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11:28 24 Juli 2019
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    US-Botschafter in Deutschland Richard Grenell (Archivbild)

    „Der Mann ist ein Flegel“: Ex-Botschafter tadelt Grenell und erklärt Diplomatie

    © AFP 2019 / dpa / Daniel Bockwoldt
    Politik
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    Paul Linke
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    Zum wiederholten Mal zieht US-Diplomat Richard Grenell den Zorn deutscher Politiker auf sich. Der langjährige Botschafter Deutschlands in Großbritannien und zuletzt in Indien, Thomas Matussek, hält eine Einbestellung des „Flegels“ ins Auswärtige Amt für angebracht. Er warnt gleichzeitig vor einer Eskalation in den transatlantischen Beziehungen.

    Zuerst drohte der Botschafter der Vereinigten Staaten, Richard Grenell, mit US-Sanktionen gegen Unternehmen, die sich an „Nord Stream 2“ beteiligten. Dann drohte er mit Konsequenzen, sollte sich der chinesische Konzern „Huawei“ am Ausbau des 5G-Netzes beteiligen.  Nun kritisiert der US-Diplomat die Finanzplanung der Bundesregierung. Deutschland entferne sich vom Nato-Ziel, zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Verteidigung auszugeben, bemängelte er gegenüber der „Deutschen Presse-Agentur“ (DPA).

    Ex-Botschafter muss diplomatische Spielregeln erklären

    „Die Äußerungen sind für einen Botschafter ungehörig. Das macht man einfach nicht! Das widerspricht den diplomatischen Gepflogenheiten. Wenn einem etwas nicht passt, dann redet man diskret mit den Partnern in den zuständigen Behörden. Man kann durchaus Interviews und Hintergrundgespräche geben. Das sollte man allerdings in einer zivilisierten Form tun“, erklärt im Sputnik-Interview der ehemalige deutsche Diplomat Thomas Matussek. Von 2002 bis 2006 war er Botschafter im Vereinigten Königreich, zwischen 2006 und 2009 Ständiger Vertreter Deutschlands bei den Vereinten Nationen in New York und zuletzt von 2009 bis 2011 deutscher Botschafter in Indien.

    Ausweisung des US-Botschafters?

    Die wiederholten Entgleisungen des US-Vertreters bringen viele Politiker auf die Palme. So legte FDP-Vize Wolfgang Kubicki dem Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) die Ausweisung des US-Botschafters nahe. Das hält der ehemalige UN-Botschafter für „Quatsch“. Er schlägt auf diplomatische Art und Weise vor, Grenell auf Arbeitsebene einzubestellen und ihm noch einmal zu erläutern, „dass es nicht  im Sinne der Verbesserung der bilateralen Beziehungen liegen kann, wenn er weiterhin in der Öffentlichkeit so auftritt“. Man habe genügend Probleme im transatlantischen Verhältnis, sagt Matussek. „Dann müssen wir aus solch einer Sache nicht noch ein weiteres Problem schaffen.“ Doch man müsse auch klar sehen: „der Mann ist natürlich ein Flegel“, so Matussek.

    Unabhängig von Trump und Grenell sei das Verhältnis der Bundesrepublik zu den Vereinigten Staaten anders, „als wir es zu Maduro und Venezuela haben“, verteidigt er die deutsch-amerikanischen Beziehungen. Amerika bestehe nicht nur aus Grenell und Trump, betont der langjährige Diplomat. Er warnt vor einer Ausweisung des Botschafters: „Das bilaterale Verhältnis ist einfach zu wichtig, als, dass man den Schaden, der dadurch entsteht, noch weiter eskaliert.“

    Das komplette Interview mit Thomas Matussek zum Nachhören:

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    Tags:
    Handelskrieg, Botschafter, Rüstungsausgaben, Auswärtiges Amt, US-State Department, UN, FDP, SPD, NATO, Richard Grenell, Wolfgang Kubicki, Heiko Maas, Donald Trump, Deutschland, USA