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    Präsidentschaftskandidat der Ukraine Wladimir Selenski

    Stadion-Debatte: Selenski macht Kniefall – Poroschenko macht es ihm nach – VIDEO

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    Politik
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    Präsidentschaftswahlen 2019 in der Ukraine (33)
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    In Kiew ist die Debatte zwischen dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko und seinem Herausforderer Wladimir Selenski im Olypmpia-Stadion zu Ende gegangen. Es wurden viele Fragen gestellt, nur wenige wurden beantwortet. An Emotionen hat es sicherlich nicht gefehlt.

    Der Höhepunkt der hitzigen Debatte war wohl der Augenblick, als Selenski auf der Bühne niederkniete:

    „Ich bin bereit, vor jeder Mutter niederzuknien, deren Sohn nicht mehr von der Front zurückgekehrt ist. Ich bin bereit, vor jedem Kind niederzuknien, das seinen Vater nicht mehr sehen wird… Ich lade Sie ein, dasselbe zu tun“, sagte Selenski zu Poroschenko.

    Dieser folgte dem Beispiel seines Opponenten und ließ sich ebenfalls auf die Knie nieder – allerdings mit dem Rücken zu den Zuschauern.

    „Ich bin Ihr Schuldspruch“

    Zum Auftakt der Debatte sagte Selenski, er habe 2014 für Poroschenko gestimmt. „Das war ein Fehler“, räumte der Komiker ein. Der Poroschenko von heute sei nicht der Poroschenko, den das ukrainische Volk vor fünf Jahren gewählt habe.

    „Ich bin wirklich kein Politiker“, betonte Selenski weiter. Lediglich ein Mensch, der dieses System brechen wolle.

    Der Komiker zeigte sich bei der Debatte schlagfertig und ging oft in die Offensive. „Ich bin nicht Ihr Opponent, ich bin Ihr Schuldspruch“, sagte er, mit dem Finger auf Poroschenko zeigend.

    „Ich glaube, dass ein Präsident kein Oligarch sein darf. Das ist alles.“

    Unbeantwortete Fragen

    Selenski las während der Debatte Fragen ukrainischer Internetnutzer vor und forderte seinen Gegner auf, jede beliebige von ihnen zu beantworten. Dabei wechselte er hin und wieder ins Russische.

    Hier sind einige von diesen Fragen:

    „Wie ist es dazu gekommen, dass die Ukraine bei dem reichsten Präsidenten in ihrer Geschichte das ärmste Land ist?“

    „Warum wurden die Brandstifter von Roschen-Länden innerhalb von Stunden gefunden, aber die Brandstifter von ukrainischen Waffenlagern und die Menschen, die das Auto von Scheremet (Journalist Pawel Scheremet – Anm. d. Red.) in die Luft gesprengt haben, können seit Jahren nicht gefunden werden?“

    „Warum sitzt niemand wegen Ilowajsk und Debalzewe im Gefängnis?“

    „Warum kennen wir fünf Jahre später die Namen der Mörder auf dem Maidan-Platz nicht?“

    „Wie konnten Sie im fünften Jahr des Krieges, sich völlig der Gefahr bewusst, 24 ukrainische Seeleute in die Straße von Kertsch in den sicheren Tod schicken?“

    „Warum haben Sie das Gesetz über illegale Bereicherung abgeschafft?“

    Poroschenko lehnte es jedoch ab, auf diese Fragen direkt zu antworten. Stattdessen rief er emotionale Losungen ins Mikrofon: „Wir Ukrainer haben das Land bewahrt! Wir Ukrainer haben den Durchbruch in die EU geschafft!“ Seinen Herausforderer bezeichnete er als inkompetent.

    „Wenn Sie wüssten, in welchem Zustand ich das Land 2014 übernommen hatte, würden Sie Ihre Fragen anders stellen“, sagte Poroschenko weiter. Es habe damals kein Geld gegeben, keine Goldreserven, keine Armee und keine Waffen.

    Der Donbass und Putin

    Der Favorit des Präsidentschaftsrennens Selenski versprach während der Debatte, alles zu tun, um den Krieg im Donbass zu beenden.

    Während seiner Rede nahm er das Wort „Aufständische“ in Bezug auf die Volksmilizen in der Ostukraine in den Mund  – ein Begriff, der von Kiew nie benutzt wird. Stattdessen bezeichnet Kiew die Volksmilizen von Donezk und Lugansk als „Separatisten“ oder „Kämpfer“. Internetnutzer sowie Poroschenko selbst empörten sich darüber, der Präsident forderte eine Erklärung von seinem Herausforderer.

    Zudem bezeichnete Poroschenko seinen Herausforderer als unfähig, den „russischen Aggressor“ zu besiegen. Der russische Präsident Wladimir Putin wurde erwartungsgemäß mehrmals während der Debatte erwähnt. Selenski werde ein schwacher Präsident sein, der nicht in der Lage sein werde, die „Schläge von Putin“ abzuwehren, so Poroschenko.

    Der Komiker verwies seinerseits darauf, dass er anders als Poroschenko niemals mit Putin gesprochen und Russland seit 2014 nicht mehr besucht habe. Der Krieg in der Ostukraine sei bis heute nicht zu Ende, das sage viel über Poroschenko als Oberbefehlshaber aus.

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    Präsidentschaftswahlen 2019 in der Ukraine (33)
    Tags:
    Petro Poroschenko, Wladimir Selenski, Debatte, Präsidentschaftswahl, Ukraine