00:45 23 April 2019
SNA Radio
    Venezuelas Präsident Nicolas Maduro (Archivbild)

    Ex-UN-Sonderberichterstatter: „Ich fürchte, Maduro könnte ermordet werden“ – EXKLUSIV

    © Sputnik / Stringer
    Politik
    Zum Kurzlink
    2631158

    Der ehemalige Sonderberichterstatter der Uno für Venezuela und Professor für Völkerrecht Alfred De Zayas hat in einem Sputnik-Interview seine Sicht auf die Lage in Venezuela und auf eine mögliche Entwicklung der Ereignisse in diesem Land dargestellt.

    Der venezolanische Präsident Nicolas Maduro hat vor kurzem der Armee für ihre Treue und die Unterdrückung eines von den USA organisierten Staatsstreichs gedankt. Den Oppositionsanführer Juan Guaido kritisierte er als Marionette Washingtons.

    Wir hörten, wie Nicolas Maduro sich bei den Militärs bedankte, dass sie den versuchten Staatsstreich zu verhindern halfen. Ist es nicht zu früh? Glauben Sie, dass Venezuela wirklich die Krise überwunden hat und dem Staat derzeit keine Einmischung von außen droht?

    Klar, die USA geben nicht nach. Venezuela ist zu attraktiv. Dieses Land ist wie eine Goldader, was seine Vorräte an Erdöl, Gold, Bauxit und Baumwolle betrifft. Demnach werden die Versuche, Guaido ans Steuer zu stellen, nicht aufhören und die Stromabschaltung vom Donnerstag wird nicht die letzte sein. Das erinnert mich an die Stromabschaltung in Chile, die die USA und die chilenische Opposition (dem damaligen Präsidenten – Anm. der Red.) Allende am 14. August 1973 veranstaltet haben. Dies passierte vier Wochen vor dem Staatsstreich von Augusto Pinochet. Es liegt auf der Hand, dass die USA den Druck verstärken werden und dass Guaido eine Kreatur Washingtons in Venezuela ist, die auch weiter ihre Anhänger gegen Maduro sammeln wird. 

    Ich möchte daran erinnern, dass solch eine Untergrabungstätigkeit ausländischer Regierungen nichts Neues ist. 2006 hatte Stephen Kinzer ein Buch mit dem Titel „Overthrow“ veröffentlicht. Kinzer war ein sehr berühmter Reporter der „New York Times“. In seinem Buch beschrieb er die von den USA genutzte Machtwechseltechnik, sei es Haiti, die Dominikanische Republik, Guatemala, Honduras, Panama, Grenada und so weiter. Hier gibt es nichts Neues.

    Lateinamerika ist der so genannte Hinterhof der USA, diese haben dort, und zwar in Venezuela, riesige Wirtschaftsinteressen. Hätte Venezuela keine Naturressourcen, würde es nicht die weltgrößten Ölvorräte besitzen, würde das Land kein Interesse für die USA darstellen, weil es dort nichts zum Verdienen gäbe. Die USA wollen diese Naturressourcen kontrollieren.

    Sie haben Ähnlichkeiten bei der Machtwechsel-Taktik in verschiedenen Ländern erwähnt. Glauben Sie, dass es mehrere Pläne dazu gegeben hat. Der erste Plan war vermutlich ein schneller Plan, nach dem Guaido für die Beseitigung von Maduro vorbereitet werden sollte, das klappte aber nicht. Gibt es aus Ihrer Sicht weitere Pläne, die verwirklicht werden könnten?

    Natürlich gibt es Pläne B, C, D und F. Wie ich gesagt habe, ist der Preis zu hoch. Venezuela ist ein sehr reiches Land. Venezuela könnte eigenen Angaben zufolge über die zweitgrößten Goldvorräte weltweit verfügen. Stellen Sie sich nur vor, was das für die Bergbauindustrie bedeutet. Die USA streben nach Profit. Venezuela kann wegen der Sanktionen und der Finanzblockade seine Naturressourcen nicht verkaufen. Es ist eindeutig, dass das Land lahmgelegt ist. Man muss schauen, wie das Land mit der praktisch unlenkbaren Situation fertig werden könnte.

    Man muss aber begreifen, dass diese unlenkbare Situation künstlich ist. Hebt die Sanktionen auf, stoppt den Wirtschaftskrieg, hebt die Finanzblockade auf, lasst das Land kaufen und verkaufen, wie das alle anderen tun, dann wird es keine humanitäre Krise geben.

    Doch die Idee der Nutzung des Terminus „humanitäre Krise“ besteht darin, dass eine so genannte humanitäre Einmischung für die globale öffentliche Meinung akzeptabel wird. Solch eine Dämonisierungstaktik ist nicht neu. Die Römer hatten ein Sprichwort dazu: Sei frech bei der Lüge, bei der Verleumdung deines Gegners, weil immer etwas festklebt. Wenn Maduro korrupt genannt wird, soll er nach außen wenigstens einigermaßen korrupt sein. Dabei wird keiner daran erinnern, dass in den 1980er und 1990er Jahren – vor Chaves und Maduro –  die Korruption in Venezuela unaufhaltbar war. Die Presse fokussiert sich nur auf Maduro, weil die Aufgabe zu seinem Sturz steht, und ich fürchte, dass er ermordet werden kann. Es sollte nicht vergessen werden, dass es bereits zu einem Mordversuch gekommen war. Und ich bin sicher, dass es weitere Versuche geben wird, ihn zu beseitigen, wie General Augusto Pinochet 1973 Salvador Allende beseitigt hat.

    Es gibt noch eine Gefahr, eine sehr ernsthafte Gefahr, dass Guaido selbst getötet werden kann. Dies würde eine perfekte Provokation sein. Im Fall der Ermordung  Guaidos würden die USA einen Vorwand für eine Einmischung bekommen. Sie werden die ganze Schuld Maduro zuschieben. Keiner wird versuchen, die Fakten herauszufinden und festzustellen, wer tatsächlich der Mörder ist. Wenn Guaido getötet würde, kann daran nur Maduro schuld sein, ausschließlich dieser Diktator, dieses Monster, das nun mit Gewalt gestürzt werden soll.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Diktator, Einmischung, humanitäre Hilfe, Machtumsturz, Provokation, Regimewechsel, Opposition, The New York Times, Weißes Haus, Juan Guaidó, Nicolás Maduro, Südamerika, Lateinamerika, Venezuela, USA