19:25 17 November 2019
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    Das russische Wachschiff Admiral Makarow in Sewastopol (Archivbild)

    „Das ist nicht ohne“: Wie Russlands Marine Nato-Schiffe vor der Krim stoppen kann

    © Sputnik / Alexej Malgawko
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    Wenn die Nato ankündigt, bald etwas zum Schutz von Verbündeten zu tun, dann ist das oft nur ein Vorwand für Provokationen – da sind sich viele Experten einig. Auch jetzt sehen Beobachter die Gefahr, dass Washington wiedermal seine Nato-Partner in gefährliche Aktionen hineinzieht, um eigene Interessen in der Schwarzmeerregion durchzusetzen.

    Die Führungsmacht der Nato zeigt sich wieder einmal ernsthaft besorgt um Länder wie die Ukraine und Georgien. Es sollen mehr Kampfschiffe und Aufklärungsflugzeuge in die Schwarzmeerregion entsandt werden. Die Allianz wolle dafür sorgen, dass ukrainische Schiffe die Straße von Kertsch sicher passieren können, erklärte die amerikanische Nato-Botschafterin Kay Bailey Hutchison beim Treffen der Nato-Außenminister in Washington vergangene Woche. Mehr Schiffe und Flugzeuge würden helfen, das „sehr aggressive Russland“ einzudämmen – das Land, das ukrainische Seeleute ins Gefängnis geschickt habe.

    Die genannten Gründe für die Verstärkung der Nato-Präsenz sind aber nur vorgeschoben, „vor allem wegen der Annäherung Russlands und der Türkei“, sagt der Politologe Leonid Iwaschow, Präsident der Akademie für geopolitische Probleme. „Die USA meinen, die Türkei entferne sich von der Nato, wenn sie mit Russland zusammenarbeite. Die verstärkte Aktivität im Schwarzen Meer ist ein Versuch, die Türkei einzufangen, durch einen Konflikt einzubinden – und so natürlich auch auf Turkish Stream Einfluss zu nehmen.“

    Ein Vorfall, ein Konflikt wie in der Straße von Kertsch wäre dafür perfekt. „Die Türkei würde danach mächtig unter Druck gesetzt, damit Turkish Stream entweder verschoben oder ganz aufgehoben wird“, erklärt der Experte. „Leiden würden darunter nur Russland und die EU, die das Gas aus der Schwarzmeer-Pipeline erwartet. Die USA würden davon profitieren.“

    „Washington will mit fremden Händen eine Provokation in der Region auslösen“ – so sieht Sergej Sudakow von der Akademie für Militärwesen die Lage im Schwarzen Meer. Es müsse eine Provokation sein, auf die Russland sehr energisch reagieren muss. „Dann könnten die Amerikaner behaupten, die Russen hätten Nato-Schiffe angegriffen, und die Nato-Mitglieder zur Einigkeit angesichts der Bedrohung auffordern. Moskau aber wird keine andere Wahl haben, als auf die Provokation zu reagieren.“

    Um die europäischen Nato-Partner gegen Moskau zu mobilisieren, müssen sich die USA neue Scheingründe einfallen lassen: „Dubiöse Fälle wie die Sache Skripal haben die Europäer bereits satt. Europa wird selbstständiger und lehnt es ab, neue Anti-Russland-Sanktionen mitzutragen. Die USA müssen neue Vorwände liefern. Die Festnahme ukrainischer Seeleute durch den russischen Grenzschutz ist so ein Vorwand“, sagt der Militärexperte Sudakow.

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    Das russische Außenministerium hat auf die Ankündigung der amerikanischen Nato-Botschafterin bereits reagiert: Russland beobachte die Schwarzmeerregion sehr genau und werde bei Bedarf „zusätzliche militärtechnische Maßnahmen“ ergreifen, sagte Vize-Außenminister Alexander Gruschko.

    Die russischen Gebiete und Hoheitsgewässer im Schwarzen Meer sind ohnehin stark geschützt, sagt Sudakow: „Russland kann es sich nicht leisten, Schwäche zu zeigen und zuzulassen, dass die Nato russische Hoheitsgewässer befährt. Russland hat alles, was für eine entschlossene Abwehr nötig ist: Antischiffssysteme an den Küsten, schnelle Schiffe, Flugzeuge. Das ist schon nicht ohne.“

    Russlands wichtigster Wachposten im Schwarzen Meer – die Halbinsel Krim – wird beschützt wie keine andere russische Region: Über sechs Fregatten, zehn Korvetten, je sieben große und kleine Landeschiffe und sechs U-Boote verfügt die Schwarzmeerflotte gegenwärtig – dazu ein Lenkwaffenkreuzer, der derzeit im Dock modernisiert wird.

