00:12 23 April 2019
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    Wenn der größte Gegner die eigene Regierung ist – Billy Six zurück in Deutschland

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    Andreas Peter
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    Der zuvor in Venezuela inhaftierte deutsche Journalist Billy Six ist wieder in Deutschland. Am Flughafen Berlin-Tegel begrüßten ihn seine Eltern und Unterstützer. Six war nach 119 Tagen Haft durch Fürsprache des russischen Außenministers Sergej Lawrow freigekommen. Die Eltern von Billy Six erneuerten ihre harte Kritik an der deutschen Regierung.

    Billy Six wirkte weder körperlich noch emotional angeschlagen, als er von seinen überglücklichen Eltern in Berlin-Tegel in die Arme geschlossen wurde. Aber das mag auch der besonderen Empfangssituation geschuldet gewesen sein, denn das Trio war umringt von vielen Journalisten und Unterstützern aus dem Familien- und Freundeskreis. Dazu gehörte auch die AfD-Bundestagsfraktion, aus der ebenfalls Abgeordnete und Mitarbeiter anwesend waren. Die Fraktion der größten Oppositionspartei im Deutschen Bundestag hatte sich besonders für die Freilassung von Six eingesetzt. Zusammen mit der Zeitung „Junge Freiheit“, für die Billy Six auf Honorarbasis aus Venezuela berichtet hatte.

    Six erklärte, er müsse erst lernen damit umzugehen, dass sein größter Gegner in der venezolanischen Haft die deutsche Regierung war. Er habe nur mit Verzögerung von den Bemühungen für seine Freilassung erfahren:

    Das erste Mal, dass ich gemerkt habe, dass irgendwas in den Medien laufen muss, war, als ich die Zellentür öffnete und sie mir ein ordentliches Bett gebracht haben, einen Tisch, dafür gesorgt haben, dass die Zelle sauber gemacht wird, Besteck zum Essen und noch einige Sachen mehr. Und ab dann immer wieder Fotos, dass ich auch was zu essen bekomme. Da war mir eigentlich klar, das kann nur deshalb der Fall sein, weil plötzlich die Öffentlichkeit sich interessiert.

    © Foto : Screenshot

    Das scheint die Bundesregierung aber nur bedingt mit einzuschließen. Die Eltern von Billy Six bedankten sich erneut ausdrücklich beim russischen Außenminister Sergej Lawrow, dessen Intervention bei der Regierung in Caracas es wohl zu verdanken ist, dass Six frei ist. Ute und Edward Six bemühten sich, die Freude über das Wiedersehen mit ihrem Kind nicht von der Wut über die ihrer Meinung nach Verweigerungshaltung der Bundesregierung trüben zu lassen:

    Die Freude überwiegt im Moment den Ärger und die Wut, muss schon ganz klar sagen, wenn die eigene Regierung die Leute im Stich lässt, obwohl sie die Chance hat, ja, das ist das Wichtige. Sie hat die Chance zu helfen und sie nutzt es nicht, und sie nutzt ihre Power, die eine Regierung hat, willkürlich, sie setzt sie willkürlich ein. Es gibt ja die Fälle, von Denis Yücel zum Beispiel, geht ja hoch und runter durch die Presse. Dort wurde eben genau interveniert. Und das ist erstmal die Grundvoraussetzung, um ihn nicht verdächtig zu machen. Also, wenn eine Regierung für einen Journalisten nicht protestiert, macht sie ihn automatisch zum Straftäter.

    Genau das ist auch einer der Hauptvorwürfe der AfD. Ihr Antrag im Bundestag, die Bundesregierung möge gegen die Inhaftierung von Billy Six protestieren und dessen Freilassung zu fordern, war, bei Enthaltung der Grünen, von allen anderen Parteien abgelehnt worden. Der AfD-Bundestagsabgeordnete Petr Bystron zitierte aus einem Twitter-Beitrag, in dem ein Nutzer schrieb, wenn russische Politiker deutsche Bürger im Ausland aus dem Gefängnis befreien müssen, dann leben wir im besten Deutschland aller Zeiten:

    Die deutsche Bundesregierung, das deutsche Auswärtige Amt hatte über vier Monate Zeit, die Freilassung von Billy zu fordern, sie hat es nicht getan. Sie hat immer nur konsularisch betreut, sie hat wirklich das Minimum an den Tag gelegt von dem was sie hätte tun können, und das ist ein Desaster, eigentlich ist das ein Grund für Heiko Maas sich zu überlegen, ob er nicht zurücktritt.

    Bystron kündigte an, eine Aktuelle Stunde im Bundestag und einen Untersuchungsausschuss zu beantragen.

    Tags:
    Vorwürfe, Gegner, Haft, Freiheit, Partei Alternative für Deutschland (AfD), Billy Six, Sergej Lawrow, Venezuela, Deutschland
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