Widgets Magazine
18:39 20 Juli 2019
SNA Radio
    Logo vom chinesischen IT-Giganten Huawei

    Nach Grenell Brief: „Legt eure Beweise auf den Tisch.“ – Huawei EXKLUSIV

    © REUTERS / Chris Wattie
    Politik
    Zum Kurzlink
    Bolle Selke
    171793

    Wird der chinesische Huawei-Konzern am Ausbau der 5G-Netzes in Deutschland beteiligt? In diesem Fall wäre die „reibungslose Zusammenarbeit“ der deutschen und US-Geheimdienste gefährdet, warnt US-Botschafter Richard Grenell. Patrick Berger, Sprecher von Huawei Deutschland, reagiert im Interview auf die Vorwürfe der USA.

    Herr Berger, wird Huawei beim Ausbau des 5G-Mobilfunknetzes in Deutschland dabei sein?

    Das wollen wir zumindest doch sehr hoffen. Die Diskussion über uns tobt schon eine ganze Weile. Aber im Moment sieht es ja so aus, dass die Regierung an Sicherheitskriterien arbeitet, was wir prinzipiell sehr begrüßen. Wir sehen uns selber als einen sehr avancierten Technologieanbieter, der keine Schwierigkeiten hat, technologische Sicherheitskriterien zu erfüllen. Wir werden ja auch jetzt schon sehr genau geprüft und getestet und haben auch schon bei 4G, 3G und 2G entsprechend geliefert. Da hat es auch nie irgendwelche Sicherheitsprobleme gegeben. Vor all diesem Hintergrund sind wir sehr optimistisch, dass wir alle Sicherheitskriterien erfüllen können und dann können wir uns um die Aufträge der Mobilfunknetzbetreiber bewerben.    

    Wenn es nach dem US-Botschafter Richard Grenell geht, allerdings nicht. Der schrieb in einem Brief an Wirtschaftsminister Altmaier, dass die USA im Falle einer Huawei-Beteiligung die US-deutsche Geheimdienst-Kooperation in Frage stellen würde. Was sagen Sie zu dem Brief?

    Diese konkrete Drohung, das müssen die Regierungen unter sich besprechen. Das ist eine Angelegenheit zwischen der deutschen und der US-Regierung. Verschiedene deutsche Regierungsvertreter, auch die Bundeskanzlerin, haben sich ja schon dazu geäußert. Auch Altkanzler Schröder hat etwas dazu gesagt. Das war alles relativ deutlich. Da sind wir nicht in der Position, dazu etwas zu sagen.

    Was wir sagen können, ist, dass diese Kampagne der US-Regierung ja schon sehr lange gegen uns läuft. Auch diese Vorwürfe sind, wenn man es sich genau anguckt, schon ungefähr zehn Jahre alt. Seitens der USA ist eben nie wirklich ein Beweis vorgelegt worden, weil es eben auch nichts gibt, was man uns vorwerfen könnte. Wir schütteln da so ein bisschen den Kopf darüber und fragen uns auch, warum greift man sich ein Unternehmen so besonders heraus. 

    Wir glauben nicht, dass es hier ernsthaft um Sicherheit geht, sondern da spielt sicherlich Industrie-, Wirtschafts-, und Geopolitik mit rein, vielleicht auch das eigene Interesse der US-Regierung und der US-Geheimdienste, Kommunikation abzuhören. Seit den Enthüllungen von Edward Snowden wissen wir ja, dass die US-Dienste da sehr aktiv sind. Wir bei Huawei haben immer gesagt, bei uns gibt es keine Backdoors. Wir geben keine Informationen an die chinesische Regierung, wir geben aber auch keine Informationen an die US-amerikanische Regierung oder an irgendeine Regierung dieser Welt. Wir kümmern uns darum, dass unsere Technologie so sicher wie möglich ist, damit die Daten derjenigen, die diese Technologie nutzen, geschützt sind. Vielleicht ist es das, was den US-Amerikanern nicht so sehr passt. Je mehr Huawei in den Netzen der Welt verbaut wird, desto weniger gute Zugänge haben sie vielleicht selbst für ihre eigenen Dienste. Das ist auch eine Spekulation, aber es ist vielleicht naheliegend. 

    Es gibt aber doch dieses chinesische Gesetz, das Unternehmen zur Zusammenarbeit mit der Regierung in Peking verpflichtet, sollte es um die nationale Sicherheit gehen.  Wie wollen Sie damit umgehen?

    Es ist völlig richtig, dass es dieses Gesetz gibt, nur da geht es eben nicht darum, dass Unternehmen wie wir gezwungen werden können, so etwas wie eine Backdoor in ihr Equipment einzubauen und schon gar nicht in Netzen außerhalb Chinas. Wenn man sich Gesetze ansieht, muss man wirklich sehr genau versuchen, die zu verstehen und zu interpretieren. Wir haben genau das getan. Wir haben verschiedene Rechtsgutachten eingeholt, und die kommen alle zu dem gleichen Ergebnis. Wir sind auch von der chinesischen Regierung nie gefragt worden, uns an dieser illegalen Informationsbeschaffung im Ausland zu beteiligen. Wir haben auch gesagt, wir würden das nie tun. Wir sind aber auch gesetzlich nicht dazu verpflichtet, denn diese Verpflichtung zur Zusammenarbeit ist auch an bestimmte Bedingungen im chinesischen Gesetz geknüpft. Genau dieser Fall, nämlich ein Unternehmen zu zwingen, eine schwere Straftat im Ausland zu begehen, ist absolut ausgeschlossen.

