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07:47 22 Oktober 2019
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    Trainingszentrm des Weißrussischen Atomkraftwerks (Archiv)Bau des Weißrussischen Atomkraftwerks in Ostrowez, Gebiet Grodno

    Litauen bittet internationale Atombehörde um Verbot des Weißrussischen Atomkraftwerks

    © AFP 2019 / Sergei GAPON / AFP © Sputnik / Viktor Tolochko
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    Das Außenministerium des baltischen EU-Mitglieds Litauen hat die Internationale Atomenergieorganisation (IAEO) in einem Schreiben ersucht, die Inbetriebnahme eines Atomkraftwerks im benachbarten Weißrussland nicht zuzulassen, schreibt das litauische Online-Nachrichtenmagazin Delfi.

    Das vom Außen- und vom Energieminister Linas Linkevicius und Žygimantas Vaičiūnas an IAEO-Generaldirektor Yukiya Amano verfasste Schreiben enthält unter anderem die Bitte, die Behörden Weißrusslands von der Notwendigkeit zu überzeugen, das mit Hilfe Russlands gebaute Kraftwerk in Ostrowez nicht in Betrieb zu nehmen, „solange nicht alle Sicherheitsprobleme gelöst worden sind“.

    Die Minister sind in erster Linie darüber besorgt, dass Minsk Empfehlungen von IAEO-Experten und der sogenannten Espoo-Konvention ignoriert. Bei diesem in Finnland ausgehandelten Dokument geht es um ein Übereinkommen über die Umweltverträglichkeitsprüfung im grenzüberschreitenden Rahmen.

    In einem im Sommer 2018 veröffentlichten Bericht wird unter anderem darauf hingewiesen, dass Weißrussland die Wahl des Standortes für das AKW nicht begründet hatte. Die litauischen Minister gehen davon aus, dass der Präzedenzfall des Weißrussischen Atomkraftwerks „die Zukunft der Atomenergiewirtschaft maßgebend prägen kann“.

    Der staatliche russische Kernenergiekonzern Rosatom macht auf die von Weißrusslands Präsident Alexander Lukaschenko gestellte Aufgabe aufmerksam, „das sicherste und modernste Kraftwerk Europas“ zu bauen, und bestätigte, dass das Projekt des Weißrussischen AKW keine Analoga in Europa hat.

    Die Inbetriebnahme des ersten Reaktorblocks war ursprünglich für 2018 geplant worden. Aber nach einer Panne, als der Reaktormantel im Juli 2016 leicht demoliert wurde, musste die Inbetriebnahme verschoben werden, weil die Anfertigung eines neuen Mantels Rosatom-Angaben zufolge mindestens sechs Monate in Anspruch nehmen würde.

    Das Weißrussische Atomkraftwerk wird im Kreis Ostrowez des Gebiets Grodno nach dem russischen Projekt WWER-1200 gebaut. Jeder der beiden Druckwasserreaktoren hat eine Leistung von 1.200 Megawatt. Der erste Meiler dürfte noch im laufenden Jahr ans Netz angeschlossen werden. Der zweite Reaktorblock wird zeitplangemäß gebaut und soll 2020 in Betrieb gehen. Generalauftragnehmer ist Rosatom-Tochter AtomStroiExport (ASE).

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    Für den Bau der beiden Reaktoren hatte Russland Weißrussland einen Kredit über rund zehn Milliarden US-Dollar gewährt, der etwa 90 Prozent der Kosten deckt. Der Standort ist 18 Kilometer von der Stadt Ostrowez und etwa 50 Kilometer von der litauischen Hauptstadt Vilnius entfernt.

    Litauen hatte zuvor die Legitimität des Kraftwerks mehrmals in Zweifel gezogen und daher eine Kooperation mit Weißrussland beim Bau des AKW abgelehnt. Präsidentin Dalia Grybauskaitė ist der Ansicht, dass die Sicherheit des Atomkraftwerks „im Prinzip nicht gewährleistet werden kann“, weil der Standort falsch ausgewählt worden sei.

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    Tags:
    Verbot, Inbetriebnahme, Schreiben, IAEA (IAEO), Atomkraftwerk, Weißrussland, Litauen