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    Flugzeugträger USS Abraham Lincoln beim Sueskanal

    Konflikt zwischen Iran und USA: Wer ist der größte Unruhestifter in der Region?

    © Foto: U.S. Navy/Mass Communication Specialist 3rd Class Amber Smalley
    Politik
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    Ilona Pfeffer, Bolle Selke
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    Der Konflikt zwischen den USA und Iran spitzt sich weiter zu. Experten warnen, dass gerade im Persischen Golf die Lage „hochbrisant“ sei. Hat die Stunde der Hardliner geschlagen?

    Die von den USA im Irak und in Syrien stationierten Truppenteile der Anti-Terror-Operation „Inherent Resolve“ (OIR) wurden nach Angaben von Marine-Hauptmann Bill Urban, einem Sprecher des für den Nahen Osten zuständigen Zentralkommandos des US-Militärs, in „hohe Alarmbereitschaft“ versetzt. Ihm zufolge gehen die Geheimdienste der USA und ihrer Alliierten von „glaubwürdigen Bedrohungen“ von Verbündeten des Iran im Persischen Golf aus.

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    Nutzt Iran das Atomabkommen um Unruhe zu stiften?

    „Gerade im Persischen Golf, wo zwei saudische Tanker beschädigt worden sind und man den Iran dahinter sieht, ist es hochbrisant“, warnt der Politikwissenschaftler vom „Heidelberg Center for American Studies“, Martin Thunert. Die beiden Hauptalliierten der USA in der Region, Saudi-Arabien und Israel, würden Iran als den größten Unruhestifter sehen und seien deswegen mit der harten Haltung der USA absolut einverstanden.

    Das Atomabkommen mit dem Iran, das die USA unter Barack Obama unterzeichnet haben, führte zur Lockerung der Sanktionen und zur Befreiung großer Gelder, so der USA-Experte. Trump sei der Meinung, dass der Iran diese Gelder im großen Stil dafür investieren würde, um noch mehr Chaos in der Region zu verursachen, noch mehr Vorherrschaft zu erlangen und beispielsweise die Hisbollah zu unterstützen.

    US-Regierung hatte Iran gestärkt

    Deswegen sei es für die USA sehr wichtig, die Sanktionen wieder in Kraft zu setzen, damit der Iran leidet. Die dahinter stehende Hoffnung, so Thunert, könnte sein, dass es zu einem Aufstand der Bevölkerung wegen wirtschaftlicher Unzufriedenheit kommt. So wolle Washington den Iran „auf die Knie zwingen.“ Der Politologe betont aber:

    „Was die Trump-Regierung übersieht, ist, dass die Stärkung des Iran seit 2003 durch die Regierung Bush herbeigeführt wurde. Denn durch den Irakkrieg und den Sturz Saddams wurde auch der schiitische Faktor im Irak gestärkt. Davon will Trump im Moment nichts wissen. Er sagt: Die fatale Obama-Politik mit dem Auf-den-Gegner-Zugehen gilt es zurückzudrehen.“

    US-Sicherheitsberater schließt Waffengang nicht aus

    Hinter dieser Strategie würde sicherlich die Handschrift des Sicherheitsberaters John Bolton stehen, dieser hatte die Option des Waffengangs nie ganz vom Tisch genommen. Ein bewaffneter Zusammenstoß sei momentan wahrscheinlicher als in den letzten Jahren, sagt Thunert:

    „Vor allem, weil sich beide Seiten verkalkulieren könnten oder dass ein kleiner Vorfall, wie jetzt die Sache mit den Tankern, im Persischen Golf zu einer Eskalation führen könnte. Oder ein Angriff der Iraner auf amerikanische Resttruppen im Irak. Das alles könnten Auslöser von Kampfhandlungen werden.“

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    „Niemand sagt, wir wollen Krieg führen“

    Auch der britische Außenminister Jeremy Hunt warnte vor dem Ausbruch eines militärischen Konflikts. Er sagt dass die britische Regierung äußerst besorgt sei, dass es aus Versehen zu einem Konflikt kommen könnte – mit einer Eskalation, die von keiner Seite gewollt sei.

    Niema Movassat sitzt für die Partei die Linke im Bundestag. Seine Eltern stammen aus dem Iran. Er kommentiert die Worte des britischen Botschafters:

    „Natürlich würde sich offiziell keiner hinstellen und sagen ‚Ich möchte jetzt Krieg führen‘. Aber, wer ankündigt, 120.000 Soldaten zu entsenden, wer immer mehr Kriegsschiffe et cetera in den Persischen Golf schickt, der heizt natürlich die Situation an.“

    Hardliner auf beiden Seiten?

    Zugleich sei der Iran in einer wirtschaftlich äußerst schwierigen Lage. Das würde derzeit die Hardliner dort stärken. Diese würden, anders als der iranische Präsident Hassan Rohani, auf Konfrontation setzen. Der Linkspolitiker meint:

    „Am Ende haben wir es dann auf zwei Seiten mit Hardlinern zu tun, Trump selber und Hardliner um Trump, und auf der iranischen Seite auch die Hardliner. Wenn da also die ‚Falken‘ übernehmen, dann ist eine militärische Auseinandersetzung nicht nur Zufall, sondern gewollt. Die Hauptursache haben aber die USA gesetzt, als sie den Atomdeal verworfen haben, obwohl Iran sich an alle Vereinbarungen gehalten hat.“

    Seit dem US-Ausstieg aus dem Atomabkommen fehle nun eine Dialogebene mit Teheran. Ohne Dialog bestehe aber die Gefahr, dass es zu einem Krieg kommt, der verheerende Auswirkungen für den gesamten Nahen Osten haben würde.

    Das komplette Interview mit Niema Movassat (Die Linke) zum Nachhören:

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    Tags:
    Anti-Terror-Krieg, Barack Obama, Donald Trump, Stärkung, Hisbollah, Atomabkommen, Konflikt, Persischer Golf, USA, Iran