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    Youtube (Symbolbild)

    Beispiellose Mobilmachung: YouTube-Stars vereint gegen Regierungskurs

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    Politik
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    Marcel Joppa
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    So etwas hat es wohl noch nie gegeben: Nach dem viel diskutierten Video des YouTubers Rezo, in dem der 26-Jährige die Politik der CDU diskreditiert, legt der junge Mann nun mit satter Verstärkung nach. Mit mittlerweile knapp 100 weiteren YouTube-Stars erklärt er CDU, CSU, SPD und auch der AfD den Kampf. Die Parteien reagieren sehr unterschiedlich.

    Während über das Video „Die Zerstörung der CDU“ des YouTubers Rezo mittlerweile in beinahe ganz Deutschland diskutiert wird, legt der 26-Jährige nun nach. Am Freitagnachmittag veröffentlichte er auf seinem YouTube-Kanal ein Video, in dem er seine bisherige Position noch einmal bekräftigt. Diesmal allerdings nicht allein, er hat sich schlagkräftige Unterstützung geholt.

    Ein eindeutiges Statement

    "Dies ist ein offener Brief, ein Statement", sagt er zu Beginn in die Kamera. Hintereinander werden dann zahlreiche bekannte YouTuber eingeblendet, die je einen kurzen Auszug dieses Statements aufsagen. Weitere Unterstützer finden sich auf einer darunter veröffentlichten Liste. Mittlerweile finden sich dort weit über 90 teils sehr namhafte YouTube-Stars. 

    Viele der Unterstützer haben YouTube-Kanäle mit teils sogar Millionen Abonnenten, darunter LeFloid mit 3,02 Millionen und Julien Bam mit 5,37 Millionen Followern. Auch findet sich der Journalist und YouTuber Tilo Jung auf der Liste, ebenso wie der Comiczeichner und ebenfalls YouTuber Ralph Ruthe. Das Video dürfte so wieder einen enormen Kreis an Zuschauern erreichen. In dem Aufruf heißt es unter anderem:

    „Wählt nicht die CDU/CSU, wählt nicht die SPD. Wählt auch keine andere Partei, die so wenig im Sinne von Logik und der Wissenschaft handelt und nach dem wissenschaftlichen Konsens mit ihrem Kurs unsere Zukunft zerstört.“

    Schon gar nicht solle man die AfD wählen, welche diesen Konsens sogar leugne.

    In dem Video geht es auch um die Reaktionen aus den Parteien. Mit den Vorwürfen, YouTuber seien gekauft und instrumentalisiert worden, hätten sich die Politiker keine Freunde gemacht. Es gehe um legitime politische Meinungen. 

    CDU versagt im „Neuland“

    Das Ganze klingt wie eine Kampfansage, die ihre mediale Wirkung nicht verfehlen dürfte. Schon das erste Rezo-Video, in dem der junge Mann die Politik der Bundesregierung verbal auseinandernimmt, hat mittlerweile fast 9 Millionen Klicks gesammelt – bemerkenswert, bei einer für YouTube unüblichen Länge von rund 55 Minuten. Die Reaktionen seitens der Politik, vor allem der CDU, waren dagegen an Peinlichkeit kaum zu übertreffen: Erst sollte ein Gegenvideo des ebenfalls 26-Jährigen CDU-Abgeordneten Philip Amthor veröffentlicht werden, dann wurde stattdessen nur ein 11-seitiges pdf-Dokument mit einer eher wenig überzeugenden Antwort online gestellt.

    Ein leiser Versuch…

    Die SPD hat mit einem Gesprächsangebot und der Werbung um Unterstützung reagiert. Dazu posteten Generalsekretär Lars Klingbeil, Juso-Chef Kevin Kühnert und der Europaabgeordnete Tiemo Wölken ein eigenes Video auf YouTube. Klingbeils Aufruf zu Beginn:

    „Uns hat eure Kritik erreicht. Organisiert euch, ladet uns ein, wir versprechen euch, wir kommen dazu, egal ob Wahlkampf ist oder nicht.“

    Für die SPD sei das geplante Klimaschutzgesetz eines der wichtigsten Vorhaben. 

    Auch die AfD reagierte auf die Kritik und den YouTube-Aufruf, die Partei keinesfalls zu wählen. Ein Parteisprecher sagte der Deutschen Presse-Agentur:

    „In zehn Jahren wählen die YouTuber, die es zu einem richtigen Job, einer Familie und vielleicht sogar einer Eigentumswohnung gebracht haben, die AfD“

    Da werden die Unterzeichner des neusten Videos wohl vehement widersprechen. Auch berücksichtigt die AfD nicht, dass viele der erfolgreichsten deutschen YouTube-Stars Einnahmen erreichen, die das Gehalt eines Bundestagsabgeordneten überschreiten dürften.

    Weiter geht’s?

    Ob der Aufruf der versammelten deutschen YouTube-Prominenz tatsächlich Wirkung zeigt, wird sich auch am Ergebnis der Europawahl am kommenden Sonntag zeigen. Die CDU jedenfalls hofft, nicht noch mehr Einfluss in der Zielgruppe der unter 18-Jährigen zu verlieren. Und wenn man den Worten des Filmemachers Rezo glauben darf, hat der Protest der jungen Netzgemeinde gerade erst angefangen.

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