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01:46 16 Oktober 2019
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    CSIS-Konferenz 2019 in Washington

    Venezuela: Wird in Washington jetzt insgeheim eine Intervention erörtert?

    © REUTERS / Jonathan Ernst
    Politik
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    Bei einem geheimen Rundtischgespräch im Zentrum für strategische und internationale Übungen (CSIS) in Washington, das am 10. April stattfand, sollen die Perspektiven einer militärischen Intervention in Venezuela erörtert worden sein. Das steht in einem Enthüllungsbericht des Portals Grayzone.

    An dem Gespräch sollen sich 40 ehemalige Beamte des US-Außenministeriums, Vertreter der Geheimdienste und des Pentagons beteiligt haben, außerdem hochrangige Mitarbeiter der Botschaften Kolumbiens und Brasiliens und Vertrauenspersonen Juan Guaidós. Es sei offensichtlich, dass das Treffen angesichts dessen stattgefunden habe, „dass alle anderen Optionen für den Machtwechsel in Venezuela gescheitert sind“, so Grayzone.

    Sputnik hat darüber mit dem Aktivisten Francisco Dominguez von der Venezuela Solidarity Campaign gesprochen.

    War dieses geheime Treffen ein Merkmal dafür, dass die USA alle anderen Varianten für erschöpft halten und de facto eine militärische Intervention erwägen?

    Ich denke, ja. Meines Erachtens denken die einflussreichen Strukturen in den USA, darunter die Streitkräfte, der Kongress, der Senat, die Regierung tatsächlich ernsthaft darüber nach. Der Grund ist, dass sie schon absolut alles probiert haben, unter anderem einen beispiellosen Angriff gegen das Stromversorgungssystem Venezuelas – und nichts hat offenbar geklappt. Und gestern erklärten die USA, dass sie wieder venezolanisches Öl kaufen, weil ihre eigenen Vorräte am Ende sind. Boykott, Blockade – das wirkt gegen die USA, und Venezuela wird inzwischen reorganisiert, damit sein Öl auf anderen Märkten verkauft wird. Die einflussreichen Personen in den USA scheinen sich diese Frage alo gründlich zu überlegen.

    Max Blumenthal sagte, dass einige von den erwähnten Personen zuvor die Schlüsselrolle bei der Destabilisierung Venezuelas gespielt hätten. Stimmen Sie zu?

    Ja, und da muss man sich gar nicht wundern – es reicht ja, sich die Liste anzusehen. Darauf stehen Kolumbien, das International Republican Institute, die US-amerikanische Behörde für internationale Entwicklung (USAID) sowie unverhohlen rechtsorientierte Venezolaner, die jetzt behaupten, sich in der venezolanischen Botschaft zu befinden. Deshalb ist das gar nicht überraschend. Ich muss mich aber wundern, dass all diese Denkfabriken, die in vielen Fällen für Demokratie, Menschenrechte usw. sind, wie beispielsweise Michael Shifter vom Inter-American Dialogue, Teil dieses Prozesses sind. Das ist sehr bemerkenswert. Ich finde interessant, ob ihre Ansichten zu den Vor- und Nachteilen einer möglichen Intervention besprochen werden sollen oder ob sie bereit sind, an der Bildung einer Kommission für einen solchen Angriff teilzunehmen. Das diskreditiert ihre Aktivitäten.

    Wie könnten die USA von einem solchen Einsatz zum Machtwechsel in Venezuela profitieren?

    Ich denke, sie hatten gedacht, dass sie nach dem Ableben von Präsident Chavez gute Chancen hätten, ihre Ziele zu erreichen nämlich die venezolanische Regierung zu entmachten, womit sie sich seit 1999 beschäftigt hatten. Sie begannen sofort einen Wirtschaftskrieg und haben seitdem wirklich alles probiert. Und nichts erreicht. Und jetzt bemühen sie sich um eine neue Variante – sie wollten den selbsternannten Interimspräsidenten an die Macht bringen, doch auch dabei sind sie gescheitert. Zwar hatten viele Länder Guaidó zunächst anerkannt, aber jetzt rudern sie zurück. Also ist man nach dem gescheiterten Versuch, mithilfe der Militärs humanitäre Hilfsgüter über die Grenze zu transportieren, und nach dem Cyberangriff gegen das venezolanische Energiesystem auf die Idee gekommen, dass man sein Ziel, nämlich die Entmachtung der venezolanischen Regierung, nicht erreichen kann, wenn man nichts besonders Dramatisches tut. Und in diesem Sinne spielt die Zeit auf Nicolás Maduros Seite.

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    Tags:
    Geopolitik, Kriegsvorbereitungen, Invasion, Machtumsturz, US-Außenministerium, US-State Department, Center for Strategic and International Studies (CSIS), USAID, Nicolás Maduro, Hugo Chavez, Juan Guaidó, Washington, USA, Venezuela