    Die Flotte wird rasch umgerüstet: Drei der Fregatten zählen zur modernen Klasse 11356, bewaffnet mit Antischiffsraketen „Kalibr“. Mit den gleichen Flugkörpern sind auch drei der Landeschiffe bestückt. Die U-Boote der Klasse 636 sind in den Jahren 2013-2016 in Dienst gestellt worden. Bis 2021 soll die Schwarzmeerflotte zusätzliche Korvetten erhalten: sechs Schiffe der Klasse 22800.

    Auch aus der Luft werden die russischen Hoheitsgewässer geschützt. Auf dem Fliegerhorst Nowofjodorowka ist ein Jagdbombergeschwader der russischen Marineflieger stationiert. Die Einheit verfügt über Kampfjets Su-24 und Su-30SM sowie über Aufklärungsjets Su-24SM. Auf dem Militärflugplatz Katscha stehen Seefernaufklärer, Transportflugzeuge und SAR-Hubschrauber bereit.

    Zur Flugabwehr ist eine Fla-Division auf der Halbinsel stationiert worden. Sie schützt die Krim durch S-400-Systeme vor Luftangriffen. Einzelne Objekte stehen unter dem Schutz der Fla-Systeme Panzir-S1.

    „Diese Kräfte können auch aufgerüstet werden, sollte die Nato ihre Präsenz im Schwarzen Meer weiter ausbauen“, sagt Militärexperte Konstantin Siwkow. „Bei echter Gefahr können Korvetten und dieselgetriebene U-Boote in die Region entsandt werden. Um zusätzliche Flugzeuge zu den Marinefliegern auf der Krim und in der Region Krasnodar zu verlegen, sind nur wenige Tage nötig. Die Schiffsabwehr würde mit Bal- und Bastion-Systemen verstärkt. Das wäre mehr als genug, um einen Kräftegleichstand herzustellen.“

    Dass die Nato in der Region verdächtig rege geworden ist, ist schließlich eine Tatsache. Seit der Krise in der Ostukraine und der Wiedervereinigung der Krim mit Russland fahren Kriegsschiffe der Allianz immer häufiger ins Schwarze Meer.

    Vor zwei Wochen waren ein niederländischer Zerstörer und drei Fregatten – darunter eine türkische – ins Schwarze Meer eingelaufen. Die Kampfschiffe sind Teil eines permanenten Nato-Marineverbands. Vorher war der US-Zerstörer „Donald Cook“ in der Region. Gemäß dem Vertrag von Montreux dürfen sich Kriegsschiffe von Nicht-Anrainerstaaten nicht länger als drei Wochen im Schwarzen Meer aufhalten.

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    Fast schon eine Dauerpräsenz zeigen Aufklärungsflugzeuge der Nordatlantikallianz im Schwarzen Meer. Erst letzte Woche flog ein Langstreckenaufklärer Lockheed EP-3 entlang der russischen Schwarzmeer-Küste. Mehrere Stunden kreiste die Maschine in der Nähe der Krim, flog unweit der Einfahrt in die Straße von Kertsch vorbei und entlang der Küste der Region Krasnodar.

    Die russische Schwarzmeerflotte überwacht jeden Schritt der Nato-Kräfte in der Region. Regelmäßig üben russische Seeleute das Orten, das Erfassen und die Zerstörung gegnerischer Zielobjekte. Vor wenigen Tagen haben zwei russische Korvetten eine Raketenübung im Schwarzmeer abgehalten: Eine simulierte gegnerische Schiffsgruppe wurde mit „Moskito“-Raketen beschossen – und versenkt.

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    Kampfschiffe, Präsenz, Gefahr, Schutz, Verstärkung, Verteidigung, Flotte, NATO, Kay Bailey Hutchison, Sergej Sudakow, Konstantin Siwkow, Leonid Iwaschow, Alexander Gruschko, Schwarzes Meer, Türkei, Georgien, Krim, USA, Russland, Ukraine