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    Ein Unterstützer von Julian Assange vor der Ecuadors Botschaft in London

    Moskau zu Assange-Festnahme: „Hand der 'Demokratie' drückt Kehle der Freiheit zu”

    © REUTERS / Peter Nicholls
    Politik
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    Russland sieht nach der Festnahme des Wikileaks-Gründers Julian Assange dessen Aussichten auf ein faires Verfahren in Gefahr.

    „Wir hoffen natürlich, dass alle seine Rechte eingehalten werden”, so Kremlsprecher Dmitri Peskow am Donnerstag in Moskau.

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    Das russische Außenministerium kritisierte die Festnahme mit scharfen Worten.

    „Die Hand der 'Demokratie' drückt die Kehle der Freiheit zu”, schrieb Außenamtssprecherin Maria Sacharowa via Facebook.

    Die Sputnik- und RT-Chefin Margarita Simonjan bezeichnete die Festnahme als Sieg der „globalen Heuchelei“ und berichtete über ihr Kennenlernen mit Assange vor einigen Jahren, als er noch in einem englischen Dorf wohnte. 

    Sie erläuterte, dass sich Assange immer geweigert habe, ernsthafte Gespräche im Haus zu führen, und sie nur während Spaziergängen erlaubt habe.

    Assange soll ihr während dieser Spaziergänge erzählt haben, wie „die globale Heuchelei funktioniert“. 

    „Lange bevor wir alle anfingen, etwas zu ahnen, erklärte er, dass Google und Twitter da seien, um erstens alle auszuspähen und zweitens die Stimmung der Massen zu beeinflussen. (Er erklärte – Anm. d. Red.), dass der große Bruder aus den schrecklichsten Dystopien bereits hier sei. Er ist jeden Tag mit uns, in der Tasche, und wir freuen uns, dass er unser Leben so angenehm und interessant gemacht hat“, fügte sie hinzu.

    Assange habe verstanden, dass „die globale Heuchelei einen Anlass finden wird, ihn zu fesseln oder sogar zu töten“. Deswegen habe er Asyl in der ecuadorianischen Botschaft gesucht. In dieser Hinsicht bedauerte Simonjan, dass er nicht bei Russland Asyl beantragt habe. Denn so hätte er „wie Snowden“ leben können – „nach Sotschi reisen, und ich würde ihm beibringen, wie man Krebse kocht“.

    >>>Mehr zum Thema: Scotland Yard: Assange auch aufgrund von US-Auslieferungsgesuch festgenommen<<<

    Später, als Simonjan ihn in der ecuadorianischen Botschaft besuchte, fragte sie ihn, warum er sein Leben geopfert habe. Er soll darauf geantwortet haben, dass er Lügen hasse und nicht vertrage, betrogen zu werden.

    „Was erwartet ihn jetzt? Jahrzehnte in Gefängnissen? Hinrichtung in einem Bundesstaat der Koryphäe der globalen Demokratie? Er war auf alles vorbereitet. Heute hat die globale Heuchelei gewonnen“, schloss sie.

    Laut dem russischen Senator Igor Morosow besteht kein Zweifel, dass Assange an die Vereinigten Staaten ausgeliefert werde. Die US-Geheimdienste „werden es an ihm auslassen, da Snowden, der sich in Russland befindet, für sie nicht erreichbar ist“, sagte er.

    Ihm zufolge sollte die Weltgemeinschaft und insbesondere Menschenrechtsorganisationen alle möglichen Anstrengungen unternehmen, um Assange zu schützen.

    „Jetzt werden wir herausfinden, wer in Wirklichkeit eine Menschenrechtsorganisation ist“, sagte der Politiker.

    Assange wurde kurz zuvor in London in der Botschaft Ecuadors festgenommen, wo er seit Juni 2012 im selbstgewählten Exil lebte. Der 47-Jährige wollte so einer Festnahme und der von ihm befürchteten Auslieferung an die USA entgehen. Wikileaks trat zunächst in Erscheinung mit der Veröffentlichung geheimer US-Dateien, die unter anderem Menschenrechtsverletzungen und die Tötung von Zivilisten durch amerikanische Truppen in Afghanistan dokumentierten.

    Zuvor war berichtet worden, dass für den festgenommenen Wikileaks-Gründer Julian Assange ein Auslieferungsersuchen aus den USA vorliegt. Das bestätigte die britische Polizei am Donnerstag in London.

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