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11:00 19 September 2019
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    Caio Giulio Cesare Mussolini, Kandidat nationalkonservativen Partei „Brüder Italiens“

    „Mussolini is back“: Urenkel des italienischen Führers im Europa-Wahlkampf

    © AP Photo / Gregorio Borgia
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    Ein Urenkel des faschistischen Führers Benito Mussolini tritt bei der Europawahl an. Seinen Namen nutzt er selbstbewusst im Wahlkampf. In der italienischen Politik ist er jedoch nicht der einzige Mussolini. Konkurrenz bekommt er von seinen Cousinen.

    Caio Giulio Cesare Mussolini, der Großenkel des italienischen Diktators Benito Mussolini, hat sich entschieden, für das Europaparlament zu kandidieren. „Ich habe 15 Jahre lang in der Marine im Dienst meines Landes gearbeitet. Danach habe ich weiter für italienische Unternehmen gearbeitet, um die wirtschaftlichen Interessen Italiens im Ausland zu schützen und zu fördern. Ich denke also, ich habe alle Karten, um in einem Kontext wie dem des Europäischen Parlaments einen konkreten Beitrag für unser Land zu leisten“, betonte Mussolini gegenüber Sputnik Italia.

    Sein Nachname sowie der Faschismus hätten in der italienischen Geschichte eine wichtige Rolle gespielt, „aber diese historische Periode müssen wir den Historikern überlassen, um sie zu studieren. Wir sollten stattdessen in die Zukunft schauen“, findet der Politneuling.  

    Im Europawahlkampf kandidiert er für die nationalkonservative Partei Fratelli d'Italia („Brüder Italiens“) auf dem Listenplatz vier. Die Partei ist eine Nachfolgeorganisation der „Nationalen Allianz“, die wiederum aus der neofaschistischen Partei  „Movimento Sociale Italiano“ (MSI) hervorgegangen war. „Ich habe mich für Fratelli d'Italia (FDI)  entschieden, weil ich mich in den Grundsätzen und in den politischen Richtlinien der FDI wiedererkenne.“  Die Partei habe großes Wachstumspotenzial und sei die Partei der „wahren Rechten in Italien“, so der Politiker.

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    „Mussolini zu sein ist schwer“

    Seine Kandidatur und die anschließende Plakatkampagne stießen in vielen italienischen und internationalen Zeitungen sowie in sozialen Medien auf großes Echo und scharfe Kritik. Das überrascht Mussolini — insbesondere die Kritik von links: „Die Linke hat keine Argumente. Sie haben wahrscheinlich den Kontakt zur Realität und zur Bevölkerung verloren. Die einzige Waffe, die ihnen geblieben ist und die sie offensichtlich bei jeder Wahl herausholen, ist die Waffe des Antifaschismus. Sie sehen also überall das Gespenst des Faschismus. Sie sind besessen. Stattdessen sollten sie viel mehr über die Probleme Italiens nachdenken: Das Problem der Arbeit, das Problem der mangelnden Infrastruktur im Süden. Das Problem, dass junge Menschen den Süden verlassen und nach so viel Studium in den Norden Italiens oder ins Ausland gehen.“

    Es sei nicht einfach, den Namen seines Urgroßvaters zu tragen. „Aber ich habe immer versucht, den familiären Aspekt vom historischen Aspekt zu trennen“, sagte der Großenkel des faschistischen Führers der „Tagesschau“ zufolge.

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    „Mussolini's back“ — Aber nicht allein

    Den Nachnamen verwendet er im Wahlkampf trotz dessen selbstbewusst. Sein Wahlspruch lautet: „Scrivi Mussolini" (deutsch: „Schreib Mussolini“). „Wählt Mussolini, er ist zurück“, steht auf schwarzen T-Shirts, die für Werbezwecke bedruckt wurden.

    ​In der italienischen Politik ist er allerdings nicht der einzige Mussolini. Für die Partei des ehemaligen Staatschefs  Silvio Berlusconi „Forza Italia“ tritt seine politisch erfahrenere Cousine Alessandra Mussolini an. In der Stadtverordnetenversammlung Roms sitzt für die FDI Rachele Mussolini. Beide Frauen sind direkte Enkelinnen des „Duce“. Beide Cousinen seien glücklich über das Engagement ihres Cousins. „Sie glauben, dass ich einen guten Beitrag zu den Interessen Italiens im Europäischen Parlament leisten kann“, sagt Mussolini im Interview mit Sputnik Italia.

    Seinen Vornamen bekam er von dem großen römischen Kaiser Gaius Julius Caesar. Der Unternehmer ist Sohn von Guido und Neffe von Vittorio Mussolini, daher Urenkel von Benito Mussolini. Er wurde 1968 in Argentinien geboren. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er zwischen Italien und Venezuela. Nach seinem Eintritt in die Marineakademie von Livorno machte er eine militärische Karriere bis zum Rang eines Leutnants. Nach seinem Ausscheiden aus dem Dienst arbeitete er 2002 für das Rüstungsunternehmen „Oto Melara“ als Marketing- und Vertriebsleiter für Schiffssysteme in Lateinamerika und im Nahen Osten. Derzeit ist er Geschäftsführer von „Drass Middle East“ in Dubai.

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    Tags:
    Diktator, Namen, Kandidatur, Wahlkampf, Faschismus, EU, Caio Giulio Cesare Mussolini, Benito Mussolini, Italien