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09:29 23 Juli 2019
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    Serbische Soldaten beim Rückzug aus dem Kosovo, Juni 1999

    General: Nato wollte im Kosovo mindestens 20.000 serbische Soldaten töten

    © AP Photo / Brennan Linsley
    Politik
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    Vor 20 Jahren hat die Nato Jugoslawien angegriffen. Der serbische Generaloberst Vladimir Lazarević war 1999 Befehlshaber des 80.000-köpfigen Pristina-Korps, das im Kosovo dem überlegenen Gegner die Stirn bot. Der heute 70-Jährige erinnert sich im Sputnik-Interview, wie damals die Kräfte verteilt waren, und schildert die Taktik seines Verbandes.

    Durch die Nato-Bomben- und Raketenschläge, die vom 24. März bis 8. Juni 1999 dauerten, kamen im damaligen Jugoslawien verschiedenen Schätzungen zufolge zwischen 1200 und 2500 Menschen ums Leben, darunter etwa 270 Soldaten und Polizisten sowie 89 Kinder. Rund 12.500 weitere Zivilisten wurden verletzt.

    Diese Aggression sei ohne Beispiel in der Weltkriegsgeschichte gewesen, erinnert sich Lazarević im Sputnik-Gespräch. Denn das Kräfteverhältnis habe 600:1 gestanden.

    Nach Einschätzung des Veteranen hatte die Nato wohl damit gerechnet, den Widerstand der jugoslawischen Armee schon in den ersten Tagen weitgehend brechen zu können. Für sein Pristina-Korps sei es besonders schwer gewesen, weil es als Teil der 3. Armee Jugoslawiens für den Schutz von Kosovo und Metochien sowie der 251 Kilometer langen Grenze zu Albanien und Mazedonien zuständig gewesen sei.

    „Die Nato wollte in diesen drei bis vier Tagen mehr als 20.000 Mannschaften und Offiziere des Pristina-Korps töten, bei dem ich das Kommando hatte“, behauptet der General. „Um ihr Ziel zu erreichen, setzte die Nato Tausende Flugzeuge und Tausende Marschflugkörper sowie EloKa-Mittel ein und führte auch einen psychologischen Krieg.“

    Dabei habe das westliche Militärbündnis nicht nur seine damals modernsten konventionellen Waffen eingesetzt, sondern auch international geächtete Uranmunition, die radioaktiv und chemisch giftig gewesen sei.

    „Nach unseren Schätzungen warf die Nato auf 120 Objekte im Kosovo und Metochien sowie auf mehrere Ziele außerhalb insgesamt mehr als 30.000 Projektile mit abgereichertem Uran ab.“

    Angesichts dieser hohen Intensität der Angriffe sei sein Korps, das zu Beginn des Nato-Überfalls über rund 1000 Kampffahrzeuge und Geschütze verfügt habe, strategisch in die Klemme geraten.

    „Um durchzuhalten, mussten wir uns ständig bewegen und die Stellungen wechseln“, erinnert sich Lazarević, der sich 2005 freiwillig dem Haager Tribunal stellte und wegen Verbrechen gegen die albanische Bevölkerung im Kosovo schuldig gesprochen wurde.

    Mit dieser Taktik habe man drohenden großen Verlusten entkommen können, sagt der General. Von den 80.000 Angehörigen seines Korps seien 161 den Nato-Angriffen zum Opfer gefallen. „Durch die Angriffe von Terrorgruppen im Kosovo und Metochien, durch Zusammenstöße an den Grenzen Mazedoniens und Albaniens, die am 9. April 1999 begannen, verlor das Pristina-Korps insgesamt rund 600 Soldaten.“

    „Für uns, ihre Kameraden, sind diese Verluste nicht wiedergutzumachend, doch aus militärwissenschaftlicher Sicht sind sie mit nur 0,7 Prozent minimal.“

    Viele seiner Kameraden seien jedoch in den folgenden Jahren an den Spätfolgen der Uranmunition gestorben, sagt Lazarević, der nach der Verurteilung durch das Haager Tribunal zehn Jahre im Gefängnis verbracht hat. Seit 2017 unterrichtet er an der Serbischen Militär-Akademie in Belgrad.

    Durch die Nato-Bomben auf Jugoslawien waren auch hunderte Bauten zerstört worden: Wohnhäuser, Schulen, Krankenhäuser, Brücken und Staatseinrichtungen. Weil die Bombardierungen ohne UN-Mandat erfolgten, werden sie von Kritikern, unter ihnen prominente Politiker und Experten, als Völkerrechtsbruch gewertet.

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    Tags:
    NATO, Pristina, Jugoslawien, Kosovo, Serbien