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07:17 24 Juli 2019
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    Charlie Rowley (l.) und sein Bruder Matthew zu Gast beim russischen Botschafter in London Alexander Jakowenko (r.)

    London: Giftopfer von Amesbury sucht in russischer Botschaft nach Antworten

    © Foto : TASS/POOL
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    Der russische Botschafter in London Alexander Jakowenko hat am Samstag Charlie Rowley empfangen. Der Brite, der im Sommer in Amesbury vermutlich mit einem Nervengas vergiftet worden war, stellte Fragen zu dem Vorfall und wollte insbesondere wissen, ob Russland etwas damit zu tun hatte.

    Nach Angaben der britischen Behörden war Rowley im Juni mit der Substanz А234, im Westen unter dem russischen Namen Nowitschok bekannt, vergiftet worden. Dieses Nervengift soll einige Monate davor beim Attentat in Salisbury im Spiel gewesen sein, für das die Briten Russland verantwortlich machen.

    Rowley kam am Samstagmittag zusammen mit seinem Bruder Matthew in die russische Botschaft. Nach der Unterredung mit Botschafter Jakowenko verließen sie die russische Vertretung, ohne mit der Presse zu sprechen, wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur RIA Novosti vor Ort berichtete.

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    Botschafter Jakowenko teilte seinerseits mit, dass sich die beiden Gäste völlig im Unklaren gewesen seien, was sich in Amesbury wirklich zugetragen habe.

    „Sie haben uns sehr viele Fragen gestellt. Ich habe alle gern beantwortet“, sagte der Botschafter nach dem Treffen.

    Die Brüder hätten insbesondere wissen wollen, ob Russland die Skripals vergiftet habe und wirklich das einzige Land sei, das Nowitschok habe herstellen können, teilte Jakowenko weiter mit.

    Viktorija Skripal (Archiv)
    © Sputnik / Wladimir Pesnja

    „Wir haben diesbezüglich eine erschöpfende Auskunft gegeben. Ich habe ein weiteres Mal mithilfe von Fakten belegt, dass jedes beliebige Labor in Europa — in Tschechien und in anderen Ländern — zu Herstellung von Nowitschok fähig ist“, sagte der Botschafter.

    Laut Jakowenko hat weder Charlie Rowley noch sein Bruder eine Ahnung davon, was in Amesbury wirklich passiert ist, und müssen sich mit Informationen aus der britischen Presse begnügen. Auch wisse Rowley nicht, mit welchen Medikamenten er nach der Vergiftung behandelt wurde.

    Er selbst habe den Eindruck, dass der Mangel an Informationen vonseiten der britischen Behörden und Zweifel an ihrer Darstellung Rowley dazu veranlasste,  bei der russischen Seite nach Antworten zu suchen, sagte Jakowenko am Samstag. „Ich hatte sie gebeten, beliebige Fragen zu stellen. Etwa 80 Prozent von dem, was ich ihnen heute sagte, war für sie völlig neu.“

    Rowley habe bei dem Gespräch Sorgen um seinen sich verschlechternden Zustand und den Wunsch geäußert, sich in einem dritten Land untersuchen zu lassen, teilte der Botschafter mit. Er habe den beiden einen Bericht übergeben, der die russische Sicht auf den Vorfall in Salisbury darlegt.

    Charlie Rowley war am 30. Juni zusammen mit seiner Partnerin Dawn Sturgess in der britischen Stadt Amesbury mit Vergiftungserscheinungen in ein Krankenhaus gebracht worden. Scotland Yard erklärte kurz darauf, das Paar sei mit A-234 kontaminiert worden, demselben Gift, das in Salisbury eingesetzt worden seil. Dawn Sturgess starb am 8. Juli und wurde drei Wochen später eingeäschert, was den Verdacht schürte, dass die britischen Behörden etwas verbergen wollten. Charlie Rowley wurde am 20. Juli aus dem Krankenhaus entlassen.

    Giftanschlag von Salisbury

    Sergej und Julia Skripal waren am 4. März 2018 bewusstlos im britischen Salisbury aufgefunden und mit Vergiftungserscheinungen ins Krankenhaus gebracht worden. Von wem und unter welchen Umständen der ehemalige russisch-britische Doppelagent und seine Tochter wirklich vergiftet wurden, ist noch immer unklar. Die britische Regierung behauptete umgehend, dass in den Giftanschlag auf die Skripals mit dem Stoff A-234 der russische Staat verwickelt sei. Russland wies diesen Vorwurf von sich und forderte eine unabhängige Aufklärung.

    Die Affäre löste einen diplomatischen Skandal aus: Die britische Premierministerin Theresa May ordnete die Ausweisung von 23 russischen Diplomaten an. Aus „Solidarität“ mit London wiesen auch die USA, Deutschland und viele weitere EU-Staaten Dutzenden russischen Diplomaten die Tür. Der damalige Außenminister Boris Johnson versprach noch im März, „verblüffende Beweise“ gegen Russland präsentieren zu wollen, tat dies bis zu seinem Rücktritt im Juli aber nicht.

    Die Skripals haben nach britischen Angaben überleben und sogar schnell genesen können, was einige Experten als merkwürdig bezeichneten. Seitdem ist der Verbleib der beiden nicht öffentlich bekannt. Die russische Seite vermutet sogar, dass Sergej und Julia Skripal in Großbritannien gewaltsam festgehalten werden.

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    Tags:
    Julia Skripal, Sergej Skripal, Alexander Jakowenko, Amesbury, Salisbury, Großbritannien, Russland