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    US-Soldat im Bagger in Japan

    Umweltsünden, Unfälle, Gewalttaten: So rücksichtslos verhält sich die US Army in Japan

    © Foto: U.S. Air Force/Yasuo Osakabe
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    Nikolai Protopopow
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    Fast 40 000 Kubikmeter Erde und Sand, großes Bedauern der Japaner und ein vieldeutiges Schweigen der US-Militärs – die USA erweitern ihren Stützpunkt Yokita und bringen deshalb tonnenweise Erde in die Nachbarstadt Tokorozawa. Wie die Amerikaner das Land der aufgehenden Sonne herumkommandieren.

    Die neue Baustelle hat aber Proteste der Einwohner ausgelöst, die Angst vor negativen Umweltfolgen haben. Doch die US-Generäle nehmen keine Rücksicht auf diese „Lappalie“.

    Punktuelle Bebauung

    Die Erde soll planmäßig im Laufe eines Jahres verlagert werden. Die Einwohner befürchten jedoch, dass mit der Erde auch Giftstoffe nach Tokorozawa geraten könnten, die der regionalen Umwelt schaden würden. Die Behörden haben sich mit einer entsprechenden Anfrage an das US-Kommando gewandt, das aber behauptete, die beförderte Erde wäre angemessen überpprüft worden – und die Bauarbeiten wurden fortgesetzt.

    Der bei der Stadtverwaltung von Tokorozawa für die Kooperation mit dem US-Militär zuständige Beamte, Toshitaka Odati, zeigte sich besorgt darüber, dass die Einwohner bei dieser Frage übergangen werden. „Das ist bedauernswert. Wir werden uns auch künftig um die Sicherheit und Ruhe der Bevölkerung kümmern“, versicherte der Beamte.

    Das ist nicht der erste solche Streit in Japan wegen Aktivitäten der US-Militärs. Im Dezember 2018 hatten sie begonnen, die Küste bei Henoko auf Okinawa mit Sand aufzuschütten, wohin sie ihren Stützpunkt Futenma verlegen wollen.

    Auf Okinawa entfallen weniger als ein Prozent des japanischen Territoriums, aber dort befinden sich drei Viertel aller US-Militärobjekte und sind mehr als die Hälfte der US-Truppen in diesem Land stationiert. Nach Angaben der Präfektur Okinawa geht es dabei um 26 000 Militärs sowie 19 000 Familienmitglieder und zivile Mitarbeiter.

    Die japanische Regierung will den US-Stützpunkt Futenma, der ganz in der Nähe der Stadt Ginowan liegt und deshalb als gefährlichster Stützpunkt in der ganzen Welt gilt, nach Henoko verlegen – ebenfalls in der Präfektur Okinawa. Die dortigen Behörden bestehen darauf, dass der neue Stützpunkt außerhalb der Präfektur liegen solle.

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    Den Stützpunkt in Ginowan wollte man eigentlich bereits vor 20 Jahren schließen und nach außerhalb der Präfektur verlegen, aber letztendlich blieb er doch dort. Jetzt soll ein neuer Flugplatz in Henoko gebaut werden, und dafür müssen 157 Hektar an der Küstenlinie mit Sand bedeckt werden, was aber den Korallenriffen in dieser Gegend schaden würde.

    Das lassen sich die Einwohner sowie Umweltaktivisten natürlich nicht gefallen. Die Verlegung des US-Stützpunktes innerhalb der Präfektur macht ihnen zufolge die Belastung auf Okinawa nicht geringer. In der Präfektur fand sogar ein Volksentscheid statt, aber die japanische Regierung gab klar und deutlich zu verstehen, dass der Bau des neuen US-Flugplatzes unabhängig von seinen Ergebnissen fortgesetzt wird.

    Angst vor Hubschraubern

    Der Stützpunkt Yokota wird offenbar zu dem Zweck ausgebaut, dass er Wandelflugzeuge Osprey CV-22 empfangen kann. Und das ist ein weiterer Grund, warum die Einwohner unzufrieden sind – sie wollen nicht, dass über ihren Köpfen wieder große Flugzeuge fliegen, die zudem nicht besonders zuverlässig sind. Und Zwischenfälle mit CV-22-Maschinen gab es ausreichend. Im Dezember 2016 stürzte eine von ihnen während einer Übung zum Luftbetanken ins Meer ab. Eine weitere Havarie hatte sich vor der Küste von Australien am 5. August 2016 ereignet.

