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    Kruzifix in St. Anthony's Shrine-Kirche in Sri-Lanka, die durch Anschlagsserie betroffen wurde (Archiv)

    IS-Terroristen sinnen auf Revanche in Süd- und Südostasien nach Niederlage in Syrien und im Irak

    © REUTERS / Thomas Peter
    Politik
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    In Malaysia sind etliche Terroranschläge vereitelt worden, die vermutlich von Extremisten aus Myanmar und Indonesien verübt werden sollten. Die von Sputnik befragten Experten erkennen wachsende Risiken bei der Expansion der extremistischen und terroristischen Aktivitäten in den Ländern Süd- und Südostasiens.

    Die Operationen dieser malaysischen Zelle des „Islamischen Staates“ (IS) wurden von einem in Singapur festgenommenen Unternehmer gesponsert. Die Waffen und der Sprengstoff könnten aus Thailand stammen.

    Im Osten Malaysias wurden vom 5. bis 7. Mai – in der ersten Ramadan-Woche – von lokalen Polizisten ein Malaysier, zwei Rohindscha-Muslime und ein Indonesier festgenommen. Die Zelle „Wolfsrudel“ des „Islamischen Staates“ (in Russland verboten) plante Angriffe auf christliche, hinduistische und buddhistische heilige Orte, Entertainment-Center und mehrere hochrangige Personen. Die Festgenommenen sagten, dass sie angeblich den Islam beleidigt hätten und keine ausreichende Unterstützung des Glaubens zeigten.

    Die Polizei beschlagnahmte sechs selbstgebaute Sprengsätze, Schusswaffen und Munition. In Singapur wurde ein Unternehmer festgenommen, der den malaysischen IS-Ableger, der im Januar dieses Jahres ins Leben gerufen wurde, finanzierte. Er nutzte aktiv das Internet zur Verbreitung der islamistischen Ideologie.

    Malaysische Medien teilten unter Berufung auf den Chefpolizeiinspektor Abdullah Hamid Bador mit, dass die beschlagnahmten Waffen „vermeintlich aus dem Nachbarland eingeführt wurden“. Die Lieferquelle wurde nicht genannt, doch die bei den Verdächtigten wegen Beteiligung am IS früher entdeckten Waffen wurden aus Thailand eingeführt.

    Wie die Polizei berichtete, wird nach mindestens drei weiteren Personen gefahndet, die mit der Vorbereitung und Planung der Terroranschläge verbunden sind. Es soll sich um zwei Malaysier und einen Einwohner Indonesiens handeln. Antiterror-Experten schlagen Alarm und weisen darauf hin, dass es der erste bekannte Fall ist, bei dem der IS seine Zellen für Angriffe in Malaysia nutzte.

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    Der Orientalist Alexej Drugow sagte bezüglich der Zunahme des islamischen Extremismus in Malaysia, dass die Extremisten nach der IS-Niederlage in Syrien und im Irak ihre Pläne zu Vergeltungsanschlägen in ihrer Heimat reaktivieren würden:

    „Radikale Islamisten kehren jetzt nach der Niederlage im Nahen Osten in ihre Heimat zurück, darunter nach Indonesien. Sie wollen Revanche in ihrer Heimat nehmen. Die indonesischen Behörden begreifen das, weshalb Rechtsschutzorgane zusätzliche Maßnahmen zur Verhinderung der Terrorrisiken treffen. Dazu wurde die Nationale Antiterrorverwaltung gebildet. Sie kooperiert aktiv mit der Armee und der Polizei. Analysten und Soziologen in Indonesien verweisen ihrerseits darauf, dass der günstige Boden für den islamischen Radikalismus samt seiner terroristischen Erscheinungen soziale Probleme, Ungleichheit bei der Entwicklung einzelner Regionen ist. Die Regierung von Joko Widodo ergreift bestimmte Maßnahmen zur Förderung des Wirtschaftswachstums, zur Erhöhung des Lebensniveaus, doch dieses Problem sitzt tiefer, schnell kann es nicht gelöst werden. Das betrifft auch viele andere Länder“.

    Unter den Bedingungen der Zunahme der Terrorgefahr in der asiatischen Region gewinnen gemeinsame internationale Anstrengungen an Bedeutung. Dabei kann Malaysia bislang nicht zu den Ländern gezählt werden, die zur kontinuierlichen und umfangreichen internationalen Kooperation im Kampf gegen den radikalen Extremismus bereit sind. Im Oktober 2018 ließ Malaysia trotz der Forderung Pekings, elf Uiguren, die wegen Terroraktivitäten in China verdächtigt werden, frei, statt sie auszuliefern, und schickte sie in die Türkei.

