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    Unveröffentlichter OPCW-Bericht: Giftgasangriff im syrischen Duma inszeniert

    © AP Photo / Peter Dejong
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    Nach eigener Auskunft hatte die Working Group on Syria, Propaganda and Media Zugang zu einem unveröffentlichten Bericht der OPCW-Mission zur Sammlung von Fakten über einen angeblichen „chemischen Angriff“ in der syrischen Stadt Duma am 7. April 2018. In diesem Bericht wird deutlich, dass der Vorfall inszeniert wurde.

    Nach dem Vorfall in Duma wurde mit zwei Chor-Ballons, die vor Ort beobachtet wurden, der Einsatz von Giftgas untersucht. Es handelt sich um ein Dokument, das angeblich aus dem endgültigen Bericht herausgenommen wurde.

    Sputnik sprach mit Piers Robinson, Ko-Direktor der Organisation for Propaganda Studies und Professor der University of Sheffield. Er hat den unter Verschluss gehaltenen Bericht veröffentlicht.

    Können Sie über den unveröffentlichten technischen OPCW-Bericht sprechen? Wie haben Sie den Zugang zu dem Dokument bekommen?

    Uns wurde eine fachlich-wissenschaftliche Einschätzung übergeben, und wir haben eine zuverlässige Bestätigung ihrer Authentizität aus mehreren Quellen.

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    Die im Bericht angegebenen Fakten zeigen, dass der C-Waffen-Angriff in Duma inszeniert wurde. Um was geht es im Detail und wie bestätigen sie diese Mutmaßung?

    In dem Bericht geht es um gelbe Zylinder, die in den Orten 2 und 4 entdeckt wurden. Laut der ersten Hypothese, die mit der Behauptung übereinstimmt, dass der vermeintliche Angriff durch die syrische Regierung verübt wurde, wurden die Zylinder von Hubschraubern der syrischen Armee abgeworfen. Die zweite Hypothese besteht darin, dass die Zylinder in diesen Orten aufgestellt wurden, und wenn es so ist, wurde der  vermeintliche Angriff etappenweise von bewaffneten Antiregierungsgruppierungen verübt und für Vorwürfe gegen die syrische Regierung genutzt.

    Laut der erhaltenen Ingenieur-Einschätzung zeigen die erörterten Beweise, dass kein einziger Zylinder von einem Hubschrauber abgeworfen wurde und die Zylinder manuell aufgestellt wurden. Natürlich stellten Skeptiker in Duma Fragen zu diesen Zylindern, besonders zu dem Zylinder, der ein Dach durchgeschlagen, durch ein Zimmer geflogen und auf einem Bett gelandet sein soll.

    In diesem technischen Bericht wird das vermutet, was von vielen seit langem geahnt wurde – dass die Zylinder von Anti-Regierungskräften aufgestellt wurden.

    Warum wurde dieser Teil  der Beweise zum Fall über den vermeintlichen C-Waffen-Angriff nicht in den veröffentlichten Bericht aufgenommen?

    Wichtig ist hervorzuheben, dass diese Frage nur eine von vielen ist. Wie wir in unserem Informationsschreiben verwiesen haben, gibt es viele Probleme mit dem Schlussbericht der OPCW über Duma, zudem fehlt es an Transparenz bezüglich der Tatsache, wie sie ihre Einschätzungen machten.

    So sagte BBC-Producer Riam Dalati vor kurzem, dass die in Duma aufgenommenen Szenen aus dem Krankenhaus inszeniert wurden, was durch die Augenzeugenberichte bestätigt wird, die von der Russischen Föderation bereits im April vorgelegt wurden. Es gibt auch andere Fragen darüber, wie die verstorbenen Zivilisten sich im Gebäude 2 erwiesen. Viele Fragen bleiben ungelöst und bekamen keine adäquate Antwort im Schlussbericht  der Fact-Finding-Mission.

    Wer ist daran schuld, dass im Bericht wichtige Informationen fehlten, zu denen Spezialisten Zugang hatten?

    Jetzt besteht die Frage für die OPCW darin, warum  im Abschlussbericht der Mission die technische Einschätzung dieser Zylinder nicht verwendet wurde und warum stattdessen andere Einschätzungen verwendet wurden, die von nicht genannten Experten gemacht wurden. Da die USA, Frankreich und Großbritannien Syrien als Antwort auf den vermeintlichen C-Waffen-Angriff bombardierten, sind sie äußerst daran interessiert, dass die OPCW einen Bericht veröffentlicht, der den Angriff auf Syrien rechtfertigt. Natürlich stellt sich die Frage, ob die OPCW unter Druck gesetzt wurde.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: „Verfälschung von Fakten“: Damaskus kritisiert OPCW-Bericht zu Duma-Giftgasangriff<<<

    Wir haben eine ähnliche Dynamik vor der Invasion im Irak 2003 gesehen, als Experten manchmal unter Druck gesetzt wurden und sie sich abseits hielten, als die Regierungen der USA und Großbritanniens falsche Erklärungen in Bezug auf die angeblichen iranischen Massenvernichtungswaffen abgaben. Jetzt soll eine unabhängige Untersuchung desssen gemacht werden, wie die OPCW funktioniert, und natürlich eine unabhängige und wissenschaftlich Untersuchung dessen, was in Duma geschah. Zum jetzigen Zeitpunkt entsprechen die von der OPCW veröffentlichten Berichte nicht der Realität. Dieser technische Bericht löst immer mehr Verdächtigungen in Bezug auf die Glaubwürdigkeit dieser Berichte und die Arbeit der OPCW aus.

    Wurde über diese Entdeckung von irgendwelchen Mainstream-Medien berichtet?

    Bislang wollen die führenden Medien sich anscheinend nicht mit dieser Geschichte befassen. Wie es oft im Bereich Krieg und Außenpolitik vorkommt, verhalten sich Journalisten oft zu respektvoll gegenüber dem Ansehen der politischen Macht. Das ist also nicht erstaunlich. Doch was in Duma geschah, war ein Kriegsverbrechen. Solange wir nicht genau feststellen, was genau geschah und wer die Verantwortung trägt, werden die Schuldigen nicht zur Verantwortung gezogen.

    Erwarten Sie irgendwelche dringende Untersuchungen nach dieser Veröffentlichung? Wie war die Reaktion?

    Robinson: Ich denke, dass die OPCW heute Abend antworten wird. Bislang haben sie die Glaubwürdigkeit dieses Berichts nicht abgestritten sowie die Tatsache, dass der genannte Mensch OPCW-Mitglied ist, doch sie dementierten, dass dieser Bericht und der Mensch Teil der Fact-Finding-Mission sind. Mal sehen, ob sie heute noch etwas sagen werden.

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    Entdeckung, Mainstream, Schuld, Russland, C-Waffen, Propaganda, Chor, Giftgasangriff, Duma, Syrien, Bericht, Fakten, Sammlung, OPCW