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    NATO-Soldaten in Kosovo (Archiv)

    Russland im Visier: Nato-Krieg 1999 gegen Jugoslawien nur „Türöffner“ – Zeitschrift

    © AP Photo / ENRIC MARTI
    Politik
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    Mit dem Krieg gegen das damalige Jugoslawien vom 24. März bis 10. Juni 1999 hat sich die Nato zum Aggressionsbündnis gewandelt. Daran erinnert Klaus Hartmann, Bundesvorsitzender des Deutschen Freidenkerverbandes. Im Verbandsmagazin beschreibt er neben anderen Autoren Ursachen und Ziele des Krieges ebenso wie die Folgen.

    „Die Aggression gegen Jugoslawien war ein Wendepunkt für die Globalisierung der Intervention!“ Das erklärte der ehemalige jugoslawische Außenminister Živadin Jovanović in einem Interview im Jahr 2014. Gegenüber dem in Jugoslawien geborenen deutschen Journalisten Marko Jošilo erklärte er weiter: „Das Hauptziel: Sibirien! Der erklärte Plan ist es, hier das größte Reservoir an Bodenschätzen der Erde einzunehmen.“

    Das „reale, geopolitische Ziel“ der Nato sei Russland. Dem diene die Ostererweiterung des westlichen Militärbündnisses, so Jovanović vor fünf Jahren weiter. „Dies erklärt auch den Krieg in Georgien 2008 und den ukrainischen Maidan 2014.“

    Jovanović war von 1998 bis 2000 jugoslawischer Außenminister und erlebte in dieser Position den Nato-Krieg von 1999 gegen sein Land. Er ist heute Präsident des Belgrader Forums für eine Welt der Gleichen, einer unabhängigen Organisation, die sich für Frieden, Kooperation und Gleichheit der Nationen einsetzt.

    Völkerrechtswidrige Aggression der Nato

    An die Zitate des Ex-Außenministers erinnert Klaus Hartmann in der aktuellen Ausgabe des vierteljährlichen Magazins „Freidenker“, das dem Thema „20 Jahre Nato-Aggression gegen Jugoslawien“ gewidmet ist. Das Magazin wird vom Deutschen Freidenker-Verband herausgegeben, dessen Bundesvorsitzender Hartmann ist.

    Es habe sich bei dem Nato-Krieg im Frühjahr 1999 gegen das damals noch existierende Jugoslawien um einen „Türöffner-Krieg“ gehandelt, so der Verbandsvorsitzende. In seinem Beitrag erinnert er an die Vorgeschichte ebenso wie an die Lügen bundesdeutscher Politiker wie Gerhard Schröder, Josef Fischer und Rudolf Scharping, um den ersten deutschen Kriegseinsatz nach 1945 zu rechtfertigen. Offiziell wollte die Nato mit dem Krieg eine politische Lösung des Kosovo-Konfliktes erzwingen.

    „Der Angriffskrieg gegen Jugoslawien war der erste Krieg in Europa nach 1945, eine Zäsur der Nachkriegsgeschichte“, so Hartmann. „Jugoslawien hatte kein anderes Land angegriffen. Es war der erste von der Nato entfesselte offene Krieg, ihm ging keine Kriegserklärung voraus. Die militärische Gewaltanwendung der Nato erfolgte ohne UN-Mandat und stellte demzufolge eine völkerrechtswidrige Aggression dar.“

    Deutsche Vorreiterrolle

    Aus Sicht des Freidenker-Verbandsvorsitzenden handelte es sich zudem um „den Schlussstein einer rund zehnjährigen Operation, das Land in Stücke zu schlagen. Bei dieser Zerstörung eines UN- und OSZE-Gründungsmitgliedes spielte Deutschland eine Vorreiterrolle – und konnte sich dabei auf eine lange, beschämende Tradition stützen.“