    Der vorerst letzte Unfall zwang die Regierung in Tokio, von den USA den Verzicht auf den Betrieb der CV-22 zu fordern, bis die Ursachen des Absturzes geklärt sind. Die Amerikaner beteuerten jedoch, mit den Osprey-Maschinen gebe es keine technischen Probleme, und schon am nächsten Tag hob die nächste von ihnen ab. Also blieb den Japanern keine andere Wahl, als weitere Flüge zu genehmigen.

    Die Verlegung der Wandelflugzeuge begründen die Amerikaner, wie immer, mit der Festigung der regionalen Sicherheit, und bilden zudem eine Plattform für Noteinsätze bei Naturkatastrophen. Wandelflugzeuge würden bei Rettungseinsätzen in der Region zum Einsatz kommen, und zu ihrer technischen Wartung soll eine zusätzliche Abteilung nach Yokota verlegt werden. In den kommenden Jahren sollen dort insgesamt zehn CV-22 stationiert werden.

    Zwischenfälle mit US-Flugzeuge passieren in Japan relativ häufig. Manchmal fliegen US-Hubschrauber in der Mindesthöhe unmittelbar über Schulen. Manchmal fallen auf die Köpfe japanischer Schulkinder verschiedene schwere Gegenstände. Im Dezember 2018 fiel einem Hubschrauber CH-35E ein Seitenfenster ab. Glücklicherweise kam dabei niemand ums Leben, aber ein Schulkind wurde mit Splittern verletzt. Die Einwohner Ginowans waren empört, aber die Amerikaner verwiesen auf das so genannte „menschliche Versagen“ und gaben sich keine Mühe, die Flugrouten ihrer Helikopter zu verändern.

    Viele Proteste rufen auch die Handlungen amerikanischer Luftlandesoldaten hervor. 1996 hatten sich Tokio und Washington darauf geeinigt, dass die US-Luftlandetruppen nur auf der unweit von Okunawa liegenden Insel Iezima üben würden. Aber die Amerikaner verlegen ihre Übungen unter Berufung auf die Wetterbedingungen in andere Orte. Dabei kommt es auch manchmal zu Zwischenfällen. Im vorigen Jahr ist beispielsweise ein Fallschirm auf eine Schule in der Stadt Hamura gefallen. Der Bürgermeister äußerte seinen Protest dagegen, den die Amerikaner zwar akzeptierten, aber die Übungen wurden fortgesetzt.

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    Die Einwohner Okinawas können jedoch auch eine richtige Tragödie nicht vergessen: 1965 wurde eine Schülerin von einem Autoanhänger getötet, der von einem Flugzeug während einer Übung unweit des Dorfes Yomitan abgeworfen worden war.

    Gewalttäter mit Epauletten

    Aber nicht nur die Übungen der amerikanischen Militärs verärgern die Einwohner japanischer Städte. Sie protestieren dagegen schon seit vielen Jahren. Seit 1972 haben die Yankees in Japan mehr als 6000 Verbrechen verübt, darunter ungefähr 100 Morde und mehr als 300 Vergewaltigungen. Außerdem gab es mehr als 200 Verkehrsunfälle mit Todesopfern.

    Im September 1995 haben beispielsweise drei Marineinfanteristen vom Stützpunkt Camp Hansen ein zwölfjähriges Mädchen vergewaltigt. Sie alle wurden in Japan verurteilt, aber zuvor hatte die japanische Seite mehr als einen Monat lang auf der Überstellung der Verbrecher bestanden. Am Ende wurden zwei von ihnen zu jeweils zehn Jahren Haft und der dritte zu sechseinhalb Jahren verurteilt.

    Dabei taten die Amerikaner ihr „Bestes“, um den Prozess gegen die Vergewaltiger zu behindern. Ihre Familien warfen beispielsweise dem Gericht Rassismus vor, weil alle drei Verbrecher Afroamerikaner waren.

    Ein anderer ähnlicher Zwischenfall ereignete sich im Februar 2008, wo ein weiterer Marineinfanterist ein 14-jähriges Mädchen vergewaltigt hat.

    Im Mai 2016 hat ein US-Soldat eine 20-Jährige vergewaltigt und getötet. Um die Spuren seines Verbrechens zu verwischen, brachte er die Leiche seines Opfers in einem Koffer in einen Wald. Das US-Kommando verhängte damals eine 30-tägige Ausgangssperre und sagte alle Festveranstaltungen auf dem Gelände aller Stützpunkte ab. Das passierte aber erst nach einer offiziellen Entschuldigung seitens des US-Präsidenten.

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    Tags:
    Gewalt, Soldaten, Proteste, Umwelt, Okinawa, Aktivitäten, Bau, Militärstützpunkt, Japan, USA