SNA Radio
    Teilnehmer des Wirtschaftsforums in Jalta

    Wirtschaftsforum in Jalta: Westliche Politiker bekennen Farbe zu Krim-Status

    © Sputnik / Alexej Malhawko
    Politik
    Zum Kurzlink
    232428

    „Welt. Russland. Krim. Neue internationale Realität“ – das war das Hauptthema des drei Tage dauernden Internationalen Wirtschaftsforums in Jalta. Das Forum jährte sich bereits zum fünften Mal. Die Diskussionen drehten sich nicht nur um Investitionen in die Wirtschaft der Halbinsel, sondern auch um weltpolitische Themen.

    Vor fünf Jahren hatte sich die Krim mit Russland wiedervereinigt. Viele Diskutanten erinnerten sich am Rande des Forums an die damaligen Ereignisse. Mit welchen Gedanken die ausländischen Gäste nach Jalta kamen, berichtet RIA Novosti in diesem Beitrag.

    „Isolation ist ein Mythos“

    Zurückhaltende Deutsche, schicke Italiener, dezent duftende Franzosen, indische Frauen in Sari-Gewänden, Afrikaner in ihren nationalen Trachten – am Wirtschaftsforum in Jalta nahmen Menschen aus ganz verschiedenen Ländern teil. Eigentlich wie immer.

    „Das Internationale Wirtschaftsforum in Jalta ist ein Instrument, das es uns gestattet, alle politischen Hindernisse, die in der Welt entstehen, zu überwinden“, erklärte der Ministerpräsident der Republik Krim, Sergej Aksjonow, bei der Eröffnung des Forums. Und ergänzte: „Dieses Instrument werden wir auch weiter entwickeln.“

    Denn alle ausländischen Unternehmer, die Jalta besucht haben, kehren heim und sind überzeugt, dass man mit Russland zusammenwirken kann und sollte.

    Der Co-Vorsitzende der Organisation „Geschäftliches Russland“ und zugleich des Organisationskomitees des Jaltaer Forums, Andrej Nasarow, verwies darauf, dass bei dem diesjährigen Forum mehr als 4500 Gäste aus 89 Ländern sowie mehr als 600 Journalisten registriert worden seien. „Nach unserer Einschätzung werden drei Viertel aller Länder der Welt erfahren, wie das Internationale Wirtschaftsforum in Jalta verlaufen ist“, betonte er.

    Knapp eine Stunde vor der Eröffnung des Forums fand ein Briefing der offiziellen Sprecherin des Außenministeriums Russlands, Maria Sacharowa, statt. „Kommen Sie hierher. Sprechen Sie mit den Menschen. Sehen Sie selbst“, rief sie auf, als sie diverse „Fake News“ über die Krim kommentierte, die im Westen verbreitet werden. „Die Isolation der Krim ist ein Mythos“, unterstrich Sacharowa. Ein ausländischer Reporter fragte, warum westliche Länder die Sanktionen gegen Russland immer wieder verlängern, obwohl Menschen aus diesen Ländern von der Krim heimkehren und über die wahre Situation auf der Halbinsel erzählen. „Vielleicht machen wir etwas falsch“, fragte ein Reporter aus Krasnojarsk. „Wenn jemand falsch gemacht worden ist, heißt das nicht, dass du etwas falsch machst“, scherzte die Sprecherin des Außenamtes.

    „Drücken den Krim-Einwohnern die Daumen“

    Aber was denken die Ausländer selbst? Und warum kommen sie überhaupt auf die Krim? Der slowakische Abgeordnete Peter Marcek besuchte die Halbinsel schon zum dritten Mal. Zum ersten Mal war er bereits vor 15 Jahren hierhergekommen, zum zweiten Mal im August 2018.

    „Was vor 15 Jahren war und was jetzt ist – das ist nicht zu vergleichen. Ich muss schon staunen, wie hier die Straßen aussehen, was für ein Flughafen gebaut worden ist. Die Menschen hier, soweit ich sehe, sind ruhig und zufrieden“, sagte der slowakische Parlamentarier.

    In einem Interview gab Peter Marcek zu, dass er demnächst Jalta gemeinsam mit seiner Familie besuchen und möglicherweise sogar ein Apartment in der Stadt kaufen möchte.

