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    Pilot des Kampfflugzeuges F-22 Raptor in Estland (Archiv)

    Ein Atomkrieg, ein ganz kleiner … In Europa leben Geiseln der USA

    © Foto : U.S. Air Force/Tech. Sgt. Ryan Crane
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    Swesda
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    Klein, begrenzt oder lokal – wie auch immer man den Einsatz von taktischen Atomwaffen bezeichnen will, er ist und bleibt: ein Atomkrieg. Für die USA allerdings wäre das nur ein Konflikt, den sie auf fremdem Boden führen. Gut, dass es einen gibt wie den Putin, schreibt das Portal „Swesda“.

    Dass sie taktische Atomwaffen auf Stützpunkten im Ausland vorhalten, haben die USA nie bestätigt. Abgestritten haben sie es auch nicht. Nur eine offizielle Floskel verbreitet Washington: „Spezielle Waffen“, die gebe es schon – auf US-Basen in Deutschland, Italien, Belgien, den Niederlanden und in der Türkei.

    Was man weiß, ist, dass taktische Atomwaffen aus den USA seit Mitte der 1950er Jahre in Europa stationiert wurden. Sie sollten von den Vereinigten Staaten selbst und ihren Nato-Verbündeten lokal gegen die Streitkräfte des Warschauer Vertrags eingesetzt werden – als Bomben, als Kurzstreckenraketen oder als Artilleriegeschosse.

    Ende der 1980er Jahre ging die Zahl taktischer Atomwaffen aus den USA in Europa zurück, nicht zuletzt wegen des INF-Vertrags: auf 480 Stück wurde der Bestand von taktischen Atombomben auf US-Basen in Europa und der Türkei Ende der 1990er Jahre beziffert. Die Regierung Bush jr. ließ das Arsenal weiter reduzieren: zunächst wurden taktische Atomwaffen aus Großbritannien und Griechenland, wenig später auch aus Deutschland abgezogen.

    Heute sollen rund 200 Atombomben vom Typ B61 in Europa und der Türkei lagern. Ihre Sprengkraft laut dem Portal: 18 Megatonnen. Das gesamte Arsenal verteilt sich auf unterirdische Lager in: Büchel – mehr als 20 Stück, in Aviano und Ghedi (Italien) – 70 bis 110 Stück, in Kleine-Brogel (Belgien) – 10 bis 20 Stück, in Volkel (Niederlande) – 10 bis 20 Stück und Incirlik – 50 bis 90 Stück. Im Ernstfall würden die Bomben von F-15- und F-16-Kampfjets sowie von den Tornado-Jagdbombern ins Ziel geflogen.

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    Weitere Bomben soll bald hinzukommen: Vor einigen Jahren ist bekannt geworden, dass die USA ihre neuste taktische Atombombe vom Typ B61-12 in Deutschland stationieren wollen. 2020 soll die Serienfertigung dieser Waffe starten.

    Auch weiß man, dass die USA bereits einen atomaren Sprengsatz geringer Leistung herstellen: die W76-2-Bombe, auch Mini-Nuke genannt. Bis Ende September dieses Jahres sollen die ersten Bomben dieser Art an die Streitkräfte ausgeliefert werden.

    Bestimmt sind diese Sprengsätze für einen Atomkrieg lokalen Umfangs, sagt der Fachjournalist Igor Korottschenko laut dem Portal. „Eben dafür werden sie in den USA entwickelt. Das heißt, die Amerikaner prüfen allen Ernstes die Möglichkeit eines Krieges der Nato gegen Russland, in dem kleinere atomare Sprengsätze auf russische Einrichtungen oder Truppenstellungen abgeworfen würden.“

    Dass solche Einsätze allein schon erwogen werden, verheißt nichts Gutes, warnt der Fachmann: „Die Schwelle für den Einsatz von Atomwaffen sinkt. Für Washington liegt ein begrenzter Atomkrieg in Europa durchaus im Bereich des Möglichen. Aber die Amerikaner würden ja auf fremdem Gebiet kämpfen.“

    Die Menschen in Europa haben also Grund zur Sorge: Die Atomkriegsuhr steht auf zwei vor zwölf, während sie zu Geiseln der US-Doktrin eines wie auch immer begrenzten Atomkriegs geworden sind. Wie schläft ein deutscher Bürger eigentlich, wenn er weiß, unweit einer US-Basis ins Bett gegangen zu sein, von der aus im Falle des Falles Flugzeuge mit Atombomben starten würden? Unweit jener Basis, die im Ernstfall von russischen Iskander-Raketen angesteuert würde …

    Der besagten Doktrin liegt die Vorstellung zugrunde, die USA könnten einen lokalen Atomkrieg ohne „inakzeptable Verluste“ für sich selbst führen können. Sehr gelegen kommt es den Amerikanern da auch, dass der INF-Vertrag nicht mehr gilt: „Sie können jetzt Angriffswaffen in Estland, Lettland, Litauen und Polen stationieren und sie auf Russland richten, als Mittel des nuklearen Präventivschlags“, so der Experte Korottschenko.

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    Es gab laut dem Portal tatsächlich Zeiten, da hätte diese Doktrin funktionieren können: als nämlich die taktischen Atomwaffen der russischen Streitkräfte nicht über die nötige Reichweite verfügten, um das US-Gebiet zu erreichen.

    Seit neuestem aber stellt sich die Lage anders dar. Russische Streitkräfte können nicht nur mit strategischen, sondern auch mit taktischen Atomwaffen nahezu das komplette Territorium Nordamerikas erreichen. Das hat Präsident Putin bei seiner Ansprache vor einem Jahr eindrucksvoll demonstriert.

    Ein kleiner Krieg ohne „inakzeptable Verluste“ ist nicht mehr möglich: Die Städte, die Industriezentren, die Infrastruktur der Vereinigten Staaten liegen nunmehr auch für russische taktische Atomwaffen im Bereich des Erreichbaren. Der Grundsatz der garantierten gegenseitigen Vernichtung gilt jetzt auch für diese Waffenart.

    Insofern erfülle der russische Präsident – wie sehr man ihm auch Kriegstreiberei und Militarismus vorwirft – eine wichtige humanitäre Funktion, schreibt das Portal: Mit seiner formal harten Rhetorik verfolge Putin das Ziel, einen sehr brüchigen Frieden zu erhalten – einfach aus Vernunft und reinem Überlebenswillen.

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    Tags:
    Stützpunkte, Atomkrieg, Atomwaffen, Geisel, Europa, USA