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23:19 19 August 2019
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    Nordkorea-Experte: Russland ist ein Player in der Region

    © Sputnik / Witalij Ankow
    Politik
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    Armin Siebert
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    Gut zwei Monate nach dem gescheiterten Gipfel mit US-Präsident Trump hat Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un am Donnerstag erstmals Russlands Präsidenten getroffen. Hat Wladimir Putin im Atomstreit vermitteln können? Was verbindet Russland und Nordkorea? Eric J. Ballbach, Nordkorea-Experte an der FU Berlin gibt im Sputnik-Interview eine Einschätzung.

    Herr Balbach, warum treffen sich Kim Jong-un und Wladimir Putin gerade jetzt?

    Die Spekulationen, dass ein solches Treffen geplant war, gibt es ja schon länger. Ich glaube, dass beide Seiten ein Interesse daran haben. Dabei geht es weniger um die Lösung der Nuklearfrage, denn da ist Russland sicher für Nordkorea nicht der zentrale Ansprechpartner. Für Nordkorea geht es darum, die Normalisierungsdiplomatie voranzutreiben und die wirtschaftliche Entwicklung zu revitalisieren, was schlichtweg nicht möglich ist angesichts der derzeitigen strikten Sanktionen. Russland kann als Mitglied im UN-Sicherheitsrat zumindest dafür sorgen, dass diese nicht noch weiter verschärft werden. Für Russland wiederum geht es bei diesem Treffen auch darum, ein Signal zu senden, dass auch sie ein Player in dieser Region sind.

    Auch wenn Russland hier nicht zentraler Ansprechpartner ist, wie Sie sagen, könnte Putin doch durchaus die Atomgespräche zwischen Kim und Trump unterstützen?

    Ich sehe die Rolle Russlands weniger in einer direkten Vermittlung zwischen den beiden Staaten - das ist eher die Rolle Südkoreas - aber Russland kann durchaus eine symbolische Rolle spielen. Dass auch Russland und China sich an den Gesprächen beteiligen, zeigt den Nordkoreanern zumindest, dass es nicht die eine breite Front gegen Nordkorea, sondern einen multilateralen Dialog gibt. Historisch betrachtet hat ja auch die Sowjetunion immer eine große Rolle auf der koreanischen Halbinsel gespielt.

    Dies ist das erste Treffen zwischen Wladimir Putin und Kim Jong-un. Es geht also auch um ein Kennenlernen?

    Natürlich. Das geschickte Auftreten Kim Jong-uns als Staatsmann, der sich mit den mächtigsten Führern der Welt trifft, ist dabei auch Teil dieser Normalisierungsdiplomatie. So hat er sich bei Putin bedankt, dass dieser den weiten Weg aus Moskau gekommen ist, um substanzielle Gespräche mit Nordkorea zu führen.

    Kim pokert ganz schön selbstbewusst. Erst die Kritik an Außenminister Pompeo, jetzt der Besuch bei Putin. Sind das auch Zeichen, die er an Trump sendet?

    Das sind sicher internationale Signale, die zeigen sollen, dass man in der Diplomatie nicht nur auf die USA angewiesen ist. Kim Jong-un kann auch schlichtweg Russland als einen der beiden direkten Grenznachbarn nicht außen vor lassen. Damit wird Russland auch wirtschaftlich immer potentiell eine Rolle spielen. Da gibt es sicher schon Planspiele, sowohl in Pjöngjang, als auch in Moskau.

    Wie ausgeprägt sind die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Russland und Nordkorea?

    Diese Wirtschaftsbeziehungen waren relativ wichtig in der Vergangenheit, aber sind es gegenwärtig nicht mehr. Auch hier haben die Sanktionen ihre Spuren hinterlassen. Wobei Russland ja zumindest eine Sonderregelung hat, dass die nordkoreanischen Arbeiter in Russland bis zum Ende dieses Jahres noch in Russland bleiben dürfen.

    Es geht aber, wie gesagt, auch darum, bereit zu sein, die wirtschaftlichen Kooperationen in der Zukunft wieder auszuweiten, wenn die Sanktionen wieder abgeschwächt werden sollten, was gegenwärtig noch nicht zu erwarten ist.

    Nordkorea wird sich aber nun nicht zu einem weiteren Zankapfel zwischen Russland und den USA entwickeln? Hier ist man schon relativ transparent und zieht an einem Strang, oder?

    Putin hat ja heute auf der Pressekonferenz explizit darauf hingewiesen, dass er sowohl China, als auch die USA über sein Treffen mit Kim Jong-un unterrichten wird. Auch, dass es völlige Transparenz gibt, hat er betont. Ich denke, da haben Sie Recht, Nordkorea wird nicht zu einem Streitpunkt zwischen den USA und Russland werden. Aber sicher sendet Russland mit so einem Treffen auch ein Signal, dass sie eine potentielle Rolle bei der Lösung dieses Konfliktes spielen könnten.

    Das Interview mit Dr. Eric J. Ballbach zum Nachhören:

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    Tags:
    Staatschef, Treffen, Gipfel, Außenpolitik, Wladiwostok, Kim Jong-un, Wladimir Putin, Donald Trump, Koreanische Halbinsel, Russland, Nordkorea