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18:26 18 Oktober 2019
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    Soldaten an dem Bord des Zerstörers USS Ross in dem Hafen Constanta, Rumänien (Archiv)

    Abwehrstellung als Angriffsrampe: Sind „Tomahawk“-Raketen schon in Rumänien?

    © Foto: U.S. Navy/Mass Communication Specialist 3rd Class Robert S. Price
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    Rüstungsfirmen aus den USA arbeiten momentan daran, die Raketenabwehrbasis im rumänischen Deveselu auszubauen. Dadurch kann Washington nuklearfähige Marschflugkörper auf europäischem Boden stationieren. Das wird das Verhältnis zu Russland zwangsläufig belasten. Die Zeitung „Gazeta“ hat den Vorgang in Rumänien ausgewertet.

    Ein Stahlbau, so hoch wie ein fünfstöckiges Haus, vollgepackt mit hochsensibler Radartechnik – das ist die Bodenstation des amerikanischen „Aegis“-Systems im rumänischen Deveselu, schreibt die Zeitung „Gazeta“. Senkrechte Startrampen für Raketen gehören zu dieser Anlage auch. Bestimmt sind sie für Abfangraketen SM-3, eigentlich.

    24 Abfangraketen kann eine Startrampe des Typs Mk-41 aufnehmen. Damit sollen im Kriegsfall die Gefechtsköpfe ballistischer Interkontinental- und Mittelstreckenraketen in einer Höhe von bis zu 250 Kilometern zerstört werden.

    Die Startrampen kommen auch auf Kriegsschiffen der US Navy und verbündeter Streitkräfte zum Einsatz – nur dass sie neben Abfang- und Abwehrraketen auch Marschflugkörper aufnehmen können, wie etwa die „Tomahawk“. Schließlich wurde das Mk-41 ursprünglich für eben diesen Marschflugkörper entwickelt.

    2014 hatte im rumänischen Deveselu der Bau einer „Aegis“-Station begonnen. Genannt wird das bodengestützte System „Aegis Ashore“. Es ist quasi baugleich mit dem „Aegis“, das auf den Zerstörern der US-Marine zum Einsatz kommt. Im Dezember 2015 waren die Arbeiten abgeschlossen, nur wenige Monate später ist die rumänische Basis in die gesamte Raketenabwehr der Nato integriert worden.

    Gegenwärtig wird die „Aegis“-Basis in Rumänien überarbeitet. Zeitlich fällt der Beginn dieser Arbeiten mit dem Ausstieg der Vereinigten Staaten aus dem INF-Vertrag zusammen. Und: Die Modernisierung der Station allein reicht den Amerikanern offenbar nicht aus, schreibt die Zeitung. Sie wollen noch die Raketenabwehrsysteme THAAD nach Rumänien verlegen.

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    Das THAAD ist ein mobiles Abwehrsystem gegen ballistische Mittelstreckenraketen. Seine Ziele bekämpft es in einer für ein gewöhnliches Flugabwehrsystem unerreichbaren Höhe von bis zu 150 Kilometern – in einer Distanz von 200 Kilometern vom eigenen Standort. Werden THAAD-Systeme nach Rumänien verlegt, sollen auch sie in die Raketenabwehr der Nato eingegliedert werden.

    Zusätzlich wird die rumänische „Aegis“-Station vom Meer aus verstärkt: Die USA haben geplant, zwei Lenkwaffenzerstörer ins Schwarze Meer zu entsenden, die ebenfalls mit dem „Aegis“ und den Abfangraketen SM-3 bestückt sind. Dabei ist es gut möglich, dass die US Navy sich im Schwarzen Meer auf Rotationsbasis dauerhaft einrichtet.

    Dass die USA mehrere Raketenabwehrsysteme nach Rumänien schicken, um ein anderes Raketenabwehrsystem vor Raketen zu schützen, wirft die Frage auf, ob die „Aegis“-Basis in Deveselu eigentlich noch ihrem Einsatzweck dient. Oder wird diese Aufgabe – die Raketenabwehr – vielleicht auf andere Waffensysteme verlagert, auf das THAAD und die Lenkwaffenzerstörer?

    Kann es sein, dass das rumänische „Aegis Ashore“ momentan auf andere Missionen vorbereitet wird? Die Modernisierungsarbeiten könnten ja dazu dienen, die Abwehrstellung in Rumänien als eine Startrampe für Marschflugkörper auszurüsten. Jedenfalls würde dies den Maßnahmen entsprechen, die die Vereinigten Staaten beim Ausstieg aus dem INF-Vertrag angekündigt haben. Damit würden in Europa erstmalig seit dem Kalten Krieg „Tomahawk“-Raketen mit einer Reichweite von 2.500 Kilometern stationiert.

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    Was Russland nun unternehmen sollte, ist eine weitere Frage, die sich aus dieser Sachlage ergibt, schreibt die Zeitung. Ausgerüstet mit Marschflugkörpern, die 2.500 Kilometer weit fliegen können, wäre die amerikanische „Abwehrstellung“ in Rumänien eine ganz konkrete Bedrohung für russische Städte. Moskau muss reagieren, muss als Reaktion Maßnahmen zur Stärkung der nationalen Sicherheit ergreifen.

    Zweckdienlich wäre hierbei etwa die Verstärkung der Truppen auf der Halbinsel Krim, schreibt die Zeitung. Auf Russlands unsinkbarem Flugzeugträger könnten Schiffsabwehrraketen des Typs „Kalibr“ oder „Kalibr-M“ stationiert werden. Oder eine Brigade modernisierter „Iskander“-Raketen.

    Möglich wäre auch die Verlegung eines Geschwaders von Abfangjägern MiG-31BM auf die Halbinsel. Diese Maschinen tragen die Hyperschallrakete „Kinschal“. Es existiert gegenwärtig kein Abwehrsystem gegen diese Waffe. Zusätzlich sollte man wieder in Erwägung ziehen, ein Geschwader von Überschallbombern Tu-22M3M auf der Krim aufzustellen, die mit Luft-Boden-Raketen bestückt wären.

    Welche Maßnahmen auch ergriffen werden: Die rumänische Führung muss sich, so die Zeitung, im Klaren darüber sein, dass der Umbau der Basis in Deveselu diese Region zum möglichen Ziel eines atomaren Erstschlags macht. Dies wäre allerdings eine bewusste Wahl von Bukarest – keine Initiative von Moskau, so das Blatt.

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    Tags:
    Russland, Kinschal, Kalibr-Rakete, Iskander, Sicherheit, Stärkung, Einsatz, INF-Vertrag, Schwarzes Meer, Zerstörer, THAAD, Stationierung, Tomahawk-Rakete, Aegis-Raketenabwehr, Rumänien, USA