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08:20 13 November 2019
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    Spitzenkandidatin der Kommunistischen Partei Österreichs Katerina Anastasiou

    „Entweder jetzt oder nie“ – Spitzenkandidatin der Kommunistischen Partei Österreichs für die EU-Wahl

    © Foto: KPÖ PLUS
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    Die 35-jährige Griechin Katerina Anastasiou tritt für die „KPÖ PLUS – European Left – Offene Liste“ zur EU-Wahl an. Im exklusiven Gespräch mit Sputnik erzählt sie, warum es so wichtig ist, eine linke Stimme im Parlament zu haben, und was Europa von jetzt an heißen soll.

    Katerina Anastasiou kam vor 15 Jahren nach Wien, wo sie seither lebt und arbeitet. Seit 2015 ist sie bei transform!europe tätig – dabei handelt es sich um ein Netzwerk von 32 europäischen Organisationen und eine anerkannte politische Stiftung der Partei der Europäischen Linken. Am 9. Februar wurde sie als Spitzenkandidatin der KPÖ vorgestellt.

    Sie haben eine sehr interessante Laufbahn: Geboren sind Sie in Griechenland, wohnen seit 2004 in Wien und haben unter anderem als Museumspädagogin gearbeitet. Wie sind Sie zur Politik gekommen?

    In Griechenland, wo ich aufgewachsen bin, gehört die Politik zum Alltag. Es wird in den Cafés, in den Schulen, zu Hause, also überall über Politik diskutiert. Als ich 16 Jahre alt war, trat ich einer Schülerbewegung bei, und seitdem war ich immer politisch aktiv.

    Sie sind die Einzige unter den zur Wahl stehenden österreichischen Spitzenkandidaten mit einer anderen Staatsbürgerschaft. „Ich kandidiere für alle in Österreich lebenden Europäer“, sagen Sie. Möchten Sie damit ein Signal setzen?

    Auf jeden Fall. Oft fühlen sich die Menschen, die in Österreich lang wohnen, aber trotzdem keine Österreicher sind, von den Parteien nicht repräsentiert. In Österreich leben 1,5 Millionen Ausländer, die Hälfte von denen sind EU-Bürger, aber sie nehmen sehr selten an den öffentlichen Diskussionen teil. Mit meiner Kandidatur möchte ich ein Signal setzen, dass es anders gehen kann.

    Warum stellen Sie sich der Wahl?

    Diese Entscheidung ist mir leicht gefallen. Ich bin lange politisch aktiv und ich habe gespürt, das ist der richtige Moment. Wir sind im Jahr 2019 – vor 30 Jahren haben wir den Fall einer Mauer gefeiert, und jetzt bauen wir neue Mauern. Das hat mich motiviert, mich dieser Wahl zu stellen.

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    Die KPÖ hat es noch nie ins EU-Parlament geschafft. Wie hoch sind die Chancen, dass sich die Situation dieses Jahr ändert?

    Wenn wir in einem Zustand wären, wo es nur die Parteien ins Parlament schaffen, die es schon mal geschafft haben, dann hätte unsere Demokratie ein großes Problem. Es gibt kein Erbschaftsrecht im EU-Parlament. Die KPÖ hat aber wirklich Schwierigkeiten in Österreich und dafür gibt es mehrere Gründe. Erstens sind die Wurzeln des Antikommunismus sehr tief, das Wort Kommunismus finden mache bis heute veraltet und abschreckend. Ich hatte vor kurzem eine Pressestunde, wo eine Journalistin mich gefragt hat: „Wie können Sie bei einer Partei kandidieren, wo Nazis und Stalin so viele Opfer gefordert haben?“ Ich war ein paar Sekunden sprachlos und konnte danach nur darauf hinweisen, dass die Rote Armee uns von den Nazis befreit hat.

    Es gibt in Österreich viele linke Menschen, die nicht in der SPÖ repräsentiert sind. Diese Menschen möchten wir als KPÖ erreichen, aber hier entsteht ein anderes Problem: Wir werden von keinem einzigen Privatsender zu Debatten eingeladen. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk sollte uns mehr Zeit geben, aber auch dort werden wir zu den Diskussionsrunden nie eingeladen. Der ORF begründet es so: Bei einer Runde der „großen“ Parteien haben wir keinen Platz, die Debatten der „kleinen“ gibt es dieses Jahr nicht. Also soll ich einen Wahlkampf machen, ohne mit den anderen sechs Kandidaten diskutieren zu können. Von Kräfteverhältnissen wird es demnach ein kleines Wunder brauchen. Aber ich glaube, es ist durchaus möglich.

    Wie wollen Sie Ihr Wahlziel – den Einzug ins EU-Parlament – erreichen? Mit welchen Themen sprechen Sie die Wähler an?

    Eines der Kernthemen ist Frieden und Neutralität. Wir sagen klar „Nein“ zur europäischen Armee, wir sehen keinen Sinn dahinter. Die Migration steht auch auf der Tagesordnung. Die EU ist auch für die Fluchtursachen verantwortlich mit ihrer Beteiligung an den Kriegen an der Seite der Nato-Allianz. Und noch ein Thema ist die Klima-Krise, die schon keine Krise, sondern eine ökologische Katastrophe ist. Was die EU angeht, entsteht hier die Frage, was für eine Europäische Union wir wollen. Es muss linke Stimmen in dem EU-Parlament geben, denn ohne diese Stimmen wird die Demokratisierung des Parlaments nicht passieren. Alle anderen vertreten nicht die Interessen der Menschen, sondern die Interessen der Konzerne.

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    Aber auch unter den Linken gibt es Stimmen, sich auf den nationalen Rahmen zurückzuziehen, da die EU nicht reformierbar sei. Was meinen Sie dazu?

    Ich finde den Versuch, sich auf den nationalen Rahmen zurückzuziehen, richtig naiv. Aber es gibt viele solche Stimmen – EU-Kritik und die Möglichkeit eines österreichischen Brexit ist sogar innerhalb von Teilen der KPÖ eine lebhafte Diskussion. Die Frage ist, wem würde ein Exit helfen?

    Sie sagen in vielen Interviews, dass Sie Pro-Europäerin sind. Was meinen Sie damit?

    Ich bin in Griechenland in den 1990-er Jahren groß geworden, da gab es einen europäischen Boom. Ich glaube, meine ganze Generation ist als Europäer erzogen worden. Alle meine persönlichen Erinnerungen, Erfahrungen und auch mein heutiges Leben hängen mit dieser Wahrnehmung der Welt zusammen: Mein Ehemann ist Österreicher, also habe ich sowohl eine griechische als auch eine österreichische Familie. Andererseits gibt es ein Europa, das ich mir wünsche, noch nicht. Und es gibt Millionen von Menschen wie mich, die sich auch ein anderes Europa wünschen und alle Widersprüche des heutigen Systems sehen. Ich will für diese Menschen eine Stimme sein. Entweder jetzt oder nie.

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    Tags:
    Kritik, SPÖ, ORF, Josef Stalin, Nazis, Schwierigkeiten, Kandidat, Wahl, EU-Parlament, Katerina Anastasiou, "KPÖ PLUS"-Partei, Österreich