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    Das US-amerikanische Archiv für nationale Sicherheit (National Security Archive) hat Ende 2018 zahlreiche Dokumente veröffentlicht, die eine gewisse Vorstellung von der Tätigkeit westlicher Geheimdienste in der Sowjetunion vermitteln.

    Der Kurator der Abteilung für Weltraumgeschichte im Nationalen Museum für Luft- und Raumfahrt in Washington, James David, hat die genannten Dokumente analysiert und der Agentur Sputnik erläutert, warum die Paraden in der Sowjetunion für die Geheimdienste von besonderem Interesse waren.

    Das Sammeln von Angaben zu Standorten sowjetischer Raketen sowie zu Flugplätzen und anderen Objekten erfolgte in den 1960er Jahren vor allem mit Hilfe von Aufklärungsflugzeugen U-2, die allerdings nur 24 erfolgreiche Missionen über der Sowjetunion ausführten. Bei der 25. und letzten Mission dieser Art wurde die von Gary Powers geführte Maschine vom Boden aus abgeschossen. Nach diesem Misserfolg verlegten die USA das Schwergewicht beim Fotografieren von wichtigen Objekten auf sowjetischem Territorium in Richtung Weltraum.

    Die erste erfolgreiche Satelliten-Aufklärungsmission, CORONA, bei der ein bedeutender Teil der Sowjetunion fotografiert wurde, sei laut David am 18. August 1960 durchgeführt worden. 

    Im Jahr 1963 wurde der Satellit GAMBIT-1 gestartet, der mit vervollkommneten optischen Geräten ausgerüstet war.

    „Im Zeitraum von 1966 bis 1986 wurde GAMBIT-3 eingesetzt. Die mit seiner Hilfe gewonnenen Fotoaufnahmen und Geheimdienstinformationen werden bis jetzt geheim gehalten“, so David.

    Dem Satelliten GAMBIT-3 folgte HEXAGON, der im Jahr 1971 gestartet wurde.

    „Unser erstes digitales System mit der Codebezeichnung KENNEN hat im Dezember 1976 abgehoben“, sagte David.

    Trotz des Umstandes, dass die Weltraumaufklärungsmittel in den USA ständig vervollkommnet wurden, konnten sie nur selten sowjetische ballistische Interkontinentalraketen fotografieren, und zwar nur bei Teststarts.

    Laut David wurde sowjetische Kampftechnik bei allen Paraden – nicht nur in Moskau,  Leningrad (heute St. Petersburg) und anderen Städten, sondern auch in Ost-Berlin, Prag und China fotografiert. Die Bilder seien sehr ausführlich gewesen und hätten den Zielen des wissenschaftlich-technischen Erkundungsdienstes entsprochen.

    Laut dem Experten konnten solche Fotoaufnahmen in Verbindung mit telemetrischen Flugdaten einer ballistischen Interkontinentalrakete und mit „Informationen aus anderen Quellen“ Aufschluss über die Stufenzahl, den Treibstoff, die Kampfmasse und die Reichweite einer Rakete geben.

    Auf der Website des Archivs für nationale Sicherheit sind offengelegte Fotos veröffentlich, die sowjetische Militärparaden auf dem Moskauer Roten Platz in verschiedenen Jahren zeigen.

    Nach mehreren Fotos von der 1.-Mai-Parade 1960 zu urteilen, wird klar, dass die Aufnahmen von mehreren Personen, darunter auch von einer „sowjetischen Quelle“, stammen. Es handle sich um eine ballistische Mittelstreckenrakete R-12 (SS-4 nach westlicher Klassifizierung), eine ballistische Rakete R-17 (SS-1 Scud), selbstfahrende Artillerieanlagen und mobile Fla-Raketenkomplexe S-75 „Desna“ (SA-2 Guideline), so David.

    Die Fotoaufnahmen von weiteren Paraden zeigen eine ballistische Zweistufen-Rakete GR-1 (SCRAG), eine ballistische Interkontinentalrakete RT-20 (Scrooge), eine schwere Rakete mit trennbaren Kopfteil R-36 (SS-9) u.a.m.

    Zu den offengelegten Fotos gehören auch Berichte, die anhand der gemachten Bilder verfasst wurden. Einer der Berichte gilt der Rakete A-350 (Galosh nach Nato-Klassifizierung), die Bestandteil des Raketenabwehrsystems von Moskau war. 

    Laut dem Experten seien Anfang der 1970er Jahre bereits Tausende Fotoaufnahmen von Militärparaden gemacht worden.

    David sagte ferner, dass die Satellitentechnologien von heute ganz anders seien und die dahingehenden Fotoabbildungen eine viel höhere Qualität aufwiesen. Der Experte ist trotzdem der Meinung, dass Fotos, die am Boden gemacht werden, auch heute noch zum Sammeln von Waffendaten gehören müssen.

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