    Hartmann belegt das mit Zitaten und historischen Fakten. Ebenso geht er auf die Entwicklung Jugoslawiens ein, samt seinen wirtschaftlichen Problemen. Bei der angeblichen Hilfe von Weltbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) ging es um mehr: „Die Ausplünderung des Landes auf Grundlage der von Weltbank und Weltwährungsfonds verordneten ‚Reformen‘ zielte auf Destabilisierung und Auflösung des Bundesstaates.“

    Der Verbandschef erinnert auch daran, dass die Bundesrepublik im wahrsten Wortsinn Munition für die jugoslawischen Teilungskriege ab 1991 lieferte: „Angeblich ‚abgerüstete‘ Panzer des Typs T-55 sowie Kampfflugzeuge Mig-21 aus Beständen der aufgelösten Nationalen Volksarmee der DDR wurden an die Separatisten geliefert, und kamen – umgespritzt – zum Einsatz, natürlich gegen ‚unseren Erbfeind‘ Serbien.“

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    UCK-Terroristen als Helfer des Westens

    Hartmann beschreibt, wie der Kosovo-Konflikt seit 1998 durch die Terrororganisation UCK mit westlicher Hilfe zugespitzt wurde, bis hin zum angeblichen Massaker von Račak Anfang 1999. Er zitiert dabei den Ex-DDR-Botschafter in Belgrad, Ralph Hartmann, ebenso wie Willy Wimmer, damals Vizepräsident der Parlamentarischen Versammlung der OSZE. Beide haben mehrfach auf die Lügen über das angebliche Massaker und die Rolle des US-Diplomaten William Walker als OSZE-Missionschef hingewiesen.

    Bevor das Massaker von Račak bekannt wurde, hat laut Hartmann die damalige US-Außenministerin Madeleine Albright am 15. Januar 1999 gegenüber Vertrauten ein „Schlüsselereignis“ angekündigt, das die US-Politik ändern würde. Einen Tag später wurde das angebliche Massaker gemeldet, „in Szene gesetzt von Albrights nützlichen UCK-Idioten“.

    Der Autor beschreibt weiterhin, wie im französischen Rambouillet Belgrad ein unerfüllbares Ultimatum gestellt wurde, wenn es die angekündigten Nato-Angriffe noch verhindern wollte. Doch das sollte ihm gar nicht möglich sein, wie der Beitrag belegt. Selbst Henry Kissinger habe das angebliche Abkommen von Rambouillet als „Provokation“ bezeichnet.

    Ungehorsamer Miloševič

    Hartmann stellt im Verbandsmagazin klar: „Die Nato-Aggression war auch ein Musterbeispiel dafür, wie die Bevölkerung in einen Krieg hineingelogen wird.“ Ebenso erinnert er an die „wahren Kriegsgründe“, über die bis heute in Politik und Medien des Westens geschwiegen werde. Der Westen habe versucht, nachdem er jahrelang Belgrads Abgrenzung von Moskau unterstützte, das verschuldete Land mit Hilfe von Weltbank und IWF unter Kontrolle zu bringen.

    Der serbische und später jugoslawische Präsident Slobodan Miloševič habe sich der neoliberalen Rosskur widersetzt. Damit sei er zum „Ungehorsamen“ und Hassobjekt des Westens geworden. Das führte bis hin zu der Äußerung des damaligen US-Senators Joseph Biden im Jahr 2000, die Hartmann zitiert: „...wenn wir Milosevic zu Klump schlagen“ habe das „heilsame Auswirkungen auf die Extremen in (anderen) Ländern“. Es handelt sich um den Politiker der US-Demokraten, der Vizepräsident unter Barack Obama war und nun gern Donald Trump im Weißen Haus ablösen möchte.

    Miloševič wurde 2001 vor das völkerrechtswidrige Sondertribunal in Den Haag gezerrt. Dort starb er, herzkrank, 2006 aufgrund von „Falschmedikation und unterlassener Hilfeleistung“, wie Hartmann schreibt. Damit sei seinen Anklägern eine „drohende Niederlage“ erspart worden.

