04:24 15 Dezember 2019
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    Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Archibild)

    „Russland muss mit ins Boot“ – Entwicklungsminister Müller zu Gesprächen in Moskau

    © AFP 2019 / Britta Pedersen / dpa
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    Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, befindet sich zu einem Besuch in Russland. Nach einem ersten Treffen mit Vize-Regierungschef Alexej Gordejew sagte Müller, Russland habe angekündigt, das Pariser Klimaabkommen zu ratifizieren. „Russland muss mit ins Boot“, so Müller in Moskau, wo er weitere Treffen hat.

    Russland als größter Flächenstaat der Erde müsse „mit ins Boot“, wie sich Gerd Müller in Moskau äußerte, um wichtige Fragen wie Klimaschutz und Sicherstellung einer angemessenen Ernährung der Weltbevölkerung lösen zu können. Vor Antritt seines Arbeitsbesuches hatte er dem Südwestrundfunk SWR erklärt:

    "Wir brauchen Russland als größtes Land der Welt für den Schutz der globalen Güter und die Sicherung der Welternährung. Russland hat riesiges Potenzial, zum Beispiel mit einem Viertel des weltweiten Waldbestandes und über 30 Millionen Hektar ungenutzten Ackerlandes. Mit Blick auf den internationalen Klimaschutz und eine breite Allianz für Biodiversität ist Russland ein wichtiger Partner. Ich freue mich auf den Austausch zu diesen Themen mit Regierungsvertretern, Wissenschaftlern und Vertretern der Zivilgesellschaft."

    Schon nach seinem ersten Treffen mit Vertretern der russischen Regierung in Moskau konnte Müller eine ihn sehr zufriedenstellende Mitteilung verkünden. Vize-Regierungschef Alexej Gordejew habe ihm zugesichert, dass Russland das Pariser Klimaabkommen noch 2019 ratifizieren wolle. Gordejew habe ihm zugesichert, dass Russland plane, bis 2025 seine Emissionen auf 75 Prozent des Standes von 1990 reduzieren.

    Deutschland und Russland wollen gemeinsam Klimaschutz diskutieren

    Das Gesprächsprogramm von Gerd Müller ist dicht getaktet und umfasst neben Konsultationen im russischen Außenministerium auch ein Gespräch mit Umweltminister Dmitri Kobylkin. Laut Mitteilung der russischen Regierung werden die Minister „die Umsetzung gemeinsamer Projekte im Bereich Umweltschutz“ besprechen. Müller berichtete mitreisenden Journalisten, es sei vereinbartes Ziel beider Regierungen, eine Arbeitsgruppe einzurichten, die „nicht nur die Ministerien“ zusammenbringen soll, „sondern auch Wissenschaftler und Praktiker, um das Thema Klimaschutz konkret anzugehen“.

    Russland hat Interesse an deutscher Abfallbeseitigungs-Technologie

    Gemeinsame Themen sind unter anderem Aufforstung, Artenschutz und Abstimmungen für eine Konferenz über Biodiversität, die 2020 von China ausgerichtet wird. Minister Müller erklärte in Moskau auch, „Russland hat starkes Interesse an unserer Technologie im Bereich Abfallbewirtschaftung, Kreislaufwirtschaft, Recyclingwirtschaft“. In der Tat hat Russland ein großes Interesse an einer raschen und modernen Lösung aller Fragen, die mit Müllvermeidung, Müllentsorgung und Müllrecycling in Verbindung stehen. „Viele Russen betrachten das Thema als eine erstrangige Aufgabe für die Politik, wie die Proteste gegen die Müllreform zeigten“, hatte der Vorsitzende der Russischen Gesellschaftskammer, Valerij Fadejew, erst Ende März 2019 in Berlin erklärt, als er an einer öffentlichen Diskussions-Veranstaltung des Deutsch-Russischen Forums teilnahm, Sputnik berichtete.

    Deutschland hat Interesse an russischer Lebensmittelproduktion

    Gerd Müller wird auch zu einem Besuch in der Stadt Woronesh erwartet, der Hauptstadt des gleichnamigen Oblasts im Westen Russlands. Der Besuch dort ist kein Zufall. Vize-Regierungschef Gordejew, Müllers erster Gesprächspartner in Moskau, war zehn Jahre russischer Landwirtschaftsminister, bis er 2009 Gouverneur des Oblasts Woronesh wurde. Das Gebiet, rund 500 Kilometer von Moskau entfernt, liegt inmitten der Zentralen Schwarzerde-Region Russlands, einer der wichtigsten Kornkammern des Landes. Russland ist von einem Importeur zu einem der weltgrößten Exporteure von Weizen aufgestiegen.

    Russland ist für die deutsche Lebensmittelindustrie nach wie vor ein interessanter Geschäftspartner, auch wenn die EU-Sanktionen dazu führten, dass Russlands Lebensmittelindustrie sich in Richtung Osten orientierte. Nichtsdestotrotz ist der Oblast Woronesh für Minister Müller von Interesse, weil hier der Stammsitz der Firma Ekoniva ist, die vom deutschen Unternehmer Stefan Dürr zu einem der wichtigsten Milchproduzenten Russlands, aber auch zu einem Marktführer im Handel mit Landmaschinen entwickelt wurde.

    Nicht zuletzt will Gerd Müller an einer Diskussionsveranstaltung zur deutsch-russischen Wissenschaftskooperation der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung teilnehmen. Müller ist CSU-Mitglied.

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    Tags:
    Internationale Beziehungen, Besuch, Umweltschutz, Russland, Gerd Müller, Deutschland