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    Gedenkort zum Massaker von Kalavryta während der deutschen Besetzung Griechenlands (Archiv)

    Streit um Reparationen: Griechenland erwägt Enteignung deutschen Besitzes

    © AP Photo / Petros Giannakouris
    Politik
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    In Bezug auf die Forderung von Reparationszahlungen durch Deutschland für die Kriegsschäden und -verbrechen im Zweiten Weltkrieg will die griechische Regierung offenbar mit mehr Nachdruck vorgehen. Das schreibt die deutsche Zeitung „Spiegel“ unter Berufung auf Quellen.

    Um von Berlin Reparationszahlungen für die von deutschen Soldaten in den Jahren 1941 bis 1944 angerichteten Schäden zu bekommen, erwägt Athen dem Blatt zufolge verschiede Möglichkeiten. Neben einer Klage vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag und der Anrufung des Internationalen Schiedsgerichtshofs in London sei die Enteignung deutscher Vermögenswerte in Griechenland in Betracht gezogen worden.

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    Die Beschlagnahmung von deutschem Eigentum bezeichnete „Spiegel“ als „alte Drohung“. Der griechische Justizminister, Nikos Paraskevopoulos, hatte diese Maßnahme bereits 2015 vorgeschlagen. Dadurch sollten die Opfer des Massakers im Dorf Distomo entschädigt werden.

    Bislang habe allerdings noch keine griechische Regierung diesen Schritt gewagt, aus Angst die Beziehungen zu Deutschland als Kreditgeber und Handelspartner zu gefährden oder deutsche Touristen zu verschrecken, so die Zeitung. Diese Sorge soll nun geringer geworden sein.

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    Ein Mann geht an dem Bild mit der griechischen Skulptur und Euro-Logo vorbei, Athen (Symbolbild)
    © AFP 2019 / LOUISA GOULIAMAKI
    Das griechische Parlament hat am Mittwochabend beschlossen, offiziell von Deutschland Reparationszahlungen für die im Zweiten Weltkrieg angerichteten Kriegsschäden einzufordern. Es soll dabei um bis zu 290 Milliarden Euro gehen.

    Mit großer Mehrheit stimmten die Abgeordneten für eine Vorlage des Parlamentspräsidenten, Nikos Voutsis, mit der die griechische Regierung aufgefordert wird, alle notwendigen diplomatischen und rechtlichen Schritte einzuleiten. Zuerst soll eine sogenannte Verbalnote überreicht werden.

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    Die deutschen Besatzer hatten von April 1941 bis September 1944 rund 300.000 griechische Staatsangehörige getötet und zahlreiche Massaker verübt, etwa in Lyngiades, Distomo, Kalavryta, Kandanos oder Viannos. Darüber hinaus musste die griechische Zentralbank 1942 einen Zwangskredit gewähren, der damals auf knapp 500 Millionen Reichsmark beziffert wurde und heute mit Zinsen einige Milliarden Euro ausmachen würde.

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    Tags:
    Schäden, Beschlagnahme, Entschädigungsanspruch, Entschädigung, Kriegsreparationen, Zweiter Weltkrieg, Deutschland, Athen, Griechenland