    Tatsächliches Kriegsziel Russland

    Die Nato habe die These vom „Türöffner-Krieg“ noch während der Angriffe vor 20 Jahren bestätigt, so der Autor. Sie habe am 24. April 199 in Washington das neue „Strategische Konzept“ beschlossen. Das sei die Grundlage gewesen, um das angebliche westliche Verteidigungsbündnis endgültig in ein „international agierendes Aggressionsbündnis“ umzuwandeln.

    Der Freidenker-Vorsitzende schreibt: „Das Ziel des Krieges gegen Jugoslawien, die Einkreisung Russlands und Chinas, wurde von der Russischen Föderation 1999 noch nicht erkannt.“ Der von ihm zitierte Ex-Außenminister Jovanović meinte dazu vor fünf Jahren, dass Moskau damals Washington als einzigen Partner und nicht als Gegner sah.

    Mit der Bombardierung Jugoslawiens sei der neue „Drang nach Osten“ begonnen worden, wie er einst die deutschen Faschisten unter Adolf Hitler angetrieben hätte, so Jovanović. Dem diene auch das größte US-Militärlager in Europa, „Camp Bondsteel“, das nach dem Nato-Krieg im Kosovo eingerichtet wurde und bis heute existiert. „Jetzt befinden sich in Europa mehr US-Militärstützpunkte als auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges.“

    >>>Andere Sputnik-Artikel: „Taumelnde Weltmacht USA“ und „Tiefer Staat“: Nato-Offizier a.D. Scholz zur Weltlage<<<

    Kriege nach gleichem Muster

    Auf der „Rosa-Luxemburg-Konferenz“ 2014 der Tageszeitung „junge Welt“ hatte der ehemalige jugoslawische Außenminister erklärt, „dass dieser Krieg von 1999 eine Vorlage für weitere und für zukünftige Kriege der Nato war, für Kriege gegen all jene, die den Ordnungsbestrebungen des Imperiums nicht folgen wollen“.

    Er beschrieb vor fünf Jahren das begleitende Muster der westlichen Politik: „Dämonisierung der zukünftigen Opfer durch die Medien, die Anschuldigung, dass sie die Menschenrechte verletzen, destabilisierende Oppositionskräfte, inszenierte Angriffe auf Zivilisten und anderes. Am Ende stehen die Berufung auf sogenannte Schutzrechte und der Beginn von militärischen Operationen. Das wiederholt sich. In der Phase zwei gibt es in den meisten Fällen sogenannte freie und faire demokratische Wahlen, mit deren Hilfe Marionettenregierungen installiert werden, wirtschaftliche Werte werden an multinationale Unternehmen transferiert.“

    Zu den Folgen für die betroffenen Länder gehörten „Chaos, ethnische und religiöse Konflikte, Tausende oder sogar Millionen Flüchtlinge wie im Irak oder in Syrien, Arbeitslosigkeit und Zerfall von Staaten“. So erfahre das antike Prinzip „Teile und herrsche“ im 21. Jahrhundert eine Renaissance.

    Jovanović weiter: „Ein Beispiel dafür ist auch die Besetzung des Kosovo, die immer noch anhält, obwohl 2008 die formelle Unabhängigkeit erklärt wurde. Hier war ein weiteres Ziel, Öl- und Gaspipelines zu sichern, näher an die Grenzen Russlands zu kommen und den Zugang zum Nahen Osten offen zu halten.“

    An den Zielen und Interessen der westlichen Politik habe sich bis heute nichts geändert, habe sich gezeigt. Es gehe darum, aus der Geschichte zu lernen, heißt es im Vorwort des aktuellen „Freidenker“-Heftes. Und: Der Appetit der westlichen Kriegstreiber, allen voran der USA, sei noch nicht gestillt: „Ostwärts, gegen Russland, gegen China, lautet der Marschbefehl.“

    Das Heft soll an die Opfer des Nato-Krieges von 1999 erinnern. Weitere Beiträge darin zum Thema stammen unter anderem von Rainer Rupp, Bertolt Brecht und Diana Johnstone.

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    Tags:
    Deutschland, OSZE, UN, Mandat, Angriff, Intervention, Globalisierung, Ziele, Ursache, Aggression, NATO, Russland, Jugoslawien