuela haben könnte. Was wären das für Folgen und wie ernsthaft wären sie?

    Eben das, was wir sehen: Die Selbsternennung Guaidós und die Unterstützung der USA haben zu seiner Anerkennung durch eine Gruppe von Ländern geführt – einiger konservativer Regierungen in Lateinamerika sowie einiger europäischer Regierungen. Das provoziert Probleme im Land. Einerseits haben die USA die Finanzsanktionen gegen Venezuela verschärft, und deswegen werden die Lebensbedingungen in Caracas und auch anderen Teilen Venezuelas immer schwieriger. Was als potenzielle humanitäre Krise in Venezuela dargestellt wurde, könnte Realität werden – aber als Ergebnis der Sanktionen.

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    Das ist eine der katastrophalen Folgen. Die zweite besteht darin, dass es nicht ganz klar ist, an wen sich die Weltgemeinschaft, internationale Investoren, die sich beispielsweise die finanzielle Unterstützung der venezolanischen Wirtschaft leisten, wenden könnten, falls Venezuela seine Schulden begleichen müsste. Es ist nämlich unklar, welches Gremium genau für die Schuldentilgung im März zuständig ist, falls die USA Guaidó anerkennen würden, der keine reale Macht hat und dessen „Hochburg“ im Ausland liegt.

    Sie arbeiteten sowohl mit Präsident Chavez als auch mit Präsident Maduro zusammen. Warum konnte Präsident Maduro trotz aller wirtschaftlichen Schwierigkeiten, mit denen Venezuela konfrontiert wurde, an der Macht bleiben? Wie groß ist die Unterstützung im Land, die er genießt? Man muss sagen, dass in sozialen Netzwerken in den heutigen High-Tech-Zeiten etliche Inhalte zu sehen sind, wie auch die große Unterstützung für Präsident Maduro seitens sehr vieler Einwohner des Landes. Was können Sie dazu sagen?

    Wie Sie sich wohl vorstellen können, geht es in Venezuela, wie auch überall sonst, um eine Gesellschaft, in der es unterschiedliche Meinungen gibt. Venezuela ist noch seit den Zeiten von Präsident Hugo Chavez sehr polarisiert. Früher genoss er die Unterstützung der ärmeren Bevölkerungsschichten, die den größten Teil der Bevölkerung ausmachen – wie auch in vielen anderen Gesellschaften. Andererseits gab es auch den so genannten „Anti-Chavismus“, den Vertreter der mittleren und oberen Klasse unterstützten, wie auch die früheren regierenden Eliten. Das ist also die Realität, die sich nicht so schnell verändern kann. Und auch wenn die Menschen sich sehr viel Mühe geben müssen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, weil die Wirtschaftssituation im Land sehr schlimm ist, gibt es das Gefühl der Zugehörigkeit und der Treue, denn Präsident Chavez war enorm populär – aus objektiven Gründen.

    Vertreter der ärmeren Bevölkerungsschichten haben ein ganzes Spektrum von neuen Rechten bekommen, und das trug zur Erhöhung ihres Lebensniveaus bei. Die Menschen wissen das, und Maduro hat davon profitiert. Natürlich ist die Situation wegen der jetzigen Krise schlechter geworden, aber es gibt einen Grund, warum diese Treue der unteren Bevölkerungsschichten erklärt, wieso Maduro immer noch eine große Unterstützung genießt, die aus meiner Sicht nicht von der Bevölkerungsmehrheit ausgeht. Aber der Chavismus bleibt möglicherweise die am besten organisierte und die größte Organisation im Land, und das schenkt ihm eine enorme Unterstützung seitens der Bevölkerung.

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    Tags:
    Polarisierung, Strategie, Rückkehr, Drohung, Regierung, Krise, Wirtschaft, Machtwechsel, Sanktionen, Temir Porras Ponceleon, Juan Guaidó, John Bolton, Hugo Chavez, Nicolas Maduro, Lateinamerika, Venezuela, USA