09:40 26 April 2019
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    Warum serbische Armee mit Nato kooperiert - Serbischer General erklärt

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    Politik
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    Den Veteranen der serbischen Armee, die am Konflikt mit der Nato von 1999 beteiligt waren, fällt laut Generaloberst Vladimir Lasarewic die gegenwärtige Kooperation mit der Nordatlantischen Allianz schwer, doch das ist eine politische Entscheidung zum Nutzen des Landes. Dies sagte er in einem Interview mit Sputnik.

    Die Bombardements Jugoslawiens durch Nato-Kräfte vom 24. März bis 10. Juni 1999, die zum Tod und Verletzungen von Tausenden Menschen geführt hatten, waren unter dem Vorwand der Verteidigung der albanischen Bevölkerung der autonomen Region Kosovo und Metochien vor Aktionen der serbischen Armee und Polizei aufgenommen worden.

    Generaloberst Vladimir Lazarewic, dem 2003 vom Internationalen Tribunal zu Ex-Jugoslawien in Den Haag gemeinsam mit anderen hochrangigen Offizieren Verbrechen bei der Vertreibung der Albaner aus der Region zur Last gelegt wurden, hatte 1999 während des Konfliktes das Pristina-Corps und die Dritte Armee der serbischen Streitkräfte im Kosovo geführt. Der Generaloberst ging 2005 freiwillig nach Den Haag, wurde verurteilt und verbrachte zehn Jahre im Gefängnis. Im Herbst 2017 nahm er seine Lehrtätigkeit an der serbischen Militärakademie auf.

    Serbien trat 2006 dem Nato-Programm „Partnerschaft für den Frieden“ bei und unterzeichnete 2011 den individuellen Partnerschaftsplan (IPAP), der später verlängert wurde. Serbische Militärs beteiligen sich heute an gemeinsamen Übungen mit den Streitkräften der Allianz.

    „Es ist schwer, eine Situation zu akzeptieren, bei der man mit denjenigen kooperiert, von denen man gestern unbarmherzig vernichtet wurde, und das gerade im Militärbereich. Ich würde mich noch konkreter ausdrücken – es geht nicht nur darum, dass sie vor 20 Jahren unsere Soldaten und zivile Bürger, Frauen und Kinder getötet haben. Sie töten uns auch heute noch – nach 20 Jahren, weil die Folgen des Einsatzes von radioaktiven Waffen in ganz Serbien katastrophal sind“, erklärte der Generaloberst gegenüber Sputnik.

    Lazarewic zufolge starben viele seiner Mitkämpfer im Laufe dieser 20 Jahre infolge der Bestrahlung durch radioaktive Waffen mit abgereichertem Uran. Er wies darauf hin, dass viele Analytiker im Bereich des Gesundheitswesens und der Verteidigung sowie Experten aus der ganzen Welt der Ansicht seien, dass der Einsatz von radioaktiven Waffen seitens der Nato gegen Jugoslawien zu einer schrecklichen Tragödie – viel größer als in Hiroshima – geführt hätte.

    „Für mich als Mensch, der das Land vor den Nato-Verbrechern verteidigt hat, ist es schwer, eine solche Kooperation anzunehmen. Andererseits bin ich mir bewusst, dass dies eine politische Entscheidung ist, dass das Land die militärische Neutralität beizubehalten versucht und daher im Rahmen des Programms „Partnerschaft für den Frieden“ mit der Allianz zusammenwirkt. Vielleicht ist das nützlich für das Land und das Volk. Für mich aber, einen Soldaten, ist dies eine schwere Situation“, betonte der Veteran.

    1999 führte die bewaffnete Konfrontation der albanischen Separatisten der Befreiungsarmee Kosovo, der serbischen Armee und Polizei zu Bombardements Jugoslawiens (damals waren Serbien und Montenegro im Bestand der Republik) durch Nato-Kräfte unter Umgehung der Position des UN-Sicherheitsrates.

    Die Nato-Luftschläge dauerten von 24. März bis 10. Juni 1999 an. Die genaue Opferzahl ist unbekannt. Nach Einschätzung der serbischen Behörden waren bei den Bombenangriffen etwa 2.500 Menschen ums Leben gekommen, darunter 89 Kinder. Verletzt wurden 12.500 Menschen. Der materielle Schaden wird nach unterschiedlichen Angaben auf 30 bis 100 Milliarden Dollar eingeschätzt.

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    Tags:
    katastrophale Folgen, Entscheidung, Partnerschaft, Kooperation, Militärtribunal in Den Haag, Serbische Armee, Sputnik, NATO, Wladimir Lasarewitsch, Pristina, Hiroshima, Montenegro, Jugoslawien, Albanien, Kosovo, Serbien