    Diese Gruppe wagte im November 2017 die Flucht aus einem Gefängnis in Thailand – und hatte Erfolg. Die Uiguren wurden gefasst und der illegalen Einreise nach Malaysia beschuldigt. Dabei war das nur ein Teil einer Gruppe von insgesamt mehr als 200 Personen, die in Thailand noch 2014 festgenommen worden waren. Die chinesischen Behörden vermuten, sie wären Separatisten und hätten eine Verschwörung zwecks Vorbereitung von Terroranschlägen in der Volksrepublik organisiert. Allerdings verweigert Thailand vorerst ein intensives Zusammenwirken mit den chinesischen Rechtsschutzorganen bei diesem Problem.

    Die Behörden in Malaysia kritisierten Aung San Suu Kyi, die faktische Spitzenpolitikern Myanmars, wegen der andauernden Krise um die Lage der Rohingya-Muslime im Bundesstaat Arakan. „Wir unterstützen sie nicht mehr“, sagte Premier Mahathir Mohamad. Experten schließen ihrerseits nicht aus, dass IS-Kämpfer dieses Problem für die Auslösung eines Bürgerkriegs in Myanmar ausnutzen könnten.

    China könnte zur internationalen Anti-Terror-Kooperation intensiver beitragen, sagte der Leiter des Südasiatischen Zentrums bei der Shanghaier Fudan-Universität, Zhang Jiadong, gegenüber Sputnik.

    „China könnte als ständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrats einen gewissen Beitrag zur Bildung eines internationalen Anti-Terror-Mechanismus leisten. In der Weltgemeinschaft gibt es nach wie vor viele Kontroversen bei der Definierung des Terrorismus. Diese zwei Unterschiede wurden teilweise abgeschafft, aber nicht vollständig überwunden. Deshalb gibt es noch Möglichkeiten für die weitere Vervollkommnung in diesem Bereich.

    Zudem ist China Mitglied von mehreren regionalen Organisationen. Manche von ihnen  beteiligen sich am Kampf gegen den Terrorismus, insbesondere die SOZ. Das Potenzial dieser Strukturen wird vorerst nicht in vollem Umfang eingesetzt, und durch diese Institutionen könnte man ebenfalls die regionale Kooperation bei der Terrorbekämpfung fördern. Dabei befinden sich die meisten SOZ-Länder, insbesondere die Beobachter, de facto an der Frontlinie der Terrorbekämpfung. Ich kann auch hervorheben, dass China gute Beziehungen mit einer ganzen Reihe in Süd-, Südost- und Zentralasien pflegt und sein Zusammenwirken mit ihnen auf dem Gebiet Terrorbekämpfung weiterentwickelt.“

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    Gegenüber Sputnik verwies der Politologe Robinder Sachdev von der Denkfabrik Imagindia Institute Independent auf das Risiko der Verbreitung des IS-Einflusses in Südasien.

    „Es besteht sicherlich ein gewisses Risiko, dass der IS den Grenzgebieten des Subkontinents schaden könnte. Auf diesem Subkontinent schweben alle Länder in Gefahr: Afghanistan, Pakistan, Bangladesch, Myanmar, Sri Lanka und sogar Indien. Wenn wir einmal darüber reden, wer das größte Risiko eingeht, dass der IS sein Territorium beanspruchen könnte, so sind das Afghanistan und Pakistan. In anderen Ländern besteht ein Risiko der Verbreitung von Gewalt, aber kein Risiko, dass ihr Territorium unter IS-Kontrolle gerät.“

    Dem Experten zufolge ist die Wahrscheinlichkeit, dass der IS eine „Provinz“ in Indien gründen würde, gleich null. Allerdings warnte er, dass sich soziale Netzwerke als starkes Instrument der Propaganda bei der Förderung von extremistischen Ideen etabliert haben - auch in Indien. Das erklärte der indische Experte angesichts indischer Medienberichte, dass der IS nach dem Scheitern in Syrien und im Irak die Bildung einer „Provinz“ in Indien – „Wilayah of Hind“ – angekündigt hätte. Dieser Schritt erfolgte bald nach den jüngsten Terroranschlägen auf Sri Lanka. Das könnte ein Beweis dafür sein, dass sich der IS um die Gründung von Stützpunkten in Asien bemüht.

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    Tags:
    Verbreitung, Ideologie, Islam, Terroranschlag, Indonesien, Malaysia, Myanmar, Thailand, Aktivität, Expansion, Revanche, Terroristen, IS, Südostasien, Südasien