06:10 23 April 2019
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    Kiew fürchtet Stopp von russischem Gastransit – Experte gibt beruhigende Erläuterung

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    Das ukrainische Gasversorgungsunternehmen Naftogaz hat Besorgnis über einen Stopp des Transports von russischem Gas durch die Ukraine geäußert. Wie Naftogaz-Chef Andrej Kobolew gegenüber dem Portal RBC-Ukraine sagte, habe Gazprom damit begonnen, die Partner offiziell über die Einstellung des Gastransportes durch die Ukraine zu benachrichtigen.

    Dabei hat sich die russische Seite wiederholt bereit erklärt, die ukrainische Gastransportroute beizubehalten, wenn diese wirtschaftlich vorteilhaft sein sollte.

    Laut Kobolew wird das von ihm geleitete Unternehmen am 1. Januar 2020 die Leitung des Gastransportsystems an einen unabhängigen Betreiber übertragen, der einen Transitvertrag mit Gazprom unterzeichnen werden müsse.

    „Entweder wird Gazprom den Vertrag unterzeichnen, wobei die Frage der Entwertung des Gastransportsystems automatisch aus unserer Klage gestrichen wird, oder Sie werden, entschuldigen Sie mal, dies entschädigen müssen“, so Kobolew.

    Naftogaz hatte bereits früher gedroht, bei einem Arbitragegericht Entschädigung für einen unvollständigen Investitionsrückfluss zu fordern.

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    Kobolew sagte ferner, Kiew werde sich im Voraus mit Brennstoffen versorgen müssen, sollte der Gastransit durch die Ukraine eingestellt werden.

    Laut dem unabhängigen russischen Energieexperten Nikolai Chrenkow betrifft die angekündigte Einstellung des Gastransportes durch die Ukraine den bulgarischen Partner. „… Denn Bulgarien wird in einem Jahr Gas über Turkish Stream beziehen … Eben dafür werden die Pipelines Nord Stream 2 und Turkish Stream verlegt.“Der Experte merkte zugleich an, das sich die Situation nach dem 31. Dezember 2019, wo der aktuelle Vertrag mit der Ukraine abläuft, verändern wird.

    Es gebe vorerst keinen neuen Vertrag, so Chrenkow. „Es ist auch unklar, auf welcher Grundlage und auf welche Weise Gazprom Gas durch das ukrainische Territorium liefern soll, solange es keinen Transitvertrag gibt. Die Ukrainer sind sich dessen bewusst, sie sind nervös und heizen die Atmosphäre an, um günstigere Bedingungen für sich auszuhandeln … Selbstverständlich versuchen sie, die Europäer gegen Gazprom aufzubringen, damit die Europäer ihre Interessen schützen“, so der Experte.

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    Die Frage der Transit-Fortsetzung durch die Ukraine war bei trilateralen Treffen von Vertretern Russlands, der Ukraine und der EU-Kommission besprochen worden. Das bisher letzte solche Treffen fand im Januar in Berlin statt. Die Europäische Kommission schlug vor, einen auf mehr als zehn Jahre befristeten Vertrag zu unterzeichnen und attraktive Bedingungen für Investoren zu schaffen, die an der Modernisierung des ukrainischen Gastransportsystems teilnehmen könnten. Jedoch wurde keine Einigung darüber erzielt. Das Gespräch soll im Mai fortgesetzt werden.

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    Gastransportsystem, Gastransit, Naftogaz, Gazprom, Andrej Kobolew, Russland, Ukraine