    Nach seinen Worten hatte er bereits vor einem Jahr bemerkt, dass Menschen in Jalta viel lächeln, und einige von ihnen sollen zugegeben haben, dass sie mit ihrem Leben „sehr zufrieden“ seien. „Der ukrainische Botschafter in der Slowakei hatte mir vor meiner damaligen Reise erzählt, dass die Krim-Tataren hier überhaupt keine Rechte hätten. Aber ich habe mich hier mit Tataren getroffen, und sie haben das alles widerlegt. Für alle Krim-Einwohner ist es besser geworden – das habe ich damals festgestellt“, erzählte Marcek.

    Was die Einstellung der Krim-Einwohner zu den Ereignissen im Frühjahr 2014 angeht, so sagte er:

    „Wenn wir nicht über Politiker, sondern über einfache Menschen reden, drücken wir alle die Daumen für die Krim-Einwohner und finden, dass sie alles richtig getan haben. Aber Politiker hören nur die offizielle Position der Europäischen Union. Denn sie haben Angst, gegen die EU aufzutreten. Zwar verstehen die absolut meisten Vertreter der Macht in unserem Land, dass es auf der Krim einen legitimen Volksentscheid gab, aber sie sagen das nicht – aus Angst. Nur etwa ein Viertel von ihnen bestreitet ganz aufrichtig die Legitimität des Referendums. Ich bin der einzige, wer in der Slowakei offen sagt: Die Krim ist russisch.“

    Das hat für Marcek nach seinen eigenen Worten gewisse Folgen. „Als ich 2018 heimkehrte, wurde eine Sondersitzung des Auswärtigen Ausschusses einberufen – man wollte mich irgendwie bestrafen. Aber ich sagte dann: ‚Die Krim war russisch und wird das auch bleiben.‘ Es geht ja nur darum, dass die USA die ganze Welt unter Druck setzen. Sie mischen sich in die Angelegenheiten der Slowakei ein, um uns von Russland zu trennen. Die Ukraine wurde schon von Russland getrennt. Man erinnert sich ja noch, was sie mit Jugoslawien gemacht haben. Sie spalten die Slawen“, stellte der Parlamentarier fest.

    Ferner erzählte er, dass noch im vorigen Jahr die Bildung der so genannten Europa-Krim-Handelskammer vereinbart worden sei. „Ich wollte sie in der Slowakei registrieren, doch man legte mir Steine in den Weg, als man die Bezeichnung ‚Krim‘ in ihrem Namen sah. Ein halbes Jahr zögerte unser Innenministerium die Registrierung hinaus und erfand ständig neue Einwände. Dann haben wir den Namen gewechselt – in die Europa-Tawrida-Handelskammer. Sie wurde sofort registriert. Das passierte vor einem Monat“, betonte Marcek. Im Rahmen der Aktivitäten der neuen Handelskammer treffen sich ihre Mitglieder mit Kollegen aus Frankreich, Deutschland und anderen europäischen Ländern. Dabei werde die Aufgabe verfolgt, der Krim zu helfen.

    „Vor allem geht es um Investitionen. Es gibt etliche Projekte auf Gebieten wie Landwirtschaft, Bauwesen, Tourismus usw. Über europäische Banken kann Geld auf die Krim nicht überwiesen werden, aber wir werden über andere Länder handeln. Wir werden auf diesen Markt clever geraten“, versicherte Peter Marcek.

    Auf der Krim werden schon jetzt Projekte unter europäischer Beteiligung umgesetzt. So werden in Simferopol Erdbeeren nach italienischen Technologien angebaut. Wie der italienische Abgeordnete Stefano Valdegamberi RIA Novosti erzählte, ist ein weiteres Projekt geplant: Es geht um die Reparatur von Yachten. Er wollte allerdings keine Einzelheiten nennen, damit gegen die daran beteiligten Investoren keine Sanktionen verhängt werden. „Ich verbinde Menschen miteinander“, betonte Valdegamberi.

