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    Katholische Kirche in Sri Lanka, die während Terroranschlägen zerstört wurde

    CDU will Unterdrückung von Christen ansprechen – „Hört auf mit terroristischen Kriegen!“

    © REUTERS / Athit Perawongmetha
    Politik
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    Liudmila Kotlyarova
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    Nach den Anschlägen in Sri Lanka wollen sich die Politiker noch mehr für die religiöse Toleranz einsetzen; CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak forderte mehr Schutz für Christen im Ausland. Ein Appell des Kriegsreporters und Buchautors Jürgen Todenhöfer zeigt, wie unterschiedlich die Ansätze zur Problemlösung sein können.

    Nach den Terroranschlägen in Sri Lanka mit 310 Toten fordern die Union, FDP und Grüne einen stärkeren Schutz christlicher Minderheiten im Ausland. Dass die Christen weltweit das Ziel von radikalen Muslimen seien, hat bereits der CDU-Beauftragte der Bundesregierung für Religionsfreiheit, Markus Grübel, gegenüber der „Welt“ kommentiert. CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak sprach sich für mehr Schutz für Christen aus. Wichtig sei nun, sich nicht spalten zu lassen und den Dialog der Religionen aufrechtzuerhalten. Er will die Unterdrückung von Christen deutlich ansprechen und klar für die Einhaltung der Religionsfreiheit eintreten. Für diese will sich auch der Grünen-Europapolitiker Sven Giegold einsetzen.

    Auch der FDP-Fraktionsvorsitzende Michael Theurer gab zu, dass die Christen in vielen Regionen die größte verfolgte Gemeinschaft seien, ob in China, Nordkorea, Pakistan oder Teilen Nigerias. Mehr als 100 Millionen Christen würden in Ländern leben, in denen ihr Menschenrecht auf Religionsfreiheit nicht geachtet werde, jedoch müsse ein „Clash of Civilisations“ vermieden werden.

    „Nehmt den Terroristen ihr wichtigstes Motiv weg!“

    Die salafistische Gruppierung „Jamaat at-Tawhid al-Watania“* sowie die Terrormiliz IS* haben kürzlich laut Al Arabiya sowie Amaq die Verantwortung für die Anschläge übernommen. Doch sowohl die Christen als auch die Muslime bilden in Sri Lanka mit entsprechend 6,1 und 8,5 Prozent eine Minderheit.

    Der berühmte Publizist, Jurist und Ex-CDU-Bundestagsabgeordnete Jürgen Todenhöfer bezog auf seiner Facebook-Seite zu dem Thema eine klare Stellung. Vor kurzem erschien sein neues Buch „Die große Heuchelei – Wie Politik und Medien unsere Werte verraten“, in dem er der westlichen Politik die Mitschuld an den gefährlichen Entwicklungen im Nahen Osten zuschreibt. Die Region hat er auf vielen Reisen durch die Kriegsgebiete kennengelernt. Im neuesten Appell an die Politik bleibt er seiner Linie treu.

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    „Hört auf, muslimische Länder mit terroristischen Kriegen zu überziehen und dadurch weltweit Hass und Terror zu züchten. Nehmt den Terroristen ihr wichtigstes Motiv weg: Ungerechtigkeit“, so Todenhöfer. „Kriege sind Terrorzuchtprogramme. Wenn, wie in Sri Lanka, dann noch innenpolitische Diskriminierung dazu kommt, entsteht ein mörderisches explosives Gemisch.“ Er verweist darauf, dass sowohl die Terroristen als auch die Anzettler völkerrechtswidriger Kriege Mörder seien. Unter terroristischen Kriegen erwähnt er in seinem Buch vor allem die US-Kriege mit deutscher Beteiligung in den letzten Jahren in Afghanistan, im Irak sowie in Libyen, Syrien und Iran. Wer Terror bekämpfen wolle, müsse seine Ursachen bekämpfen: Kriege und rassistische oder religiöse Diskriminierung.

    Er bemängelt, dass deutsche Medien nicht auch über die tausendfachen terroristischen Massaker des Westens berichten, wodurch in Demokratien Kriege unführbar werden. Als langjähriger Medienmanager ruft er die Medien dazu auf, nach Terroranschlägen die Täter nicht wie Superstars zu behandeln. „Hauptmotiv der meisten Terroristen ist es, einmal im Leben berühmt zu werden. Aus der totalen Bedeutungslosigkeit zu entkommen. Der Mörder Anis Amri wurde in Deutschland von einigen Medien zum Terror-Star gemacht“, schreibt Todenhöfer weiter.

    Der bisherige Antiterrorkampf bezeichnet er als Fiasko, denn er habe weltweit das Leid und dadurch die Zahl der Terroristen vertausendfacht. „Bekämpft Terroristen mit den klassischen Methoden des Anti-Terrorkampfes: Unterwanderung, Geld an ihr Umfeld, vor allem an Bevölkerungsgruppen, die unter ihnen leiden, geheimdienstliche Ausforschung“, so der Publizist. Friedensinitiativen wären seiner Meinung nach als Abwechslung zu „Brutalität und Heuchelei“ auch willkommen. Im Blick auf die Anschläge in Neuseeland bringt er es noch einmal auf den Punkt: Terror hat keine Religion, keinen Gott und keine Gerechtigkeit sowie Rechtfertigung. „Wenn der Westen während der letzten 17 Jahre seine terroristischen Anti-Terrorkriege in China geführt hätte, hätten wir jetzt ein chinesisches Terrorismusproblem“, argumentiert er zum Schluss.

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    Die Lage der Christen hat sich laut dem Wissenschaftlichen Dienst des Bundestags 2018 verschlechtert. 2017 töteten zwei Selbstmordattentäter in koptischen Kirchen bei Kairo insgesamt 45 Menschen, der IS* bekannte sich zur Tat. Im Jahr davor zündete ein Selbstmordattentäter in einem Park der pakistanischen Stadt Lahore einen Sprengsatz inmitten Tausender christlicher Familien. 75 Menschen kamen ums Leben, unter ihnen viele Kinder. Eine pakistanische Taliban-Gruppierung reklamierte den Anschlag für sich. Bei dem Anschlag auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch am 15. März wurden 50 Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt. Der mutmaßliche Täter sitzt bereits in Untersuchungshaft. Ihm droht lebenslange Haft.

    *eine Terroreinigung, in Russland verboten

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    Tags:
    Christen, Terroranschlag, Muslime, Religion, Sri Lanka