12:44 24 März 2019
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    Bundeswehrsoldaten bei der Zapfenstreich-Zeremonie (Archiv)

    Neuseeland-Attentäter und sein Bezug zum Netzwerk rechter Bundeswehr-Soldaten

    © AP Photo / Uwe Lein
    Politik
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    Bereits seit einer längeren Zeit wird untersucht, wie weit ein rechtsextremes Netzwerk die Bundeswehr infiltriert hat, zahlreiche Ermittlungen laufen. Das Attentat von Neuseeland offenbare nun aber, dass das Netzwerk nicht nur international sein könnte, sondern auch als Vorbild im Ausland gesehen werde, berichtet das Online-Magazin „Der Standard“.

    Wie das Blatt schreibt, haben Rechtsextreme ein Netzwerk aufgebaut, das weit in die Bundeswehr und darüber hinaus reicht.  Sie besitzen Waffen und teilweise mehrere Pässe, wie etwa im Fall von Franco A., einem Soldaten der Bundeswehr, der sich mit einer zweiten Identität als syrischer Flüchtling in Deutschland registrieren ließ.

    Bei einer Hausdurchsuchung hatten Ermittler damals Todeslisten und offensichtlich Vorbereitungen auf einen Terroranschlag gefunden, den der Soldat vermeintlich als syrischer Flüchtling ausführen wollte.

    Das Netzwerk soll dabei vor allem über soziale Netzwerke kommuniziert und den „Tag X“ vorbereitet haben – also jenen Tag, an dem die staatliche Ordnung in Deutschland zusammenbrechen sollte.

    Im Zentrum dieses Netzwerks soll ein ehemaliger deutscher Elitesoldat namens André S. stehen, besser bekannt als „Hannibal“.

    Er soll gemeinsam mit einem Verfassungsschützer den Verein „Uniter“ gegründet haben, der global vernetzt sei und eine Chatgruppe habe, „in denen sich Soldaten, Polizisten und Security-Mitarbeiter über ‚sichere Häuser‘, Bedrohungsszenarien und Fluchtrouten unterhielten“, schreibt das Blatt.

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    Die Mitglieder dieser Gruppe sollen Waffen und Munition aus den Beständen der Bundeswehr entnommen und auch einen Ordner mit Feindlisten von Politikern und Personen aus der linken Szene angelegt haben.

    Genau diese rechtsextremen Tendenzen und Gruppierungen könnten dem Attentäter von Neuseeland also bekannt gewesen sein. Noch am Mittwoch habe der Angreifer, der zuvor auch eine Art Manifest an seine Anhänger veröffentlichte, zu zwei Artikeln des deutschen Auslandssenders „Deutsche Welle“ verlinkt, in denen 2017 von Franco A. und anderen Rechtsextremen berichtet wurde.

    Vermutlich darauf Bezug nehmend, schrieb der Täter in seinem Manifest auch, dass es in Europas Armee hunderttausende nationalistische Soldaten gäbe.

    Diese rechtsextremen Verbindungen gehen dabei im deutschsprachigen Raum auch in Österreich in die Tiefe. So sei Franco A. allein im Februar 2017 zum zweiten Mal binnen weniger Tage nach Wien gereist.

    Und nur ein paar Tage vor seiner Festnahme habe er gemeinsam mit Freunden den Ball der Offiziere besucht. Weitere Ermittlungen der österreichischen Behörden hätten dann auch in Österreich ein verzweigtes Netzwerk entdeckt, dessen Mitglieder teilweise auch direkten Bezug zum österreichischen Verteidigungsministerium haben.

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    Als das Netzwerk immer weiter aufgeflogen sei und die Details von den Medien in die Öffentlichkeit getragen wurden, soll „Hannibal“ die direkte Anweisung an die Mitglieder des Netzwerkes gegeben haben, alle Chats zu löschen, um Spuren zu verwischen.

    Wie das Blatt weiter schreibt, sei „Hannibal“, also André S., lange Zeit „Auskunftsperson“ des Militärischen Abschirmdienstes in Deutschland (MAD) gewesen, also genau jener Institution, die sich um verfassungsfeindliche Tendenzen innerhalb des Militärs kümmern sollte.

    Ähnliche Verbindungen sollen auch andere Mitglieder des Netzwerkes gehabt haben, beispielsweise in das baden-württembergische Landesamt für Verfassungsschutz.

    Andere Verbindungen gehen nach Osteuropa, wo „Ausbildungen“ angeboten worden seien – beispielsweise eine Woche in der Slowakei für „absolut bestes Training für Scharfschützen und Spotter" mit Ausbildern, die laut Beschreibung Veteranen der Spezialeinheiten und der Nato seien.

    Wie „derStandard“ weiter berichtet, habe der Verfassungsschutz in Baden-Württemberg, wo der Verein „Uniter“ seinen Sitz hat, eine Beobachtung vorerst ausgeschlossen. Nun würden die Grünen und die Linkspartei befürchten, dass die Behörden abermals ein rechtes Netzwerk vertuschen wollten, wie etwa in der Vergangenheit bei der Terrorgruppe NSU.

    Auch österreichische Behörden würden sich ebenfalls bedeckt halten. Das Verteidigungsministerium habe lediglich mitgeteilt, dass man „alle Entwicklungen innerhalb und außerhalb Österreichs beobachtet, die Auswirkungen auf die Sicherheit des Bundesheers haben könnten“. Das Innenministerium wolle auch zu „laufenden Verfahren nicht Stellung“ nehmen.

    Laut dem Blatt ist das äußerst bedenklich … schließlich würden die Mitglieder dieser rechtsextremen Netzwerke „am Tag X Richtung Süden flüchten wollen – also Richtung Alpenraum“.

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    Tags:
    Attentäter, Soldaten, Rechtsextremismus, Bundeswehr, Neuseeland, Deutschland