    Die historische Glocke in Sewastopol
    © Sputnik / Michail Mokruschin
    Nach seinen Worten hat er die Krim in den vergangenen Jahren ungefähr 15 Mal besucht. Zum Jaltaer Forum hat der Abgeordnete, der sich als „einen großen Freund Russlands“ bezeichnet, seinen Sohn mitgenommen. Valdegamberi Jr. war dabei als Volontär im Einsatz. „Jedes Mal sehe ich Veränderungen im Vergleich zu meinem ersten Besuch im Jahr 2015. Die Krim entwickelt sich mit jedem weiteren Tag“, so der Parlamentarier. Unter anderem lobte er die auf der Krim produzierten Weine. „Auf diesem Gebiet muss aber noch viel getan werden. Italienische Weine sind für mich besser als die Krim-Weine“, ergänzte er.
    Valdegamberi ist sich sicher, dass die Sanktionen nicht ewig dauern werden. Deswegen sollten die Europäer schon jetzt beginnen, mit der Krim zu kooperieren, damit alles bereit sein wird, wenn die Einschränkungen aufgehoben werden. Der Gast aus Verona geniert sich nicht, überall zu sagen, dass die Krim ein Teil Russlands sei. Er erzählt mir von seinem Auftritt in einer italienischen TV-Sendung: „Ich wurde wieder kritisiert, dass ich die Freundschaft mit Russland verteidige, auf die so genannte ‚besetzte‘ Krim reise. Ich konnte das nicht mehr ertragen und sagte: Zu behaupten, dass Russland die Krim besetzt hat, ist wie zu sagen, dass Italien die Toskana besetzt hat! Alle waren in dem Moment schockiert“, erinnert sich der Italiener.

    Im Unterschied zu ihm ist der Abgeordnete aus Venedig, Enrico Corsi, zum ersten Mal auf der Krim. „Ich wollte mir unbedingt die Krim ansehen, wie die Menschen dort leben. Mein Freund Stefano hat mir viel über diesen Ort erzählt! Ich entschied, alles mit eigenen Augen zu sehen. Wissen Sie, mir gefällt es sehr, ich würde wiederkommen“, sagte Corsi.

    Mit hohem Tempo

    Der Chef der französischen Delegation, der Co-Vorsitzende des Verbandes „Französisch-russischer Dialog“ Thierry Mariani, ist ebenso wie Stefano Valdegamberi bereits mehrere Male auf die Krim gereist. Im Interview spricht er auch einige Sätze auf Russisch. Im März, zum 5. Jahrestag des Krim-Frühlings, reiste er mit einer französischen Delegation nach Simferopol, zu einem Treffen mit Präsident Wladimir Putin.

    >>>Mehr zum Thema: „Die Frage der Krim entscheidet nur Russland“ - Ex-Kohl-Berater Teltschik<<<

    Nach genau einem Monat nahm der Vertreter des Front National bereits am Wirtschaftsforum in Jalta teil – auch nicht zum ersten Mal. Mariani war bereits mehrmals in der ukrainischen Periode auf die Krim gereist, als er Mitglied des französischen Parlaments war und eine Gruppe für bilaterale Zusammenarbeit mit der Ukraine leitete. Auf die Krim kam er, um die Restaurierung eines französischen Militärdenkmals zu begutachten.

    „Damals kamen wir und schauten uns die Krim, die in der Sowjetzeit stehen geblieben zu sein schien, bezüglich der Infrastruktur an. Jetzt, nach 2014, sehen wir, mit welch hohem Tempo sich die Infrastruktur verändert. Dabei handelt es sich nicht nur um Straßen und den Flughafen – in den Städten wird auch aktiv gebaut“, so Mariani.

    Ende Mai finden die EU-Parlamentswahlen statt. Experten zufolge hat Mariani sehr große Chancen, ins Parlament gewählt zu werden. Zum Schluss frage ich ihn, ob er eine Resolution über den Status der Krim initiieren werde, sollte er EU-Abgeordneter werden. Der französische Gast will nicht etwas vorhersagen, deutet allerdings an, dass bei diesen Wahlen ins EU-Parlament Politiker aus verschiedenen Ländern einziehen könnten, die die Aufhebung der Sanktionen und die Wiederaufnahme guter Beziehungen zu Russland unterstützen und den Beschluss sehr gut verstehen, den die Krim-Bewohner vor fünf Jahren trafen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Unternehmer, Abgeordnete, Thierry Mariani, Zusammenarbeit, Europa, Italien, Isolation, Sanktionen, Anerkennung, Slowakei, Russland, Krim, Wirtschaftsforum, Jalta