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    Unterstützer des WikiLeaks-Gründers Julian Assange in Berlin (Archivbild)

    Rollt Schweden Assange-Verfahren neu auf, um ihn an die USA auszuliefern?

    © AFP 2019 / JOHN MACDOUGALL
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    Schweden könnte die Ermittlungen zum Fall des WikiLeaks-Gründers Julian Assange wiederaufgenommen haben, um ihn an die USA auszuliefern, so der Anwalt von Assange, Carlos Poveda.

    Zugleich behauptet die schwedische Rechtsanwaltschaft, dass die Behörden bei einer Auslieferung Assanges an Schweden ihn nicht weiter an Drittländer ausliefern werden. Ein britisches Gericht erörtert bereits die Anfrage der USA zur Auslieferung Assanges. Nach WikiLeaks-Angaben förderte der politische Druck, der gegen Schweden ausgeübt wurde, die Wiederaufnahme der 2017 eingestellten Ermittlungen. Sputnik sprach mit dem Journalisten John Steppling darüber, was das für die Zukunft von Assange bedeuten kann und wann der Prozess seiner Auslieferung beginnt.

    Was denken Sie über die Tatsache, dass Schweden die Ermittlungen zur angeblichen sexuellen Belästigung durch Assange wiederaufnimmt, trotz des Ablaufs der Verjährungsfrist dieser Vorwürfe?

    Das ist ein absolut ausgeklügelter Fall. Schweden versuchte, diese Klage bereits 2010 zu widerrufen, danach wieder 2015. Wissen Sie, die schwedische Bezirksstaatsanwaltschaft wollte nichts mit diesem Fall zu tun haben. Assange wurde dieser Fall von Anfang an zugeordnet. Dieser Fall ist absolut unbegründet. Schweden will anscheinend dieses Verfahren auf Anweisung der USA einleiten. Es ist überhaupt nicht legitim.

    Hier in Großbritannien unterzeichneten 70 britische Parlamentarier ein Schreiben zur möglichen Auslieferung von Assange an Schweden. Wie schnell wird dieser Prozess beginnen?

    Wie schnell? Wer weiß. Interessant ist, wenn sie sich die ganze Assange-Geschichte ansehen, dass sie von einer großen Propaganda-Kampagne begleitet wurde, vor allem aus den USA, aber auch aus Großbritannien. Das war eine scharfe Propagandakampagne gegen Assange. Wenn die USA die Öffentlichkeit nach ihrer Meinung über die Festnahme von Assange fragen, stimmten 70 Prozent der Befragten dem zu. Das schockiert angesichts der Realität.

    Bezüglich WikiLeaks und Assange, wissen Sie, da gibt es einen bestimmten unangenehmen Faktor, ich verneine das nicht, doch das hat nichts gemein mit den veröffentlichten Informationen. Dennoch handelte es sich um einen eklatanten Betrug. Bezüglich der Tatsache, wie bald dieser Prozess beginnt, wird er sobald wie möglich beginnen. Großbritannien und die USA wollen, dass das sehr schnell beginnt.

    Welche Motive haben die USA, dass es dazu kommt?

    Die USA wollen Assange bekommen und setzen alles daran, dass er verschwindet. Glauben Sie mir, sobald er in die USA ist, werden Sie nie mehr von ihm hören. Jetzt wird er angeblich unter Verwendung chemischer Substanzen befragt. Es gab einige Berichte, dass CIA-Chefin Gina Haspel den US-Ermittlern erlaubte, die psychochemische Substanz BZ einzusetzen. Dieser Stoff hat einen sehr langen negativen Effekt.

    Dieser Stoff löste bei Soldaten Halluzinationen, Paranoia u.a. aus. Nun kann Gina nicht „blutig“, sondern „chemisch“ genannt werden. Doch allerdings ist das, worauf die Regierung eingeht, hypertroph. Seit dem Auftauchen Assanges auf der Bühne, greifen die USA auf sehr viele illegale Einmischungen zurück. Sie haben es nicht geschafft, einen Staatsstreich zu organisieren, obwohl sie das immer noch versuchen. In Syrien, und nun haben sie wohl den Iran im Visier, das ist zweifellos eine Provokation. Wer weiß, was dort in Wirklichkeit geschah. Man muss sagen, dass es dort die Fingerabdrücke des israelischen Geheimdienstes Mossad gibt. Jedenfalls gefällt den USA diese Kritik nicht – ob symbolisch oder welche noch seitens Assanges. Sie wollen ihn zum Schweigen bringen, auch als Warnung für Journalisten aus der ganzen Welt.

    Die entstandene Situation sieht sehr düster für Assange aus. Was ist jetzt das beste Szenario für ihn?

    Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, ob es ein besseres Szenario gibt. Man kann tatsächlich nur Mitgefühl mit ihm haben. Wenn er nach Schweden ausgeliefert wird, wird sich dieser Fall anscheinend nicht entwickeln, weil der Fall sehr alt ist. Doch dann würde Schweden ihn an die USA ausliefern. Das ist nur eine Station für Assange. Letzten Endes wird er in die USA kommen. Ich sehe nicht, wie das verhindert werden kann. Wie ich bereits sagte, sobald er in den USA ist, erwartet ihn eine sehr schwere Zukunft.

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    Tags:
    John Steppling, Auslieferung, Interview, USA, Schweden, Julian Assange