11:47 23 März 2019
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    Der Botschafter der Schweizerischen Eidgenossenschaft in Russland, Yves Rossier (in d. M.)

    Schweiz: Brückenbauer zwischen Russland und Westen – Schweizer Botschafter EXKLUSIV

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    Natalia Pawlowa
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    Der Botschafter der Schweizerischen Eidgenossenschaft in Russland, Yves Rossier, berichtet gegenüber Sputnik über die Perspektiven der bilateralen Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen sowie über das geplante Zusammenwirken mit Russland bei der Lösung internationaler Probleme.

    „Die Beziehungen zwischen den beiden Ländern sind für die kleine Schweiz natürlich wichtiger als für das riesige Russland, das bedeutendere Partner hat. Allerdings könnte die Schweiz die Rolle eines Brückenbauers in Zeiten der Konfrontation zwischen Russland und dem Westen spielen. Und das ist sowohl für Russland als auch für den Rest Europas wichtig. Unser heutiges Ziel ist es, eine nachhaltige Präsenz in Russland sicherzustellen. Wir sind über 200 Jahre lang mit Russland verbunden. Eines Tages wird die Zeit der Konfrontation vorbei sein, und es werden wieder normale Beziehungen hergestellt. Wir möchten in Russland festen Fuß fassen, und wir arbeiten daran”, sagte Yves Rossier gegenüber Sputnik.

    Der Botschafter der Schweizerischen Eidgenossenschaft in Russland, Yves Rossier mit seinem Hund
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    Der Botschafter der Schweizerischen Eidgenossenschaft in Russland, Yves Rossier mit seinem Hund

    Die Schweizer Außenpolitik sei universell, neutral und konkret. Die Eidgenossenschaft sei kein Mitglied der Nato und der EU und versuche, ihre Außenpolitik mit konkreten Aktivitäten zu betreiben. Der besondere Charakter der bilateralen Beziehungen zwischen Russland und der Schweiz besteht laut Rossier darin, dass Russland die Schweiz als einen unabhängigen Partner schätz: „Die Alpenrepublik ist ein kleines, aber ein selbstständiges Land, das keiner Blockdisziplin untersteht. Das gibt dem Land einen bestimmten Handlungsspielraum.“

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    Die Skripal-Affäre, die Geschichte mit einem Labor in der Schweiz sowie Probleme mit der verweigerten Akkreditierung russischer Diplomaten in der Schweiz und Schweizer Diplomaten in Russland hätten eine bestimmte Spannung in den Beziehungen beider Länder ausgelöst. Aber das habe nicht lange gedauert, heute seien die Missverständnisse komplett beseitigt worden. „Das ist nun Schnee von gestern“, merkte Yves Rossier an.

    Die Schweiz setze ihre Vermittlermission gemäß dem Mandat bei der Regelung der Beziehungen zwischen Russland und Georgien nach 2008 fort.

    „Wir wollen diese Beziehungen auf ein akzeptables Niveau bringen. Es gibt einen Fortschritt in Bezug auf das Problem mit russischen Immobilien in Georgien und georgischen Immobilien in Russland. Es werden Verhandlungen zum Zollvertrag, zu den Bedingungen der Ein- und Ausfuhr von Waren durchgeführt. Dieser Vertrag ist sehr wichtig für die Handelsbeziehungen zwischen Georgien und Russland sowie für die Südkorridore durch Abchasien und Südossetien, die von der Schweiz überwacht werden müssen. Wir beschäftigen uns auch mit Problemen russischer Staatsangehöriger in Georgien und georgischer Bürger in Russland. Trotz der schwierigen politischen Lage gibt es einen gegenseitigen Willen zur Wiederherstellung der Beziehungen”, hob der Schweizer Botschafter Yves Rossier hervor.

    In Bezug auf die Sanktionen und deren Auswirkungen auf mögliche Investitionen von Schweizer Unternehmen in Russland stellte der Diplomat fest, dass der Hauptschaden darin liege, dass man die versäumten Chancen nicht einschätzen könne. 

    „Wir sehen, was schon getan wurde, wissen aber nicht, wie viel aufgrund der Sanktionen nicht stattgefunden hat. Jemand hat Angst vor der amerikanischen Reaktion, jemand weiß nicht, was in ein paar Monaten passieren wird. Es sei darauf hingewiesen, dass die Schweiz keine antirussischen Sanktionen verhängt hat und daher nicht unter russische Gegensanktionen fällt. Schweizer Unternehmen, die langfristige Interessen in Russland haben, bleiben im Land. Es gibt aber auch solche Unternehmen, die den ersten Schritt nicht tun können und nicht in den russischen Markt einsteigen möchten, da sie befürchten, dass die Konfrontation lange genug andauern könnte. “

    Die Botschaft der Schweiz plant eine Reihe von Missionen in russische Regionen, um die Aufmerksamkeit für Helvetia zu wecken. An den Missionen werden Vertreter von Schweizer Firmen teilnehmen. Letztes Jahr hatte eine ähnliche Mission den Nordkaukasus und Kasan besucht. Und im Oktober 2019 kommt Ueli Maurer, der Präsident der Schweizerischen Eidgenossenschaft, zu einem Besuch nach Moskau. Er wird an einem Innovationsforum in Skolkowo teilnehmen.

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    Im Jahr 2014 begangen Russland und die Schweiz die 200-Jahr-Feier der Herstellung diplomatischer Beziehungen. 1814 hatte der russische Kaiser Alexander I. einen Sonderbotschafter in die Schweiz geschickt, damit er dort Russlands Interessen vertrete. Der Kaiser war überzeugt, dass die im Herzen Europas gelegene unabhängige Schweiz ein Garant für Gleichgewicht, Frieden und Stabilität auf dem europäischen Kontinent werden kann. Seitdem sind 204 Jahre vergangen, reich an Ereignissen, in denen die Länder ein unverändertes Interesse füreinander offenbart haben.

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