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    Digitalisierung (Symbolbild)

    Deutschland mit russischer Hilfe Fake News-bewusster und digital affiner

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    Politik
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    Von Natalia Pawlowa
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    Im Rahmen der Potsdamer Begegnungen fand in Moskau das Jugendforum „Entwicklung der digitalen Städte Deutschlands und Russlands – neue Wege der Zusammenarbeit“ statt. Moskau und Leipzig tauschten Erfahrungen aus. Im Blickpunkt waren u.a. Filter für Fake News.

    Das ist ein Projekt von entscheidender Bedeutung, denn die Zukunftsthemen der deutsch-russischen bzw. europäisch-russischen Beziehungen sind wichtiger denn je. „Auf deutscher Seite müssen wir feststellen, dass in den nachfolgenden Generationen sowohl in der Politik als auch in vielen anderen Bereichen die Anzahl der Menschen, die sich für Russland engagieren, nicht so hoch ist, wie wir es gerne hätten“, sagte Martin Hoffmann, Geschäftsführendes Mitglied des Deutsch-Russischen Forums.

    Das Thema Digitalisierung ist im Moment in aller Munde. Ein Lieblingsthema im Westen sind seit langem Vorwürfe gegen Russland wegen Einmischung in den Wahlkampf. Auch vor den Europa-Wahlen herrsche Aufregung in Erwartung von Manipulationen, so Hoffmann. „Dabei zeichnet sich immer wieder ab, dass die Beweislage extrem schlecht ist, aber in den Köpfen bleibt immer ein Konflikt.“ Die junge Generation solle sich kompetent für die Verständigung einsetzen.

    Bei dem Forum kam die Rede darauf, wie man „eine gute Idee missbrauchen“ kann. In Zeiten der Digitalisierung im Medienbereich kommt es manchmal zu Zwischenfällen, da sich Nachrichten über Grenzen und Kontinente hinweg ausbreiten. Vor einiger Zeit haben zwei junge Künstler eine Installation eines weltberühmten Kunstwerks gemacht und dann ein Video aufgenommen, das zeigt, wie sie diese Installation zerstören. Internationale Nachrichtenagenturen haben gleich darauf Alarm geschlagen, ohne die Quelle zu überprüfen. Es stellte sich aber heraus, dass das Originalwerk intakt ist. Auf diese Weise haben die jungen Künstler bewiesen, wie empfindlich die moderne Gesellschaft gegenüber Fake News ist.

    Das Thema Filter für Fake News werde in der Europäischen Union intensiv diskutiert, sagte Dr. Beate Ginzel, Leiterin des Referats „Digitale Stadt“ im Departement Wirtschaft und Arbeit von Leipzig, gegenüber Sputnik.

    „Die EU-Kommission hat sich dafür entschieden, Filter einzusetzen. Wie das technisch umgesetzt werden kann, ist eine spannende Geschichte. Durch die gesamte Digitalisierung in der Medienlandschaft, aber auch in sozialen Medien besteht natürlich die Gefahr, dass sich falsche Informationen in einem sehr schnellen Maße verbreiten. Man muss sich diesem Risiko auch bewusst sein. Aber neben diesen digitalen Lösungen von Filtern ist es noch viel wichtiger, ein Bewusstsein bei den Menschen zu schaffen, dass sie kritisch mit der Information umgehen. Die Filter bergen eine Gefahr, dass Informationen rausgefiltert werden, die vielleicht wichtig sind.“

    Laut der Beamtin gibt es jetzt eine Anforderung von Unternehmen, entsprechende Fachkräfte zu finden, man brauche mehr Absolventen, die das entsprechende Know-how mitbringen. Direkte Kontakte mit Moskau, die Möglichkeit, sich bilateral auszutauschen und voneinander zu lernen, seien sinnvoll und könnten zu einem schnelleren Ergebnis führen. „Für Leipzig wäre es sehr wichtig, Erfahrungen mit Moskau auszutauschen, weil Moskau in der Umsetzung der digitalen Verwaltung schon sehr weit gekommen ist, gerade was die Bereitstellung von digitalen Services für die Bürger anbelangt“, so Ginzel.

    Es habe sich in Moskau in den letzten Jahren tatsächlich viel verändert, nachdem man das Programm „Smart City“ in Moskau umzusetzen begonnen habe, sagte der Leiter von Smart City Lab bei der Moskauer Stadtverwaltung, Dmitri Karandin. Fast überall gibt es kostenloses WLAN, an Bushaltestellen kann man Gadgets aufladen, es funktioniert das Programm „Sichere Stadt“, das nicht nur die Sicherheit der Einwohner durch Überwachungskameras kontrolliert, sondern auch das Monitoring der Umweltsituation in der Metropole durchführt.

    Die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Russland im Bereich der Digitalisierung kommt ungeachtet der schwierigen politischen Situation in Schwung. Anfang Juni 2017 hatten der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft und der Russische Industriellen- und Unternehmerverband ein Abkommen über die Schaffung einer gemeinsamen Plattform zum Know-how-Austausch und zur Besprechung bilateraler Kooperationsprojekte unterzeichnet, teilte der Mitarbeiter des russischen Außenministeriums, Oleg Tjapkin, mit. „Es gibt eine Basis, es gibt Ideen, nun kommt es auf die junge Generation an“, forderte er die Jugendlichen auf.

    Der deutsche Botschafter Rüdiger von Fritsch, der seit fünf Jahren in Russland lebt, wies darauf hin, dass Russland im Bereich der Digitalisierung „bemerkenswerte Erfolge zeitigt“. Laut einer UN-Studie liegt Moskau in diesem Bereich auf Platz 1, Deutschland auf Platz 12, merkte er an. „Wir könnten das als Land besser machen“, so der Diplomat.

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    Tags:
    Smart City, Filter, Digitalisierung, Internationale Beziehungen, Fake-News, Zusammenarbeit, Deutsch-Russisches Forum, Martin Hoffmann, Rüdiger von Fritsch, Leipzig, Deutschland, Moskau, Russland