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12:55 21 Oktober 2019
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    Der ehemalige Außenminister Polens Radoslaw Sikorski

    Wegen Beziehung zu Russland: Polens Ex-Außenminister übt Kritik an Deutschland

    © Sputnik / Alexei Danichev
    Politik
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    Der ehemalige Außenminister Polens Radoslaw Sikorski hat gegenüber der „Welt“ erklärt, dass Deutschland Russland nicht als Gefahr wahrnimmt und um seiner Wirtschaftsambitionen willen das Projekt Nord Stream 2 umsetzt.

    Der ehemalige Außenminister Polens betonte, dass Deutschland „wieder in Reichweite“ von russischen Raketen sei, die in Kaliningrad stationiert sind. Wörtlich sagte er:

    „Ich glaube, dass in Deutschland Russland nicht als Gefahr wahrgenommen wird und deswegen keine Debatte stattfindet, weil ein großer Teil der Deutschen tatsächlich glaubt, man könnte ein Bündnis mit Russland gegen die USA eingehen.“

    Ferner empfahl Sikorski Deutschland, mehr Aufmerksamkeit auf die Verteidigung sowie die Sicherheitspolitik zu lenken. Als Beispiel führte er die Tatsache an, wonach der Etat der Bundeswehr viermal höher als jener der polnischen Armee sei. Dabei verfüge Polen über mehr einsatzfähige Panzer als Deutschland. Er betonte dabei, dass der aktuelle Zustand der deutschen Armee sowie das deutsche Verhältnis zu sicherheitspolitischen Fragen von den Partnern Deutschlands „als Problem begriffen“ werde.

    Sikorski kritisierte die Einstellung Berlins zu Nord Stream 2.

    „Mit dem Bau der Pipelines Nord Stream 1 und 2 haben die Deutschen ihre wirtschaftlichen Interessen nicht nur über die ihrer Nachbarn gestellt, sondern auch über die geostrategischen Interessen Europas“, verlautbarte er.

    „Ich weiß sehr wohl, (…) dass Deutschland ein Verteilungszentrum für Gas in Europa werden will. Die chemische Industrie in Deutschland braucht den Rohstoff, um mit den USA zu konkurrieren. Alles nachvollziehbar. Aber die Länder Ostmitteleuropas werden so anfälliger für mögliche russische Erpressungsversuche“, erläuterte er.

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    Nord Stream 2

    Nord Stream 2 ist das Projekt einer Gaspipeline, die aus Russland über den Meeresgrund der Ostsee direkt nach Deutschland führt. Das Projekt wird von der Nord Stream 2 AG umgesetzt. Der russische Gasgigant Gazprom verfügt über 51 Prozent der Aktienanteile. Bis Ende 2019 ist die Inbetriebnahme der Pipeline geplant, deren Kapazität  55 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr erreichen soll.

    Für Deutschland ist das Pipeline-Projekt besonders bedeutend, da die Bundesregierung den Ausstieg aus Atom- und Kohlekraftwerken bis 2038 beschlossen hat.

     

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    Tags:
    Bundeswehr, Beziehungen, Nord Stream, Radoslaw Sikorski, Deutschland, Russland, Polen