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    Transportflugzeug An-124 Ruslan (Archivbild)

    An-124 „Ruslan“ gegen C-5 „Galaxy“: Die USA führen zahlenmäßig

    © Sputnik / Wladimir Pesnja
    Politik
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    Eine gewaltsame Intervention ist für Donald Trump durchaus ein Weg, die politische Krise in Venezuela zu lösen. Das hat er selbst mehrmals gesagt. Was Trump dafür bräuchte, sind riesige Luftfrachter. Die US Air Force könnte bis zu 60 Großtransporter mobilisieren – das Sechsfache dessen, was Russlands Luftwaffe aufbringen kann.

    Mit dem viermotorigen An-22 „Antei“ hatten sowjetische Luftfahrtingenieure 1965 die militärische Transportfliegerei erschüttert, schreibt das Portal „Swesda“: Der Luftfrachter konnte mit 50 Tonnen Nutzlast auf praktisch jeder unvorbereiteten Piste starten und landen. Kurze Zeit später hob in den USA der C-5 „Galaxy“ ab – als rasche Reaktion auf den sowjetischen „Antei“, sagen Fachleute.

    Seit 1968 ist der C-5 „Galaxy“ das größte Transportflugzeug der US Air Force. Bis 1982 hatte Lockheed Martin über ein Hundert dieser fliegenden Schwerlaster hergestellt. Erst der nächste Frachtgigant aus dem Konstruktionsbüro „Antonow“ machte den Amerikanern einen Strich durch die Rechnung: Ende 1982 hob der An-124 „Ruslan“ zum ersten Mal ab.

    Bei der Nato erhielt die Maschine den Codenamen „Condor“. Von der ersten Minute an war das Flugzeug ein Horror für die Falken im Pentagon, so das Portal. Kaum hob sein Fahrwerk von der Piste ab, schrieb der „Ruslan“ alle Weltrekorde neu, einen nach dem anderen: bei der Nutzlast, bei der Reichweite, bei der Flughöhe. Einmal schuf es der Riese, 171 Tonnen in zehn Kilometer Höhe zu heben und damit 20.000 Kilometer weit zu fliegen.

    Der C-5 schloss auf, bei den Weltrekorden: 1989 warf ein „Galaxy“ mit einem Mal vier Panzer und 73 Fallschirmspringer aus der Luft ab – eine Gesamtlast von 86 Tonnen. Eine schwerere Fracht hat bis heute niemand abgesetzt.

    Gleichheit bei Form und Umfang

    Für den Bau des An-124 waren zu Sowjetzeiten zwei Betriebe zuständig: das Flugzeugwerk in Kiew und das in Uljanowsk. Nach 1994 wanderte der Bau und die Modernisierung des „Ruslan“ nahezu vollständig nach Russland ab.

    Ausgelegt ist der Koloss nach klassischem Schema: Tragflächen mit leichter Pfeilung werden auf dem Rumpf montiert, unter den Flügeln hängen vier Strahltriebwerke. Der C-5 ist im Wesentlichen genauso ausgelegt: Ein Schulterdecker mit einem T-Leitwerk und einem Rumpf als Semi-Monocoque.

    Der russische Frachter ist quasi ein Doppeldecker: Im Oberdeck befindet sich das Cockpit plus ein Schlaf- und Erholungsraum für die Besatzung. Das untere Deck ist der eigentliche Frachtraum, über 1.000 Quadratmeter groß. Das reicht laut dem Portal, um 400 Fallschirmspringer oder 800 bewaffnete Soldaten unterzubringen.

    Die Frachtsektion des „Galaxy“ ist kaum kleiner: 37 Meter lang, fast sechs Meter im Durchmesser. Dafür trägt der C-5 deutlich weniger Nutzlast als der russische Schwerlaster: 122 Tonnen schaffte die neueste Version des „Galaxy“ – 150 Tonnen schultert der „Ruslan“.

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    Beladen werden die beiden Riesen auf gleiche Weise: über eine ausfahrbare Heckrampe oder den hochklappbaren Bug. Beide Maschinen verfügen auch über ein hydraulisch absenkbares Fahrwerk. Um die Beladung zu erleichtern, können der „Ruslan“ und der „Galaxy“ dadurch abgesenkt werden. Das Fahrwerk der beiden kann aber noch mehr: Es hält Starts und Landungen von unvorbereiteten Pisten aus.

    Allein nach technischen Eckdaten zu urteilen, sind der An-124 und der C-5 in etwa gleichrangig. Bei der maßgeblichen Kenngröße eines Lufttransporters – der Zuladung – hat aber das russische Flugzeug die Nase vorn. Doch: Bei anderen Merkmalen verliert der russische Riese gegen seinen Rivalen aus den USA, schreibt das Portal.

    Tempo gegen Masse und Distanz

    Unter den Flügeln des C-5 hängen vier Strahltriebwerke CF6 von General Electric. Deren Schubkraft reicht aus, um den 170 Tonnen schweren Frachter auf 920 Stundenkilometer zu beschleunigen. In einer Flughöhe von zehn Kilometern fliegt der „Galaxy“ 10.000 Kilometer weit.

    Der „Ruslan“ wird von vier Mantelstromtriebwerken D-18T des ukrainischen Herstellers Motor Sitsch angetrieben. Bei der Geschwindigkeit hängt der Motor dem Triebwerk von General Electric hinterher: Der russische Schwerlaster beschleunigt auf max. 865 Stundenkilometer. Dafür fliegt der „Ruslan“ rund eineinhalb Kilometer höher als der „Galaxy“. Auch ist das Triebwerk von Motor Sitsch leichter, leiser und sparsamer – bis zu 14.000 Kilometer weit fliegt die russische Frachtmaschine.