    Im Übrigen ist das deutsche Huawei eine deutsche Gesellschaft. Die ist auch der Vertragspartner der deutschen Netzbetreiber. Es ist also ein deutsches Unternehmen, das diesem Gesetz nicht unterliegt, weil das nur chinesische Unternehmen betrifft. Es betrifft aber andersherum die chinesischen Tochterunternehmen deutscher Konzerne. Unter bestimmten Bedingungen müssen die auch mit den chinesischen Sicherheitsbehörden zusammenarbeiten. Ähnliche Gesetze gibt es auch in vielen anderen Ländern. Man hat nichts davon, wenn man sich einen Satz aus einem Gesetz herausgreift und den beliebig interpretiert.

    Es ist definitiv nicht erlaubt, dass die chinesische Regierung von uns verlangt, dass wir in unsere Technologie etwas einbauen, was Spionage in Deutschland oder irgendwo anders in der Welt ermöglicht. Die chinesische Regierung hat das auch selber mehrfach ganz klar gesagt. Die einzigen, die das nicht einsehen wollen, sind die US-Amerikaner.

    Also noch einmal. Es gibt keine Beweise, dass Huawei für die Chinesen spioniert? Die USA behaupten ja, sie hätten Beweise vorliegen.

    Ne, ich glaube nicht, dass die das wirklich vorliegen haben, denn sie haben es ja der Welt nie gezeigt. Wir sagen immer wieder, wenn ihr solche Vorwürfe erhebt, dann legt doch mal Beweise auf den Tisch. Man liest ja auch immer wieder in den Medien, dass die Europäer immer wieder die US-Regierung nach Beweisen fragen, und die legen nie etwas auf den Tisch. Ich glaube, diese Beweise gibt es nicht. In den Snowden-Enthüllungen ist ja auch deutlich geworden, dass die NSA uns gründlich durchleuchtet und abgehört hat, unsere Vorstandskommunikation mitlesen konnte und unsere Produkte auseinandergebaut hat und nichts gefunden hat.

    Die deutsche Regierung hat die Sicherheitsvorkehrungen mit Blick auf Huawei noch einmal verschärft. Wie beurteilen Sie diesen Schritt?

    Wir finden die von den USA angestoßene Diskussion um Sicherheit nicht vernünftig, weil sie nicht auf Fakten basiert, aber wir sind die letzten, die sagen, Cybersicherheit ist nicht wichtig. Das ist extrem wichtig. Wir wissen, dass wir eine zunehmend vernetzte Welt haben. Das viele unserer privaten Informationen über diese Netze ausgetauscht werden. Der Bereich der Wirtschaft und der Industrie wird da aber auch immer wichtiger. Deswegen ist der Fokus auf mehr Sicherheit absolut richtig. Das sagen wir auch selber seit Jahren.

    Unsere Wettbewerber zum Beispiel produzieren in China und verbauen auch chinesische Komponenten. Wir verbauen auch sehr viele US-amerikanische und europäische Komponenten. Wir brauchen da, auch vor dem Hintergrund von globalen Liefer- und Wertschöpfungsketten, ein richtiges Risikoverständnis. Es wird überall auf der Welt entwickelt und produziert. Deswegen ist die konkrete Sicherheitsaussage von einer Technologie nicht von der Herkunft abhängig, sondern man muss sich die konkrete Beschaffenheit ansehen.

    Da muss man klare Sicherheitskriterien festlegen und sagen, man guckt sich den Quellcode an. Das machen wir ja auch auf einer freiwilligen Basis. Wir sind ja schon sehr transparent. Wir haben in Bonn ein Labor eröffnet, wo die deutsche IT-Sicherheitsbehörde, das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) beispielsweise, sich den Quellencode von unseren Produkten anschauen und testen kann. So kann man mehr Sicherheit schaffen, indem man sich die konkreten Technologien anschaut.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: Dieses Unternehmen erfindet in Europa am meisten – es ist (noch) nicht Huawei<<<

    Uns ist nur wichtig, diese strengen Regeln müssen für alle gelten, weil die Bedrohung von überall kommt. Eine Sicherheitslücke kann jedem Technologieunternehmen passieren, aber je genauer da hingeguckt wird, desto wahrscheinlicher ist es eben auch, dass solche Sicherheitslücken rechtzeitig entdeckt und geschlossen werden. Genau das muss unser Ziel sein. Insofern ist dieser gemeinsame Weg, klare Kriterien, Zusammenarbeit von Politik, Regulatoren und Industrie, um sich über gemeinsame Standards zu verständigen und die dann auch gemeinsam einzuhalten, absolut richtig.

    Das komplette  Interview mit Patrick Berger zum Nachhören:

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    5G, Handelskrieg, Drohungen, Mobilfunk, Botschafter, Sanktionen, Huawei, US-State Department, US-Botschaft, US-Regierung, Richard Grenell, Deutschland, USA, China