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14:01 18 August 2019
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    Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) in Berlin (Archiv)

    Braucht Deutschland eine neue Nationalhymne? Ministerpräsident entfacht Diskussion

    © AFP 2019 / TOBIAS SCHWARZ
    Politik
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    Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) wünscht sich eine neue Nationalhymne. Der Politiker begründet das damit, dass sich vor allem Ostdeutsche wenig mit der Nationalhymne identifizieren.

    Auch Ramelow persönlich hat seine Probleme mit der Hymne. „Ich singe die dritte Strophe unserer Nationalhymne mit, aber ich kann das Bild der Naziaufmärsche von 1933 bis 1945 nicht ausblenden“, sagte der Linke-Politiker der „Rheinischen Post“. Er sei nicht der einzige, der sich mit dem „Lied der Deutschen“ schwertue: 30 Jahre nach dem Mauerfall würden viele Ostdeutsche die Hymne nicht mitsingen.

    Darum wünscht sich Ramelow eine wirklich gemeinsame Nationalhymne. „Bisher hat dieser Wunsch leider immer nur für empörte Aufregung gesorgt.“ Er plädiert in dem Interview für einen neuen Text, „der so eingängig ist, dass sich alle damit identifizieren können und sagen: Das ist meins.“

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    Widerspruch aus Sachsen, Protest aus Mecklenburg-Vorpommern

    Es gibt in Ostdeutschland aber durchaus auch Anhänger der Hymne, etwa Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU): „Ich finde es interessant, wie unterschiedlich die Emotionen bei unserer Nationalhymne sind. Ich singe sie sehr gern und verbinde damit genau diesen großartigen Teil unserer Geschichte - die friedliche Revolution, Helmut Kohl und die Deutsche Einheit“, wird Kretschmer von der DPA zitiert.  Gerade für die Ostdeutschen habe die Hymne eine besondere Bedeutung. „Das ‚Lied der Deutschen‘ spiegelt die wechselvolle Geschichte unseres Landes - gerade deshalb soll die 3. Strophe unserer Nationalhymne bleiben.“

    Erheblicher Protest kommt von der AfD: „Wundert einen nicht, dass sich die einstigen SED-Herrscher an Wörtern wie ‚Einigkeit‘, ‚Recht‘, ‚Freiheit‘ und ‚deutsches Vaterland‘ stören“, sagte AfD-Landessprecher Leif-Erik Holm aus Mecklenburg-Vorpommern. Es sei peinlich, wie sehr Ramelow und seine Genossen bis heute mit Deutschland und der wiedererkämpften Einheit haderten. „Nein, wir brauchen keine neue Nationalhymne, die sich irgendwelche Gender-Pseudowissenschaftler nach der zehnten Hipster-Bionade aus den Fingern saugen, wir brauchen ganz offensichtlich einen neuen Thüringer Ministerpräsidenten!“

    Die dritte Strophe des Liedes von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben wurde nach der Wiedervereinigung als gemeinsame Hymne festgelegt. Laut Ramelow standen damals andere Lösungen im Raum: „Der verfassungsgebende Runde Tisch der DDR hatte vorgeschlagen, auf beide bestehenden Hymnen zu verzichten und gemeinsam eine neue zu wählen – nämlich die ‚Kinderhymne‘ von Brecht. Das wurde abgelehnt“, erklärte der Thüringische Ministerpräsident in dem Interview.

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    Tags:
    DDR, SED, AfD, Einheit, Protest, Aufregung, Wunsch, Die LINKE-Partei, Ostdeutschland, Nationalhymne, Deutschland