12:52 07 Dezember 2019
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    „Ibiza-Affäre“ in Österreich: Boulevardblätter verzetteln sich in eigenen Gerüchten

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    Ibiza-Gate: Regierungskrise in Österreich (45)
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    Der Skandal um die Ibiza-Affäre des – mittlerweile zurückgetretenen – österreichischen Vizekanzlers Heinz-Christian Strache will auch eine Woche nach dem Auftreten der ersten Meldungen nicht aus den Schlagzeilen verschwinden – obwohl die neuen „Enthüllungen“ und „brisanten Details“ eher an bizarre Verschwörungstheorien erinnern.

    Am 17. Mai war von deutschen Medien ein Video veröffentlicht worden, in dem Strache eine vermeintliche russische Milliardärin um Wahlkampfspenden bittet und im Austausch Staatsaufträge anbietet. Strache hielt die Frau wohl für die Nichte eines russischen Oligarchen und gab Äußerungen von sich, die ihm das Amt kosteten.

    >>> Mehr zum Thema: Blick aus Moskau auf „Ibiza-Video“: Eine Lektion für Berlin und Wien <<<

    Die politische Aufarbeitung des Skandals läuft – im September sollen in Österreich wegen der Affäre Neuwahlen stattfinden.

    Doch für die Boulevardpresse ist das Thema noch lange nicht vom Tisch. Um weitere Clicks an dieser „Russen-Story“ zu generieren, werden wildeste Theorien präsentiert – für mindestens eine von ihnen drohen einem österreichischen Portal jetzt wohl juristische Konsequenzen.

    Das österreichische Portal oe24.at hat nämlich in einem Artikel unter dem Titel „Rätsel um ‚schoafe‘ Russin“ zwei weitere Theorien um die angebliche Russin im Strache-Video präsentiert:

    ·         Sascha Wandl, der (nach eigenen Aussagen) ehemalige Sicherheitsberater und „Chef von Videoproduzenten Julian H.“, behauptete in einem Interview mit oe24.at , die als Lockvogel agierende Frau sei „eine semi-professionelle Prostituierte“.

    ·         Die zweite Version kursiert unter Berufung auf eine angeblich den deutschen Rechtspopulisten der AfD nahestehende Bloggerin. Demnach handelt es sich in dem politischen Skandal um Lera Kudrjawtsewa, die in Russland als TV-Moderatorin, Schauspielerin und Sängerin bekannt ist.

    Beide Versionen sind wirr und haben keinerlei Belege oder objektive Grundlagen, doch um Klicks zu sammeln, kommen sie dem Portal dennoch gerade richtig.

    >>> Mehr zum Thema: „Genau meine Handschrift” – Sicherheitsexperte Sascha Wandl deckt Macher des Ibiza-Videos auf <<<

    Zumindest im zweiten Fall dürfte das aber ein juristisches Nachspiel haben. Denn die „wahre“ Kudrjawtsewa ist auf ihre Diffamierung auf dem Portal aufmerksam geworden und zeigt sich empört wie überrascht.

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    Wie aus ihrem Instagram-Post hervorgeht, wolle sie Klage beim Internationalen Gerichtshof erheben:

    „Heute bin ich auf den Titelseiten von Zeitungen in Österreich. Es stellt sich heraus, dass man mir den Rücktritt des österreichischen (Vize)-Kanzlers vorwirft. Ich dachte, nur bei uns kann der Boulevard es sich leisten, alles Beliebige zu schreiben. Aber nein. Die ‚Österreich Zeitung‘ hat sich ein solches Material erlaubt. Na ja, wir werden das vor dem internationalen Gericht aufklären“, schrieb Kudrjawtsewa auf ihrer Instagram-Seite.

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    Rätsel, Heinz-Christian Strache, Affäre, Ibiza