    Alles schön und gut, wären auch die Beziehungen der Ukraine zu Russland in Ordnung. Seit 2014 können die russischen „Ruslans“ keine neuen Triebwerke aus der Ukraine mehr bekommen. Selbst Ersatzteile für die älteren Motoren, die eine Generalüberholung benötigen, fehlen: Der ukrainische Hersteller liefert gar nichts mehr nach Russland – nicht einmal Schrauben oder Bolzen.

    Russische Ingenieure arbeiten eifrig an einem Ersatzmotor. Zeitweilig soll das NK-32 aushelfen, jenes Triebwerk, das für den strategischen Bomber Tu-160 entwickelt wurde. Noch fehlen jedoch die Kapazitäten, um den entstandenen Bedarf zu decken, so das Portal.

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    Optimierungsbedarf besteht außerdem beim „elektronischen Hirn“ des „Ruslan“. Die ersten dieser Flugzeuge hoben ja noch zu Sowjetzeiten ab, deren Steuerung funktioniert noch analog. Seit 2002 läuft die Umrüstung auf elektronische Systeme: Vorerst wurde deutsche Software in den russischen Maschinen eingesetzt, jetzt arbeiten russische Fachleute an eigenen Steuerungsprogrammen, schreibt das Portal.

    Solcherart Probleme hatten die Vereinigten Staaten nicht. 1998 ließ das Pentagon alle C-5 modernisieren – die Steuerungssoftware zuerst. Die amerikanischen Frachter erhielten ein neues Glascockpit, verbesserte Navigations- und Kommunikationssysteme – 70 Updates waren es insgesamt, schreibt „Swesda“.

    Dennoch: Beide Flugzeuge sind inzwischen echte Veteranen, so das Portal. Seit seiner Indienststellung ist der C-5 der wichtigste Luftfrachter der US Air Force. Bei der Operation „Desert Storm“ etwa bildeten zahllose Flugzeuge dieses Typs die größte „Luftbrücke“ der Welt: Zusammen mit anderen Transportflugzeugen der US-Luftwaffe wurden 1990 insgesamt 513 Tonnen Fracht und eine halbe Million amerikanischer Soldaten transportiert, schreibt „Swesda“.

    Einmal setzten die USA ihren Großtransporter jedoch nicht im Krieg, sondern zur Rettung von Menschenleben ein: Im Dezember 1988 brachten vier C-5-Transporter rund 400 Tonnen Hilfsgüter nach Armenien, das von einem starken Erdbeben zerstört worden war.

    Deutlich mehr Friedenseinsätze flog und fliegt jedoch der An-124: Riesige Muldenkipper, Kraftwerksturbinen, U-Bahn-Waggons und sogar Weltallsatelliten – das alles und noch viel mehr hat der „Ruslan“ schon einmal befördert. Was nichts daran ändert, dass das gigantische Flugzeug ursprünglich als Militärfrachter entwickelt wurde.

    Der An-124 versorgte die Truppen der Bruderstaaten (Vietnam, Kuba, Angola), war an den Kampfhandlungen in Afghanistan und im Nordkaukasus beteiligt, hat sich kürzlich erst in Syrien bewährt. Bei der Versorgung der russischen Streitkräfte in Syrien hat der „Ruslan“ einen echten Rekord aufgestellt: 2015 brachte der Riesenfrachte innerhalb von vier Monaten ein S-400-Flugabwehrsystem, fünf Mehrzweck- und sechzehn Kampfhubschrauber zur Luftbasis Hmeimim.

    Trübe Zukunftsaussichten

    Die Bilanz: Bei den technischen Daten ist der russische Riese einen Deut besser als sein Rivale aus den USA. Ja, der „Galaxy“ ist schneller als der „Ruslan“. Aber bei zwei wichtigeren Parametern ist er schwächer: bei der Zuladung und der Reichweite. Bei diesem Vergleich „auf dem Papier“ hat der An-124 deshalb die Nase deutlich vorn, schreibt das Portal.

    Wäre da nicht der Haken: die politische Lage. Die Ukraine als Rechtsnachfolgerin des „Ruslan“-Entwicklers hat Russland nicht nur verboten, den An-124 zu bauen, sondern den Frachter auch nur im Kleinsten zu verändern. Sonst drohen Strafen und Flugverbote im Ausland.

    Die USA haben derweil ihren Riesenfrachter neuauferlegt: Seit 2014 fliegt der C-5М „Super Galaxy“. Das Flugzeug verfügt über verbesserte Avionik, hat bei der Reichweite und Geschwindigkeit nachgelegt. Hinter seinen Rivalen fällt es nicht mehr zurück. Und: Von diesen Flugzeugen hat das Pentagon bereits 31 Stück. Insgesamt kann das US-Verteidigungsministerium 60 Großtransporter des Typs „Galaxy“ für den Einsatz mobilisieren.

    Alles, worüber Russland derzeit verfügt, sind 36 „Ruslans“ – die Hälfte davon als Ersatzteilspender. Das wirft kein gutes Licht auf den russischen Frachtriesen. Die russische Führung verspricht, die Lage zum Besseren zu ändern: Bis 2024 soll der Bau eines superschweren russischen Frachtflugzeugs beginnen. Worum es sich dabei handeln wird, weiß man jetzt noch nicht genau. Sicherlich nicht um den „Ruslan“, so das Portal.

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    Russland, Rüstung, C-5 „Galaxy, An-124, Lockheed Martin, Donald Trump, Venezuela, USA