21:54 22 April 2019
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    Ein russischer Militärkonvoi nahe Pristina, Juni 1999

    Russischer Kosovo-Einmarsch 1999 - Lawrow: „Es hätte sehr schlimm kommen können“

    © AFP 2019 / Hector Mata
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    Fast 20 Jahre nach dem überraschenden Eintreffen russischer Fallschirmjäger im kosovarischen Flughafen Priština stellt Russlands Außenminister Sergej Lawrow fest, dass eine folgenschwere Konfrontation mit den britischen Soldaten damals nur dank dem professionellen Handeln beider Seiten verhindert werden konnte.

    Nach dem Ende der wochenlangen Nato-Bombenangriffe auf das damalige Jugoslawien Anfang Juni 1999 hatten rund 200 russische Soldaten buchstäblich über Nacht den Flughafen Priština unter ihre Kontrolle gebracht und den Nato-Truppen noch tagelang den Zugang zu den strategisch wichtigen Landebahnen verwehrt. 

    Trotz der Forderung von „Hitzköpfen“ in Washington und London hätten die britischen Militärs vor Ort Professionalismus an den Tag gelegt, erinnerte sich Lawrow am heutigen Freitag in einem Interview mit dem russischen TV-Sender NTW.

    „Ich erinnere mich sehr wohl daran, wie die westlichen Vertreter nachdenklich wurden, als der Flughafen Slatina (durch die russischen Soldaten – Anm. d. Red.) unter Kontrolle gebracht wurde“, sagte Lawrow, der damals russischer UN-Botschafter war. Das russische Kontingent sei damals direkt auf die Briten getroffen.

    „Es hätte sehr schlimm kommen können (…) Doch die Militärs auf beiden Seiten legten ein Höchstmaß an Professionalität an den Tag und zeigten sich von der besten Seite“, konstatierte Lawrow.

    Ein russisches Fallschirmjäger-Bataillon, das, wie sich die Beteiligten später erinnerten, aus nur rund 200 Mann bestand, war am 11. Juni 1999 auf Befehl aus Moskau mit Schützenpanzern unbemerkt aus Bosnien nach Kosovo ausgerückt. Das Ziel war es, den Flughafen Slatina der kosovarischen Hauptstand Priština zu besetzen, noch bevor dort die Nato-Truppen einmarschiert sind.

    Kurz nach Mitternacht des 12. Juni erreichte die Militärkolonne Priština, wo sie von den serbischen Bewohnern bejubelt wurde. In den frühen Morgenstunden besetzten die Fallschirmjäger dann das Flugfeld und stellten dort eigene Checkpoints auf. Damit verhinderten sie, dass das britische Panzerkontingent, das nur wenige Stunden später in Priština auftauchte, das wichtige Flugfeld unter seine Kontrolle bringt.

    Der Vorstoß kam für die Nato völlig überraschend. Der britische Kommandeur soll den Befehl erhalten haben, gegen die Russen vorzugehen, diesen jedoch nicht ausgeführt haben.

    Hashim Thaci (r.) posiert mit kosovarischen Sicherheitskräften KSF in Pristina, Dezember 2018
    © AFP 2019 / Armend NIMANI

    Die Nato hatte im Kosovo-Konflikt vom 24. März bis 8. Juni 1999 ohne UN-Mandat Jugoslawien bombardiert. In dieser Zeit kamen verschiedenen Schätzungen zufolge zwischen 1200 und 2500 Menschen ums Leben, darunter etwa 270 Soldaten und Polizisten sowie 89 Kinder. Rund 12.500 weitere Zivilisten wurden verletzt. Zerstört wurden 148 Wohnhäuser und 62 Brücken, etwa 300 Schulen, Krankenhäuser und Staatseinrichtungen sowie 176 Kulturdenkmäler wurden beschädigt.

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    2008 erklärten die albanischen Behörden eniseitig die Unabhängigkeit der Provinz. Völkerrechtlich gehört die Region jedoch weiter zu Serbien: Obwohl mehr als die Hälfte der 192 UN-Nationen den Kosovo als unabhängigen Staat anerkannt haben, verpflichtet die Resolution 1244 des UN-Sicherheitsrates alle UN-Mitgliedsstaaten zur Wahrung der „Souveränität und Integrität der Bundesrepublik Jugoslawien“, deren Rechtsnachfolger Serbien ist.

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    Tags:
    Sergej Lawrow, Kosovo, Serbien