12:31 24 März 2019
SNA Radio
    Menschen auf der Krim (Archiv)

    Die Krim mit den Augen einer ukrainischen Journalistin

    © Sputnik / Wladimir Sergeew
    Politik
    Zum Kurzlink
    444104

    Am vergangenen Samstag jährte sich das Krim-Referendum zum fünften Mal, bei dem der Beitritt zu Russland beschlossen wurde. Die Ergebnisse der Abstimmung werden im Westen nicht anerkannt. Die Journalistin der ukrainischen Online-Zeitung „Strana.ua“ Olessja Medwedewa hat die Halbinsel besucht und sie mit der Krim von vor fünf Jahren verglichen.

    Medwedewa teilt in einer Serie aus vier Reportagen ihre Erlebnisse auf der heutigen Krim mit. In der ersten Folge hatte sie behauptet, dass sich die Russen auf der Halbinsel „endgültig eingenistet“ hätten. In der vierten und letzten Folge resümiert die Reporterin ihre Eindrücke von der Reise.

    In den vergangenen fünf Jahren habe Russland mehr Geld in die Republik investiert, als Kiew in den 23 Jahren, in denen die Krim Teil der unabhängigen Ukraine war, so die Reporterin. Als Beispiel nannte sie Projekte wie die Krim-Brücke, die Autobahn „Tawrida“ und den neuen Flughafen von Simferopol. Darüber hinaus würden Kindergärten, Krankenhäuser und Kraftwerke gebaut.

    „Alles wird im wahrsten Sinne des Wortes von Grund auf errichtet“, so Medwedewa.

    Die verbreitete Vorstellung, dass die Preise auf der „russischen Krim“ nun höher als in der Ukraine seien, konnte die Reporterin nach eigenen Angaben nicht bestätigen: Alles sei unterschiedlich. Es gebe Waren, die auf der Krim teurer seien, zugleich gebe es aber Sachen, die wiederum weniger kosteten.

    >>>Weitere Sputnik-Artikel: So stehen Ukrainer zu Russen — TV-Umfrage<<<

    So würden Benzin sowie Wohnungs- und Kommunaldienstleistungen (insbesondere Heizung) auf der Krim günstiger als in der Ukraine sein. Die Löhne und die Renten seien wiederum höher.

    Zugleich verwies die ukrainische Journalistin darauf, dass viele internationale und sogar russische Unternehmen wegen der westlichen Sanktionen an der Arbeit auf der Krim gehindert würden.

    Als einen der „unangenehmen Aspekte“ für die Krim-Bewohner nannte Medwedewa die Notwendigkeit, sich an die russischen Gesetze zu halten. So habe hier früher niemand Steuern gezahlt, Unternehmen hätten lediglich die zuständigen Behörden bestochen. In Russland müsse man aber Steuern zahlen.

    „In der Ukraine gibt es diesen Glauben, dass nur Dummköpfe Steuern zahlen. Für kleine Unternehmen auf der Krim, die an ganz andere Arbeitsbedingungen gewöhnt sind, ist das ungewöhnlich und sehr unbequem“, betont Medwedewa.

    Laut der Reporterin unterstütz die Mehrheit der Krim-Bevölkerung tatsächlich die Wiedervereinigung mit Russland: „Gibt es Nostalgie nach der Ukraine? Ich habe danach gefragt, und trotz allem sind 70 Prozent für Russland.“

    Wenn es Sehnsucht nach der Ukraine gebe, dann nur nach der Ukraine, wie sie vor dem Jahr 2013 gewesen sei. „Und es liegt nicht einmal an den Löhnen, sondern daran, dass die Ukraine mit ihren heutigen Helden und Werten für die Krim-Bewohner ein fremdes Land ist“.

    Der ehemalige georgische Präsident und Ex-Gouverneur von Odessa, Michail Saakaschwili, hatte zuvor in einem Interview gesagt, der ukrainische Präsident Petro Poroschenko habe die Krim sozusagen gegen die Nato „eingetauscht“. Saakaschwili hatte nach eigenen Angaben mit Poroschenko während der Ereignisse auf der Krim im März 2014 gesprochen. „Ich hatte ein Gespräch mit Petro Poroschenko. Er sagte zu mir: Weißt du, Mischa, du hast dich ja praktisch mit dem Gedanken abgefunden, dass Südossetien und Abchasien niemals wieder Teil Georgiens sein werden. Genauso müssen wir uns damit abfinden, dass die Ukraine die Krim verlieren wird. Dafür werden wir sie (die Halbinsel – Anm. d. Red.) gegen die Mitgliedschaft in der Nato und der EU eintauschen.“

    >>>Weitere Sputnik-Artikel: USA definieren einziges Schlupfloch für Anerkennung der Krim als russisch <<<

    Das Interview wurde auf der Facebook-Seite Saakaschwilis veröffentlicht. Wie viel von den Aussagen des Ex-Präsidenten Georgiens der Wahrheit entspricht, lässt sich leider nicht überprüfen.

    Westliche Länder bezeichnen die Wiedervereinigung der Halbinsel Krim mit Russland weiterhin als „Annexion“. Moskau weist seinerseits diesen Vorwurf mit der Begründung zurück, es habe auf der Halbinsel 2014 ein Referendum stattgefunden, bei dem auch ausländische Beobachter präsent gewesen seien. Knapp 97 Prozent der Krim-Bewohner hatten sich damals für den Beitritt zur Russischen Föderation ausgesprochen.

    Der Kreml weist zugleich darauf hin, dass die Bewohner der Halbinsel den nationalistisch geprägten Staatsstreich in Kiew im Jahr 2014 nicht akzeptieren wollten. Auf der Krim befindet sich zudem der für Russland strategisch wichtige Flottenstützpunkt Sewastopol. 

     

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Beitritt, Referendum, Krim, Russland, Ukraine