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    Handelshafen in Qingdao, China (Archivbild)

    Trumps riskanter Poker mit China: Schnelle Einigung unwahrscheinlich

    © AFP 2019 / STR
    Politik
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    Ilona Pfeffer
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    Immer höhere Einsätze fordert der sich verschärfende Handelsstreit zwischen China und den USA. Trotz der angekündigten Gespräche zwischen Trump und Xi am Rande des G20-Gipfels in Japan scheinen die Widersacher nicht zu Zugeständnissen bereit. In seiner Unberechenbarkeit ist Trump dennoch ein Deal zuzutrauen, sagt USA-Experte Martin Thunert.

    Wenn die zwei größten Volkswirtschaften der Welt in einem erbitterten Handelskrieg miteinander ringen, kann das nicht nur für die jeweiligen Binnenmärkte, sondern auch für die Weltwirtschaft empfindliche Folgen haben. Umso aufmerksamer beobachtet die Welt die jüngsten Entwicklungen im Streit zwischen China und den USA.

    Nachdem Donald Trump in der vergangenen Woche die Sonderzölle auf Importe aus China im Wert von 200 Milliarden US-Dollar von zehn auf 25 Prozent erhöht hatte, antwortete das Reich der Mitte am Montag mit einer Gegenmaßnahme. Trotz Trumps Warnung an Xi, keine umfangreichen Vergeltungsmaßnahmen zu starten, belegte China seinerseits US-Waren im Wert von 60 Milliarden US-Dollar mit Sonderzöllen von 25 Prozent. Auch der Zeitpunkt der Spiegelmaßnahme war bewusst gewählt, wie „Bloomberg“ betont: Die neuen Tarife wären kurz vor Öffnung der New Yorker Börse verkündet (zu nachtschlafener Zeit in China) worden, um die maximale Wirkung auf den Dow Jones zu erzielen. Für einen Präsidenten wie Trump, der seinen Erfolg am Dow bemesse, ein harter Schlag, so das Magazin.

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    Mit der angedrohten Ausweitung der US-Sonderzölle auf nahezu alle Importe aus China zögert Trump nun aber doch. Stattdessen hat der US-Präsident angekündigt, am Rande des G20-Gipfels, der Ende Juni im japanischen Osaka stattfinden wird, mit Chinas Staatschef Xi Jinping sprechen zu wollen. In einem Tweet am Dienstag verkündete Trump:

    „Wenn die richtige Zeit gekommen ist, werden wir einen Deal mit China machen. Mein Respekt für Präsident Xi und meine Freundschaft mit ihm sind unbegrenzt, aber, wie ich ihm bereits viele Male gesagt habe, dieser Deal muss großartig für die USA sein, sonst ergibt er keinen Sinn.“

    China wiederum scheint nicht willens zu sein, große Zugeständnisse zu machen. Die bilateralen Gespräche dürften keine „Einbahnstraße“ sein und müssten auf der Grundlage der Gleichberechtigung geführt werden, so der chinesische Außenminister Wang Yi.

    An eine schnelle Einigung zwischen China und den USA glaubt der Amerika-Experte Dr. Martin Thunert vom Heidelberg Center for American Studies nicht.

    „Ich kann mir im Moment nicht vorstellen, dass es ein schnelles bilaterales Abkommen zwischen China und den USA gibt, das dann die Zölle komplett zurücknimmt. Allerdings ist Trump in seiner Unberechenbarkeit auch zuzutrauen, dass, wenn sich ein Gesamtdeal ergibt, der Nordkorea miteinschließt, die Chinesen sagen, sie machen da noch stärker Druck, dass es dann Deals gibt.“

    Dass nicht nur die Wirtschaft des Gegners durch den Handelskrieg geschwächt wird, sondern auch die eigene Seite Verluste beim Bruttoinlandsprodukt erleiden muss, werde dabei von den USA in Kauf genommen. Die US-Bauern, die durch den Zwist mit China auf ihren Produkten sitzen bleiben, würden zwischenzeitlich mit Subventionen bei Laune gehalten werden. Am Ende bezahle der amerikanische Verbraucher in Form von höheren Preisen auf die chinesischen Importwaren.

    „Im Moment glauben die Trump-Leute noch, dass die gute amerikanische Wirtschaft den kleinen Preis, den die USA zahlen müssen, eher aushalten kann als die chinesische Seite. Dieses Denken auf der Trump-Seite teilt nicht jedermann. Trump geht hier also ein gewisses Risiko ein“, so Thunert.

    Im Hinblick auf die 2020 anstehenden Präsidentschaftswahlen in den USA wäre das ideale Szenario für Donald Trump, wenn China spätestens ein Vierteljahr vor den Wahlen nachgeben würde.

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    Tags:
    Wirtschaft, Xi Jinping, Donald Trump, Handelskrieg, China, USA