12:28 20 Januar 2020
SNA Radio
    Politik
    Zum Kurzlink
    383457
    Abonnieren

    Ein deutscher Journalist hat einen US-Flugzeugträger als „einen 100.000-Tonnen-Bluff“ bezeichnet. Das zeugt davon, dass die Kontroversen zwischen den USA und der EU zunehmend größer werden, findet der russische Militärexperte Wladimir Bogatyrjow. Diese Auffassung erläuterte der Experte in einem Interview für Sputnik.

    Der Journalist Lorenz Hemicker von der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ hat die Fähigkeit der USA, ihre Stärke durch ihren Flugzeugträger zu zeigen, der neulich zur iranischen Küste geschickt wurde, offen angezweifelt. Zuvor hatte der Sicherheitsberater des US-Präsidenten, John Bolton, das verkündet. Nach seinen Worten schickt Washington dadurch „ein klares Signal an das iranische Regime, dass jeder Angriff gegen die Interessen der Vereinigten Staaten oder unserer Verbündeten mit unnachgiebiger Gewalt beantwortet wird“.  

    Allerdings wirft der FAZ-Autor die Frage auf, ob das US-Kriegsschiff nicht „ein 100.000-Tonnen-Bluff“ ist. „Auch wenn an der militärischen Schlagfähigkeit der Flugzeugträgerkampfgruppe und amerikanischen Bomber kein Zweifel besteht, so ist es dennoch fraglich, ob die Worte Boltons in Teheran tatsächlich Eindruck schinden können. Das hat zwei Gründe“, so Lorenz Hemicker.

    Flugzeugträger „USS Abraham Lincoln“ (l.) und „USS John C. Stennis“ (r.) im Mittelmeer (Archivbild)
    © AFP 2019 / US NAVY / Mass Communication Specialist 3rd Class Jeremiah Bartelt
    Erstens habe die US-Führung früher schon mehrmals gezeigt, „dass  ihre Flugzeugträger nicht immer jene Taten folgen lassen, die zuvor mit Worten angekündigt worden waren“. Das sei im April 2017 der Fall gewesen, als US-Präsident Donald Trump während einer Anspannung des Konflikts mit Nordkorea gedroht habe, die USS „Carl Vinson“ ins Japanische Meer zu schicken. In Wahrheit aber sei der Flugzeugträger samt mehreren Begleitschiffen in eine andere Richtung geschickt worden, um nämlich an einem Manöver im Indischen Ozean teilzunehmen.

    Außerdem sei die Präsenz der US-Kriegsschiffe vor der iranischen Küste „die Regel, nicht die Ausnahme“, so der Autor. Vieles spreche auch dafür, dass die USS „Abraham Lincoln“ ohnehin auf dem Weg zur Arabischen Halbinsel sei.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: Russischer Admiral beruhigt: US-Flugzeugträger unter Kontrolle<<<

    Der russische Generalmajor a.D., Vorstandschef des Nationalen Verbandes der Offiziere a.D., Wladimir Bogatyrjow, findet seinerseits, dass der erwähnte „FAZ“-Beitrag ein Beweis für zahlreiche Probleme in den Beziehungen zwischen Washington und Brüssel sei.

    Flugzeugträger USS Abraham Lincoln
    © REUTERS / U.S. Navy. / The Nimitz-class aircraft carrier USS Abraham Lincoln breaks away from the fast combat support ship USNS Arctic after an underway replenishment-at-sea in the Mediterranean Sea
    „Die Meinung des deutschen Reporters über US-amerikanische Flugzeugträger zeigt: Die europäischen Medien sehen ein, dass die ‚Kanonenbootdiplomatie‘, auf die die USA seit mehr als 100 Jahren zurückgreifen, um ihre politischen und militärischen Ziele voranzutreiben, im 21. Jahrhundert nicht mehr funktioniert“, so der General a.D. „Früher waren amerikanische Flugzeugträger ein wichtiges Instrument zur Beeinflussung der Situation in diesen oder jenen Ländern. Aber nicht bei dem heutigen Entwicklungsstand der militärischen Infrastruktur verschiedener Staaten“, betonte Bogatyrjow gegenüber Sputnik. „Und noch etwas ist wichtig: Die Kontroversen zwischen der EU und den USA werden immer größer, wenn es um die Beziehungen mit dem Iran bzw. um den jüngsten Austritt der USA aus dem Atomdeal mit dem Iran geht. Kontroversen gibt es auch bei der Lösung von globalen Problemen im Allgemeinen, wie auch beim Einfluss auf die Situation in verschiedenen Regionen, insbesondere im Nahen Osten und in Zentralafrika“, ergänzte der Experte.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: Washington provoziert Militärkonflikt mit Teheran – US-Experte<<<

    Zu einer neuen Zuspitzung der Beziehungen zwischen Washington und Teheran kam es, als Washington die Islamische Revolutionsgarde als terroristische Organisation bezeichnet hatte. Teheran stempelte im Gegenzug das Zentrale Kommando der US-Streitkräfte (CENTCOM) zu Terroristen und die USA selbst zum „Sponsor des Terrorismus“ ab.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Berliner Konferenz: Haftar verzichtet auf Unterzeichnung von Waffenstillstandsabkommen - Quelle
    Russland schafft neue Airline – nur einheimische Technik in Betrieb
    US-Militär prüft „mögliche Bedrohung“ in Deutschland
    Dänischer Politiker will Rückkehr von deutschem Schleswig nach Dänemark
    Tags:
    USS Abraham Lincoln, Experte, EU, Flugzeugträger, USA