Widgets Magazine
16:20 19 August 2019
SNA Radio
    Veteranen während des Jahrestages von dem Tag des Sieges in Moskau

    MdB Alexander Neu in Moskau: „Deutschland hat kein Recht, von oben auf Russland zu schauen“

    © Sputnik / Wladimir Wjatkin
    Politik
    Zum Kurzlink
    Liudmila Kotlyarova
    8953

    Die postsowjetischen Völker haben laut dem Bundestagsabgeordneten von der Linke Alexander Neu im Zweiten Weltkrieg eine Heldentat geleistet. Von daher sollen sie das gute Recht haben, den Sieg über den Faschismus tatsächlich zu feiern. Als einer von wenigen deutschen Politikern war er bei den Feierlichkeiten in Moskau. Sputnik sprach mit ihm.

    In den Reihen des „Unsterblichen Regiments“ in die Gesichter der für den Sieg gefallenen Sowjetmenschen zu sehen, den überlebenden Veteranen aus Respekt die Hand zu drücken: Fragt man Alexander Neu, den Bundestagsabgeordneten der Linkspartei, nach seinem dreitägigen Besuch in Moskau zu den Feierlichkeiten des Sieges über den Faschismus, dann sei genau die Teilnahme am Unsterblichen Regiment, dem feierlichen Gedenkmarsch, bei dem die Bilder der vom Krieg betroffenen Verwandten mitgebracht werden, sein persönlicher Höhepunkt gewesen. Im Sputnik-Gespräch sagte der Politiker, er finde die Initiative eine berührende Art und Weise, den Veteranen zu danken sowie der Kriegsopfer zu gedenken, besonders vor dem Hintergrund, dass sie aus der Gesellschaft heraus gebildet werde.

    „Ich tue das, was die Bundesregierung eigentlich tun sollte“

    Auf seiner Facebook-Seite schrieb der Politiker, er tue das, „was die Bundesregierung eigentlich tun sollte: den Feierlichkeiten beizuwohnen“. Aber wie stellt er sich das vor, wenn vor allem in Deutschland sowohl die Medien als auch die Spitzenpolitiker z. B. die Tradition der Militärparade sehr kritisch behandeln? Die erste Siegesparade wurde übrigens noch im Mai 1945 abgehalten.

    Die Tradition hält Neu für völlig angemessen, die Parade selbst hat dabei aus seiner Sicht drei Funktionen: „Erstens drückt diese die Dankbarkeit gegenüber den Veteranen aus, was am wichtigsten ist. Zweitens zeigt sie nach innen, dass die russische Armee stark ist und Russland nicht mal Opfer einer Aggression sein wird. Drittens wird gegenüber der Welt indirekt gesagt, dass der Preis eines Angriffs auf Russland zu hoch wäre“.

    Er teile diese Position, solange die russische Armee sich als Verteidigungsarmee deklariere. Auch bei den anderen Staaten findet er das legitim, selbst bei der Bundeswehr, die „leider keine Verteidigungsarmee mehr ist“. Daher könne er die Schablone des Westens, Russland wolle sich militaristisch und abenteuerlich zeigen, nicht nachvollziehen.

    Und doch wird Russland von manchen Leitmedien genau für seine Feierkultur im Sieg über den Faschismus kritisiert. Es seien lediglich Muskelspiele, lässt sich oft hören, das moralische Recht Russlands auf den Sieg wird ab und zu bestritten. In Deutschland, aber auch überall in Europa, wird am 8. Mai als Tag der Befreiung vorzüglich nur der Opfer gedenkt. Alexander Neu verweist darauf, dass die postsowjetischen Völker mit 27 Millionen Kriegsopfern den Hitler-Faschismus viel weiter als die USA, Großbritannien oder Frankreich niedergeschlagen hätten und daher das gute Recht haben, den Tag des Sieges zu feiern.

    „Man kann natürlich zu Hause sitzen und die Opfer beweinen, aber man kann auch auf die Straßen gehen und gemeinsam den Veteranen danken sowie auch denjenigen, die unter dem Krieg so gelitten haben“.

    „Ich mache Politik auf meine Weise“

    Ob er nicht befürchtet, wegen seiner Moskau-Reisen als Marionette des Kreml abgestempelt zu werden? „Wenn ich das tun würde, was die deutschen Medien - die transatlantisch orientierten - von mir erwarten, dann muss ich nach Washington oder Brüssel fahren“, kontert Neu darauf. Er mache Politik auf seine Weise, und die Medien auf ihre, obwohl es nicht ihre Aufgabe sei. Die Linke sei ohnehin die einzige Partei im Bundestag, die keinem einzigen Auslandskriegseinsatz Deutschlands zugestimmt habe, zugleich müsse er sich als Mitglied des Verteidigungsausschusses der Waffensysteme aller Länder bewusst sein.

    Während seines Besuches traf sich der Politiker privat mit dem Vertreter der Abgeordnetenfraktionen „Gerechtes Russland“ Alexander Romanowitsch sowie mit einigen Mitgliedern der Kommunistischen Partei. Es sei um den aktuellen Stand der Beziehungen zwischen Russland und Deutschland gegangen sowie um die Sorgen der beiden Seiten rund um die fehlende Kommunikation. Es sei für Neu wichtig, mit unterschiedlichen politischen Kräften Russlands sprechen zu können. Zum „Einigen Russland“ bestehe dabei noch kein Kontakt. 

    Auch die AfD scheint sich aus ihren Gründen für bessere Beziehungen zu Russland einsetzen zu wollen. Aber was soll dieses allgemeine pathetische Plädieren für eine bessere Beziehung zu Russland? Was ist das Konkrete dahinter, was kann man an der Sache wirklich ändern?

    >>> Andere Sputnik-Artikel: „Londoner Gehirnwäsche für die westliche Öffentlichkeit“ – Experten über „wehrloses Europa“ <<<

    „Die großen Schritte können wir nicht machen, das kann nur die Bundesregierung“, gibt Neu zu. Es gehe für ihn aber um die kleinen Schritte wie etwa die Druckausübung auf die Bundesregierung, damit sie nicht komplett die Kommunikation mit Russland abstelle, sowie darum, der russischen Seite zu zeigen, dass nicht alle Deutschen ihr abgeneigt seien.

    „Der Kontakt zu Russland muss intensiver und ohne bloße Vorwürfe sein, denn vor allem Deutschland hat kein Recht, von oben auf Russland zu schauen“, sagt der Politiker. Gemeinsame Projekte in Wissenschaft und Bildung, die Städtepartnerschaft müssen weiter unterstützt werden, aber auch das Visaregime sollte endlich abgeschafft werden.

    Die Reise nach Moskau hat laut Neu der Mitarbeiter des Hamburger Bürgerschaftsparlamentariers Martin Dolzer, Artur Leier, organisiert, die Kosten wurden von der Linksfraktion übernommen. Leier hat ihn samt einigen anderen Mitarbeitern der Linkspartei auch auf der Reise begleitet. Die Vorfahren Nikolai Mordanowi und Iwan Krylatow von Arthur Laier sollen seinerzeit für ihre Leistungen im Krieg mit dem Orden des Vaterländischen Krieges, auch Kriegsorden der UdSSR, ausgezeichnet worden sein.

    >>> Weitere Sputnik-Artikel: Geheimer Deal mit ungeheimer Technik: Hat Kiew S-300-Systeme an USA geliefert? <<<

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Militärparade, Die LINKE-Partei, Moskau, Alexander Neu, Unsterbliches Regiment, Tag des Sieges