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03:41 19 Oktober 2019
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    Linda Teuteberg

    FDP hat ostdeutsche Generalsekretärin: Wofür steht Linda Teuteberg?

    © REUTERS / HANNIBAL HANSCHKE
    Politik
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    Die FDP hat auf ihrem Bundesparteitag in Berlin auch eine neue Generalsekretärin gewählt. Auf Vorschlag von Parteichef Christian Lindner stellte sich die Bundestagsabgeordnete Linda Teuteberg den Delegierten zur Wahl, die sie am Freitagabend mit 580 Ja-Stimmen und damit 92,8 Prozent deutlich gewann. Doch wofür steht die einstige DDR-Bürgerin?

    Sie ist 38 Jahre jung, Innenpolitikerin im Bundestag und gebürtige Ostdeutsche: Linda Teuteberg wurde bereits Mitte April von Parteichef Christian Lindner als Generalsekretärin vorgeschlagen, nun wurde sie offiziell ins Amt gewählt. Sie ist Nachfolgerin von Nicola Beer, die als Spitzenkandidatin für die Europawahl nach Brüssel wechseln wird. Teuteberg ist in Deutschland weitgehend unbekannt. Ihre Wahl dürfte ein Zeichen dafür sein, dass die FDP zwecks anstehender Landtagswahlen ihren Fokus auf die ostdeutschen Bundesländer richten will.

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    Das passt ins Bild…

    Die gelernte Rechtsanwältin Linda Teuteberg wurde 1981 im brandenburgischen Königs Wusterhausen geboren, sie studierte an der Universität Potsdam Rechtswissenschaft und Volkswirtschaft, seit 2017 sitzt sie im Bundestag und vertritt ihre Partei dort im Innen- und im Haushaltsausschuss. Und Linda Teuteberg passt perfekt in das Konzept der FDP-Spitze: Junge, frische, weibliche Gesichter demonstrativ in wichtigen Ämtern zu positionieren. Das ist Teil des Imagewechsels, den sich die FDP nach ihrem Ausscheiden aus dem Bundestag im Jahr 2013 selbst auferlegt hat.

    Die Freien Demokraten wollten den Ruf der muffigen Altherrenpartei loswerden, hin zu einem jugendlichen und fortschrittlichen Auftreten. Das verkörpert der 40-Jährige Parteichef Christian Lindner und das soll auch die neue Generalsekretärin Teuteberg nach außen tragen. 

    Innenpolitische Positionen…

    Politisch ist von Teuteberg noch nicht allzu viel bekannt. Zuletzt sprach sie sich für eine veränderte Abschiebepraxis in Deutschland aus: Wer ausreisepflichtig sei, müsse vor der Abschiebung vorübergehend in Abschiebehaft genommen werden können. Sie kritisiert auch die falsch verstandene Solidarität, denn Ausreisepflichtige vor einer Abschiebung zu warnen oder ihnen beim Untertauchen zu helfen, sei weder edel noch eine Bagatelle.

    Bei ihrer kurzen Vorstellung auf dem Bundesparteitag, quasi einer kurzen Bewerbungsrede, versuchte Teuteberg selbst, etwas Licht in ihre politischen Pläne zu bringen. In die FDP einzutreten sei damals die beste Entscheidung ihres Lebens gewesen. Am Rednerpult warb sie für einen klaren Zukunftsentwurf für Deutschland. Das Land stehe vor einer Zeitenwende, die man nicht mit bloßem Pragmanismus beantworten könne. Der demografische Wandel stelle vor allem den Osten Deutschlands vor Herausforderungen und wenn man nicht aufpasse, dann würden aus demokratisch enttäuschten Bürgern, demokratisch getäuschte Bürger – eine Anspielung auf die AfD.

    Den Osten im Fokus

    Vieles in Deutschland müsse in Frage gestellt werden, so Teuteberg: Stimme beispielsweise das Aufstiegsversprechen der sozialen Marktwirtschaft noch? Im Osten hätten die Menschen besondere Erfahrungen mit harten Brüchen nach der Wende erlebt. Deshalb hätten die Ostdeutschen auch ihre ganz besonderen Stärken, die die FDP zum Thema machen müsse. Die Freien Demokraten seien eine gesamtdeutsche Partei, die nicht nur in einem Wahljahr aus den Spannungen in Ostdeutschland Profit schlagen solle. Besonders einsetzen wolle sie sich in ihrer Amtszeit als Generalsekretärin für einen gesellschaftlichen Zusammenhalt.

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    Vorschusslorbeeren?

    Wie ihre Arbeit als FDP-Generalsekretärin im politischen Alltag tatsächlich aussehen wird, dass wird Linda Teuteberg in den kommenden Wochen und Monaten zeigen. Zwar wirkte die junge Frau bei ihrer Bewerbungsrede streckenweise nervös, doch bei den Delegierten schien sie einen Nerv getroffen zu haben: Sie erntete teils stehenden Applaus. Am Samstag ist eine weitere Rede der frischgebackenen Generalsekretärin geplant, dann wird sich die programmatische Richtung der neuen Spitzenpolitikerin weiter konkretisieren. Nicht zuletzt wird sie sich im politischen Berlin auch gegen den einflussreichen Parteichef Lindner behaupten müssen.

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    Tags:
    Alltag, Christian Lindner, Ostdeutschland, DDR, Parteitag, FDP, Deutschland